Freitag, 18. Januar 2019

Christina Stürmer: Rockstarleben mit Kind und Kegel

Seit sie vor 15 Jahren durch die ORF-Castingshow Starmania bekannt geworden ist, hat Christina Stürmer eine Wahnsinns-Karriere hingelegt. In ihrem neuen Album „Überall zu Hause“ zeigt sich die Sängerin nun von einer ganz neuen Seite und startet im Frühsommer 2019 ihre Tour durch zahlreiche Städte. Am 15. Mai macht sie dabei auch Halt in der Stadthalle in Bozen. Im Interview mit STOL erzählt die 36-Jährige, warum sie Südtirol so sehr liebt, verrät einiges über ihren neuen Musik-Stil, und plaudert über falsche Brüste und darüber, wie sie ihr Leben als Rockstar und Mutter einer kleinen Tochter unter einen Hut bringt.

Am 15. Mai tritt Stürmer auch in der Stadthalle Bozen auf. - Foto: Facebook/Christina Stürmer
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Am 15. Mai tritt Stürmer auch in der Stadthalle Bozen auf. - Foto: Facebook/Christina Stürmer

Südtirol Online (STOL): Christina, Sie starten im Frühsommer 2019 ihre „Überall zu Hause“- Tour und kommen im Mai für ein Konzert auch nach Südtirol. Die Fans können es kaum erwarten. Und Sie?

Christina Stürmer: Ich liebe Südtirol. Ich fahre auch immer wieder gerne privat zu Euch in den Urlaub. Und wenn es geht, legen wir die Konzerte, die wir in Südtirol geben, immer so, dass wir schon am Vorabend ankommen und Land und Leute genießen können. Wie ich gerade auf dem Tourplan sehe, ist dies dieses Mal leider nicht der Fall. (seufzt) Das letzte Mal waren wir am Thermenplatz in Meran zu Gast. Ich habe es so sehr genossen. Und am dortigen Bauernmarkt und am Obstmarkt in Bozen haben wir uns noch mit ganz vielen Lebensmitteln eingedeckt, sodass wir noch einige Zeit was davon hatten.

STOL: Sie sind ja zusammen mit ihrem Partner und Bandmitglied Oliver Varga Eltern einer 2-jährigen Tochter namens Marina. Wie hat sich ihr Leben durch sie verändert und wie bringt man das stressige Rockstarleben und das Muttersein unter einen Hut?

Christina Stürmer: Marina ist eine enorme Inspirationsquelle, ich ziehe seit ihrer Geburt viel Kraft aus dem Familienleben. Ein Kind zu haben ist eine aufregende Erfahrung und ein tägliches Abenteuer. Sie hat frischen Wind in mein Leben reingepustet. All diese neuen Aspekte in meinem Leben und andere Erlebnisse finden sich auf dem neuen Album. In jeder Textzeile, in jeder Note. Und außerdem ist Marina immer mittendrin. 

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STOL: Nehmen Sie Marina also auch mit auf die große Tour?

Christina Stürmer: Ja, klar. Sie war auch schon bei der letzten Tour zum Album „Seite an Seite“ mit dabei. Da war sie erst 7 Monate alt. Das war im Nachhinein gesehen schon sehr anstrengend. Obwohl meine Eltern und meine Schwester als Babysitter mit dabei waren und mich tatkräftig unterstützt haben. Dieses Mal aber wird es im Vergleich zum letzten Mal ein leichtes Spiel. Wir haben das auch schon im Sommer ein paar Mal geprobt und sie im Tourbus mitgenommen. Marina hat da das gesamte Team unterhalten, sie hat einfach Spaß mit Menschen und ist immer mittendrin. Und umgekehrt sind alle ein bisschen Babysitter. Für die Tour im Frühsommer 2019 ist also alles top organisiert, außerdem sind die Eltern von meinem Freund auch noch mit dabei, die sich um die Kleine kümmern, während wir arbeiten und unsere Konzerte geben.

STOL: Nun kommen wir noch einmal auf Ihr neues Album zu sprechen. Es unterscheidet sich deutlich von früheren Alben, sie schlagen ganz andere Töne an und ein neuer Stil ist zu erkennen…

Christina Stürmer: Ja, eindeutig. Nach „Seite an Seite“, das sehr melancholisch und ruhig war, wollte ich einen Schritt weitergehen, mich weiter entwickeln. Ich brauchte einfach frischen Wind. Ich hatte irgendwie keine Lust mehr mit meiner Stimme gegen diese breiten Gitarren anzukämpfen. Deshalb rückten die Gitarren und das Schlagzeug bei diesem Album eher in den Hintergrund, es gibt jetzt mehr Klavier, Synthesizer und elektronische Beats. Als die  ersten Lieder, wie etwa „In ein paar Jahren“ entstanden sind, war ich zu Beginn selbst überrascht über die Veränderung. Es war viel poppiger als früher, aber immer noch ganz eindeutig und 100 Prozent Christina Stürmer. Ich war mit dem Ergebnis sehr zufrieden und hatte sehr viel Spaß an der Arbeit. Und ich höre die neue Platte ehrlich gesagt häufiger als ich die anderen gehört habe.

Stark inspiriert haben mich auch einige Bands, die bei uns zu Hause nun schon seit einiger Zeit rauf und runter laufen, wie etwa „One Republic“, „Mumford&Sons“, „Link in Park“ oder „Imagine Dragons“. Ich liebe deren Songs und die Stimmung, die sie auslösen. Dieses Mal war es auch generell ein ganz anderes Arbeiten als bei den vorangegangenen Alben: Dadurch, dass es Marina in unserem Leben gibt, haben wir einfach bei uns zuhause im Weinviertel in Oberösterreich am Küchentisch oder auf unserer Terrasse gearbeitet. Wir haben uns keinen Stress gemacht und alles locker genommen. Marina war also mittendrin, die Familie drum herum. Auch die Band und alle anderen Beteiligten haben dieses Arbeiten sehr genossen. Ich mache jetzt lieber weniger, dafür das aber „gscheid“ und intensiv.

STOL: Das Album ist nicht nur anders, sondern auch sehr persönlich ausgefallen, ein Lied handelt sogar von ihrer Tochter. Haben Sie die Songs also alle selbst geschrieben?

Christina Stürmer: Ja, ich habe sie alle selbst geschrieben, einige Texte sind natürlich auch in Zusammenarbeit mit meinen Bandmitgliedern Oliver Varga, Tom Albrecht, Christian Neander, Joe Walter und vielen anderen entstanden. Das Schreiben ist mir sehr leicht von der Hand gegangen, trotzdem bin ich immer sehr selbstkritisch und habe mich ständig gefragt, ob die Texte schon gut sind. Und Persönlich sind die Songs auf jeden Fall. „In ein paar Jahren“ etwa handelt von all den Momenten im Leben, egal ob gut oder auch mal weniger schön, an die man sich später einmal zurückerinnern wird. Ich nenn' ihn immer so ein bisschen den Nostalgie-Song. Und „Du erinnerst mich an mein Herz“ ist jenes Lied, das von meiner Tochter handelt.

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STOL: Wenn Sie auf ihre mittlerweile 15-jährige Karriere zurückschauen, was empfinden Sie da?

Christina Stürmer: Nach Starmania ging ja alles Schlag auf Schlag. Anfangs war das eine enorme Umstellung. Ich war 20, zog in eine eigene Wohnung, war plötzlich Popstar, gab Konzerte, Autogramme, es war unglaublich viel los um mich herum. 2005 kam auch der Durchbruch in Deutschland. Ich musste zu der Zeit wirklich dafür kämpfen, mich nicht zu verlieren und mich nicht verbiegen zu lassen. Ich kann mich erinnern, dass man mich einmal in ein unmögliches Kostüm stecken wollte. Ich habe mich geweigert. Und auch als mir jemand riet, ich solle mir meine Brüste vergrößern lassen, habe ich dankend abgelehnt. (lacht) Ich wurde, weil ich eben nicht alles tat, was andere wollten, schnell als Zicke abgestempelt. Doch nach und nach nahm man mich schon ernst, ich wurde wahrgenommen und akzeptiert, so wie ich war. Auch ohne falsche Brüste. Und mittlerweile ist es mir egal, was andere denken. Auch in Bezug auf meine Tochter, die ich ja auf Tour mitnehme. Ich weiß genau, was gut für sie und uns ist oder nicht. Ich mache, wie ich vorhin schon erwähnt habe, weniger, dafür das aber gescheid und intensiv. Und so ist es gut.

STOL: Danke für das Gespräch und bis bald in Südtirol.

Interview: Verena Stefenelli

Kartenvorverkauf

Tickets für das Konzert am 15. Mai um 20.30 Uhr in der Stadthalle Bozen gibt es in allen Athesia Buchhandlungen, in Meran bei Non Stop Music, in Bozen bei Bazar, Online-Ticket: www.ticketone.it.

stol

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