Lässt sich der Landwirtschaft mit „Carbon Farming“ unter die Arme greifen? Und was ist das überhaupt? Antworten gibt Ökologe Georg Niedrist von Eurac Research im Interview.<BR /><BR /><b>Herr Niedrist, was ist Carbon Farming?</b><BR /><BR />Georg Niedrist: Beim Carbon Farming geht es um die Fähigkeit eines ökologischen Systems, beispielsweise einer Apfelwiese, CO2 aus der Atmosphäre langfristig zu entziehen – und damit einen Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgase im Sinne des Klimaschutzes zu leisten. Für den Nachweis einer zusätzlichen und langfristigen CO2-Bindung gibt es Zertifikate, mit denen man handeln kann. <BR /><BR /><BR /><b>Also eine zusätzliche Einkommensquelle für Landwirte?</b><BR /><BR />Niedrist: Unter sehr eingeschränkten Voraussetzungen und nur, wenn es gut gemacht ist. Meist bleibt es jedoch ein theoretischer Ansatz, der in der Praxis nicht funktioniert. <BR /><BR /><BR /><b>Wieso? Wo ist der Haken?</b><BR /><BR />Niedrist: Das erste Grundprinzip und damit das entscheidende Wort ist die „Langfristigkeit“. Eine nur vorübergehende CO2-Bindung bringt dem Klimaschutz nichts. Der zweite wichtige Aspekt ist die „Zusätzlichkeit“.<BR /><BR /><BR /><b>Und die Kohlendioxid-Bindung im Apfelanbau bspw. ist nicht langfristig?</b><BR /><BR />Niedrist: Eben genau da liegt der Denkfehler. Eine Apfelanlage bindet CO2, aber wenn sie nach 15 Jahren gerodet wird, werden die Stämme meist zu Brennholz/Hackschnitzel – und das CO2 wieder freigesetzt. Ein Null-Summenspiel. Zudem müsste eine bestehende Apfelanlage ja zusätzliches CO2 speichern. <BR /><BR /><BR /><b>Und wie kann es funktionieren?</b><BR /><BR />Niedrist: Eine theoretische Möglichkeit wäre die Verwendung der gerodeten Stämme als Bauholz, aber dafür eignen sie sich schlecht. Oder die Verkohlung und den Eintrag dieser Bio-Kohle in den Boden, dem sind aber auch Grenzen gesetzt. Oder, indem man einige Baumreihen weg- und dauerhafte Hecken wachsen lässt. Das hätte aber Ertragseinbußen zur Folge: Carbon Farming im Apfelanbau bleibt schwierig.