Freitag, 03. Juni 2016

Bürgermeisterwahl in Italien – Fünf Städte im Fokus

13,5 Millionen Italiener sind am Sonntag zur Wahl von 1342 Gemeinderäten aufgerufen. Besondere Bedeutung hat der Urnengang in den größten Metropolen des Landes, Rom, Mailand, Neapel, Turin, Bologna und Triest.

Foto: © APA/AP

Das Votum gilt als wichtiger Stimmungstest für Premier Matteo Renzi zweieinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt.

Die Wahllokale werden von 7.00 Uhr bis 23.00 Uhr geöffnet sein. In Gemeinden mit mehr als 15.000 Einwohnern, in denen kein Bürgermeisterkandidat beim ersten Wahlgang die 50-Prozent-Mehrheit erhält, kommt es am 19. Juni zu einer Stichwahl zwischen den beiden bestplatzierten Bewerbern.

Grillini wollen Rom erobern

Zwar ist der Wahlausgang in den meisten Städten noch offen, laut Umfragen zeichnen sich jedoch in mehreren Städten bereits einige Favoriten ab. Die 2009 als Protestinitiative gegründete Fünf Sterne-Bewegung um den europakritischen Starkabarettisten Beppe Grillo hofft auf einen eindeutigen Sieg in Rom. Hier ist die Kandidatin der populistischen Bewegung, Virginia Raggi, die Favoritin. Die Bewegung stellt sich als Alternative zur „korrupten Politik der Traditionsparteien“ dar und als Garant für Ehrlichkeit und Transparenz.

Raggi profitiert davon, dass die beiden großen Lager gespalten sind. Die Linke hat zwei Kandidaten aufgestellt. Raggis größter Konkurrent ist der von Premier Matteo Renzi unterstützte Kandidat der Demokratischen Partei (PD), Roberto Giachetti.

Die Rechten schicken gleich vier Bewerber ins Rennen, die größten Chancen haben der Freund von Ex-Premier Silvio Berlusconi, der Bauunternehmer Alfio Marchini, und die Post-Faschistin Giorgia Meloni, Chefin der Rechtspartei „Fratelli d'Italia“ (Brüder Italiens).

PD rechnet mit Sieg in Mailand

Renzis PD rechnet mit einem Sieg in der lombardischen Hauptstadt Mailand. PD-Kandidat Giuseppe Sala gilt als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge des Stadtoberhaupts Giuliano Pisapia. Nach dem Erfolg der im Oktober zu Ende gegangenen Weltausstellung hofft der Ex-Expo-Chef Sala sogar beim ersten Wahlgang auf die Kür zum Bürgermeister. Sein schärfster Rivale ist der Mitte-Rechts-Kandidat Stefano Parisi.

Der seit fünf Jahren amtierende Bürgermeister von Turin, Piero Fassino hofft auf einen Amtsverbleib. Der PD-Kandidat und Ex-Justizminister ist laut Umfragen mit 42 Prozent klarer Favorit des Wahlduells. Seine gefährlichste Rivalin ist die 31-jährige Unternehmerin Chiara Appendino, die für die Grillo-Partei ins Rennen zieht.

Mitte Links Favoriten in Bologna und Neapel

In Bologna hofft der amtierende Mitte-Links-Bürgermeister Virginio Merola auf eine Wiederwahl. Ein zweites Mandat winkt auch Neapels Bürgermeister Luigi De Magistris, der an der Spitze eines Mitte-Links-Bündnisses in den Wahlkampf gezogen ist.

In Triest hofft der Mitte-Links-Bürgermeister Roberto Cosolini auf ein zweites Mandat von fünf Jahren. Sein gefährlichster Rivale ist sein Vorgänger Roberto Dipiazza, der an der Spitze eines Mitte-Rechts-Bündnisses wieder zum Stadtoberhaupt gewählt werden will.

apa

stol