Freitag, 08. Juli 2016

Bundespräsident Heinz Fischer tritt ab

Das Österreichische Parlament hat sich am Freitag in einer Festsitzung von Bundespräsident Heinz Fischer verabschiedet.

Heinz Fischer beendet am Freitag seine Amtszeit.
Heinz Fischer beendet am Freitag seine Amtszeit. - Foto: © APA

Alles, was in der Republik Rang und Namen hat, ist am Freitag ins Parlament geeilt, um sich von Bundespräsident Heinz Fischer zu verabschieden, der am Freitag nach zwölf Jahren aus seinem Amt scheidet. Zur festlichen Sitzung im historischen Sitzungssaal fanden sich Regierung, Abgeordnete und Landeshauptleute ebenso ein wie die Alt-Kanzler sowie die noch lebenden Präsidentschaftsgattinnen.

Am Freitag trat das österreichische Parlament zu einer Festsitzung zusammen.

Doris Bures: „Sie werden uns ein leuchtendes Vorbild bleiben.“

Über mangelndes Lob musste sich der scheidende Bundespräsident wahrlich nicht beklagen. Nationalratspräsidentin Doris Bures meinte in Richtung ihres langjährigen Parteifreunds: „Sie werden uns ein leuchtendes Vorbild bleiben.“ Fischer habe als Bundespräsident der Republik im besten Sinne des Wortes gedient. Er sei ein Präsident nicht nur für die Mehrheit, sondern im besonderen Ausmaß auch für die Minderheit, die Schwachen und Schwächsten der Gesellschaft gewesen. 

Fischer als Menschenfreund

Der Bundespräsident habe immer die Nähe der Menschen gesucht und mit seiner Offenheit und Wärme auch die Herzen erreicht: „Als Staatsoberhaupt haben Sie immer die richtige Balance gefunden zwischen der Würde, die ein Bundespräsident auszustrahlen hat, und der Ungezwungenheit, die den Menschen und Menschenfreund Heinz Fischer zum Vorschein gebracht hat.“ Dass die Worte des Staatsoberhaupts großes Gewicht hätten, habe Fischer immer gewusst: „Als Bundespräsident hat er sie maßvoll eingesetzt und mit Bedacht gewählt - niemals mit der Faust auf den Tisch, sondern immer alle Argumente sorgsam abwägend und Kompromisse suchend.“ An die beiden Bewerber Van der Bellen und Hofer appellierte er, fair bei der Wahlwerbung zu sein.

Heinz Fischer spricht Flüchtlingsproblematik an

In seiner Abschiedsrede sprach Fischer auch aktuelle Ereignisse wie die Flüchtlingskrise an. Er warnte vor einfachen Antworten: "Denn unsere Flüchtlingspolitik muss sowohl durch Rationalität als auch Humanität geprägt sein." Er verteidigte auch die Machtbefugnisse des Staatsoberhauptes, wenn man von diesen keinen Gebrauch mache, so spreche das für die Reife und Stabilität des politischen Systems.
Die vom Verfassungsgerichtshof stattgegebene Wahlanfechtung verteidigte der Alt-Bundespräsident. 

Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer lauschten den Reden

Jene beiden, die noch die Chance haben, Fischers Nachfolge anzutreten, konnten sich schon einmal anhören, was am Ende ihrer Amtszeit im besten Fall über sie gesagt werden wird. Alexander Van der Bellen, der bei seinem Eintreffen im Parlament übrigens zufällig quasi in die Regierungsspitze hineinlief, folgte dem Geschehen von einer Loge aus. Norbert Hofer als noch aktiver Parlamentarier lauschte den Reden in den Abgeordneten-Bänken.

Dank auch an Margit Fischer

Nationalratspräsidentin Doris Bures vergas nicht auf die Rolle von Margit Fischer, die ihren Mann bei seinem letzten offiziellen Auftritt im Amt wie stets begleitete. Deren liebenswürdige Persönlichkeit habe das harmonische Bild der Hofburg wesentlich mitgeprägt, schwärmte die Nationalratspräsidentin.

Heinz Fischer wird im Wintersemester 2016/2017 eine Gastprofessur für Politikwissenschaft an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck antreten.

apa/dpa/stol

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