Samstag, 09. Dezember 2017

Como: Tausende demonstrieren gegen Neofaschismus

Rund 10.000 Menschen haben am Samstag in der norditalienischen Stadt Como gegen ein Aufflammen des Rechtsextremismus in Italien demonstriert. An der Kundgebung beteiligten sich Spitzenpolitiker mehrerer Parteien, darunter der Sozialdemokraten-Chef und Ex-Premier Matteo Renzi sowie Parlamentspräsidentin Laura Boldrini, wie italienische Medien berichteten.

In Como demonstrierten am Samstag rund 10.000 Menschen gegen Faschismus und Intoleranz. - Foto: Ansa
In Como demonstrierten am Samstag rund 10.000 Menschen gegen Faschismus und Intoleranz. - Foto: Ansa

Bei der Demonstration wurden Texte antifaschistischer Kämpfer verlesen. Die Demonstranten skandierten Slogans gegen die Abkommen mit Libyen, wegen denen tausende Flüchtlinge im Mittelmeer ums Leben kommen würden.

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Zehntausend Menschen gegen Rechts. - Foto: Ansa

Die Demonstration war ausgerufen worden, nachdem Aktivisten der rechtsextremen Gruppe „Veneto Fronte Skinheads“ in einen Saal eingedrungen, wo sich Anhänger des Netzwerks „Como Senza Frontiere“, das aus humanitären Verbänden besteht, die sich aktiv für Migrantenhilfe engagieren, versammelt hatten. (STOL hat berichtet)

Die Skinheads stürmten das Treffen und verlasen eine Presseerklärung mit scharfer Kritik am Umgang mit dem Flüchtlingsnotstand in der an die Schweiz grenzenden Stadt. Daraufhin wurden vier Personen angezeigt und 13 Hausdurchsuchungen in Norditalien durchgeführt.

Gegendemo wurde nicht genehmigt

Die ausländerfeindliche Lega Nord schloss sich der Demonstration nicht an. „Diese Protestkundgebung wird von Parteien unterstützt, die für die ungeregelte Migration sind“, kommentierte Lega-Nord-Chef Matteo Salvini.

Eine Gegendemonstration, die für diesen Samstag von der rechtsextremen Partei Forza Nuova in der Stadt angekündigt worden war, wurde von der Polizei aus Sicherheitsgründen verboten. Rund 70 Aktivisten der Partei unter der Leitung ihres Chefs Roberto Fiore tagten in einem Hotel in Como.

Neofaschisten gegen „La Repubblica“

Ein Dutzend vermummte Aktivisten der neofaschistischen Forza Nuova versammelte sich am Mittwochnachmittag zudem vor dem Sitz der römischen Tageszeitung „La Repubblica“. Sie warfen Rauchbomben und zeigten Plakate mit einem Appell zum Boykott des Blattes, das sie beschuldigen, eine „Kampagne zur Kriminalisierung“ der Forza Nuova, die in Rom stark verankert ist, zu führen.

„Das ist unser erster Akt eines politischen Kriegs gegen 'Repubblica' und gegen den Partito Democratico (PD), die die Zeitung unterstützt“, kündigte Forza-Nuova-Chef Fiore an.

apa/stol

stol