Samstag, 08. September 2018

Chemnitz: Jüdischer Lokal-Besitzer berichtet von Angriff

Im Zuge der Ausschreitungen in Chemnitz ist in der ostdeutschen Stadt auch ein jüdisches Restaurant angegriffen worden. Wie Restaurantbesitzer Uwe Dziuballa am Samstag der Nachrichtenagentur AFP sagte, wurden am Abend des 27. August aus einer Gruppe heraus Gegenstände auf die Gaststätte geworfen - dabei sei auch gerufen worden: „Judensau, verschwinde aus Deutschland”.

Restaurantbesitzer Dziuballa möchte trotz der Zwischenfälle im Restaurant weiterarbeiten. - Foto: APA (AFP)
Restaurantbesitzer Dziuballa möchte trotz der Zwischenfälle im Restaurant weiterarbeiten. - Foto: APA (AFP)

Zuvor hatte die „Welt am Sonntag” berichtet, Dziuballas koscheres Restaurant „Schalom” sei von etwa einem Dutzend Neonazis angegriffen worden. Dziuballa sagte der AFP, er habe an dem Montagabend, dem zweiten Tag von Protesten nach dem gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen in Chemnitz, zunächst Geräusche gehört und sei hinausgegangen. Dort hätten sich dann zehn bis zwölf teils vermummte Menschen befunden. Dann habe er entweder laut gedacht oder auch tatsächlich gesagt: „Haut ab!”

”Dann wurden mir verschiedene Gegenstände zugeworfen und jemand rief zu mir: 'Judensau, verschwinde aus Deutschland'”. Er selbst sei an der Schulter getroffen worden, habe sich aber nicht in einem Krankenhaus behandeln lassen. Die Polizei sei dann „eine Minute später” gekommen und habe seine Aussage aufgenommen. Am vergangenen Donnerstag sei die Kriminalpolizei gekommen, um Spuren zu sichern.

Erinnerungen werden wachgerufen

Der „Welt am Sonntag” zufolge ermittelt inzwischen das sächsische Landeskriminalamt. Ein Sprecher des Landes-Innenministeriums erklärte demnach, dass in dem Fall „derzeit eine politisch motivierte Tat mit einem antisemitischen Hintergrund naheliege”. Die Ermittlungen dazu seien allerdings noch nicht abgeschlossen.

Der Antisemitismusbeauftragte der deutschen Regierung, Felix Klein, zeigte sich alarmiert. „Sollten die Berichte zutreffen, haben wir es mit dem Überfall auf das jüdische Restaurant in Chemnitz mit einer neuen Qualität antisemitischer Straftaten zu tun”, sagte er der „Welt am Sonntag”. „Hier werden die schlimmsten Erinnerungen an die dreißiger Jahre wachgerufen.”

Das Restaurant bleibt offen

Klein forderte die sächsische Polizei und Staatsanwaltschaft auf, „nun unverzüglich und umfassend zu ermitteln und mit aller Härte” gegen die Täter vorzugehen. Der Staat müsse mit aller Deutlichkeit zeigen, „dass antisemitische Straftaten unverzüglich geahndet werden”.

Dziuballa will indes nicht aufgeben. „Das ist nicht typisch für Chemnitz”, sagt er. „Seit das Restaurant im Jahr 2000 eröffnet wurde, ist es das erste Mal, dass ich so etwas erlebe.” „Scheitern” sei deshalb „keine Option”. „Wir werden weiter arbeiten”, sagt er. „Damit versuche ich, die Gesellschaft positiv zu prägen.”

apa/ag.

stol