Klar, Queen Elizabeth II. und Corgis... eine endlose Liebesgeschichte. Doch die Historie dieser Hunderasse beginnt keineswegs auf einem roten Teppich und schon gar nicht im britischen Königshaus. Sondern auf den grünen Weiden von Wales. <BR /><BR />Ihr Name setzt sich vermutlich aus dem Walisischen, aus „cor“ für Zwerg und „gi“ für Hund, zusammen. In Wales wurden die kleinen, kräftigen Hunde über Jahrhunderte als Arbeitshunde eingesetzt. Ihre Aufgabe: Rinder treiben, bewachen und zusammenhalten. <BR /><BR />Ihre kurzen Beine waren für diese Arbeit durchaus praktisch. Die Hunde konnten dicht an den Tieren entlanglaufen und bei Bedarf unter den Hufen hindurch ausweichen. Gleichzeitig waren sie robust genug, um auch längere Strecken zurückzulegen. Der Corgi war also keineswegs ein niedlicher Schoßhund, sondern ein ernst zu nehmender kleiner Viehtreiber. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1360299_image" /></div> <h3> Pembroke und Cardigan – zwei alte Linien</h3>Hinter dem Begriff „Corgi“ verbergen sich eigentlich zwei eigenständige Rassen – der Welsh Corgi Cardigan und der Welsh Corgi Pembroke. Der Cardigan gilt als die ältere der beiden Rassen, seine Vorfahren wurden vermutlich schon vor rund 1.000 Jahren nach Wales – genauer gesagt in die historische Grafschaft Cardiganshire (heute Ceredigion) im Westen des Landes – gebracht. <BR /><BR /> Der Pembroke entwickelte sich ebenfalls in Wales, insbesondere in der Region Pembrokeshire. Seine Vorfahren könnten unter anderem von flämischen Webern im Mittelalter nach Wales gebracht worden sein. Auch er wurde als Arbeitshund eingesetzt und bewachte und trieb Vieh. <BR /><BR />Obwohl sich die Hunde äußerlich unterschieden, wurden sie lange Zeit nicht offiziell getrennt. Erst 1934 kam es zur entscheidenden Wende: Der britische Kennel Club erkannte den Pembroke und den Cardigan als zwei eigenständige Rassen an. <BR /><BR />Seitdem werden sie getrennt gezüchtet und auf Ausstellungen als unterschiedliche Rassen bewertet. Heute lassen sie sich leicht unterscheiden: Der Cardigan besitzt einen langen, buschigen Schwanz und kommt in besonders vielen Fellfarben vor, darunter auch Blue Merle und Brindle. Der Pembroke ist meist etwas kompakter und leichter und ist vor allem für sein fuchsähnliches Gesicht und seine kürzere Rute bekannt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1360302_image" /></div> <BR />Seinen weltweiten Ruhm verdankt der Corgi allerdings nicht nur seiner Arbeit auf den walisischen Weiden, sondern vor allem einer ganz besonderen Liebhaberin: Königin Elizabeth II. Die besondere Verbindung begann 1944. Zu ihrem 18. Geburtstag bekam die damalige Prinzessin Elizabeth einen Welsh Corgi Pembroke namens Susan – weit mehr als ein Haustier. Die Hündin begleitete sie sogar auf ihrer Hochzeitsreise mit Prinz Philip im Jahr 1947.<BR /><BR />Aus Susan sollte eine ganze königliche Corgi-Dynastie entstehen. Fast alle Corgis, die Elizabeth II. später selbst züchtete, stammten von ihr ab. Gemeinsam mit ihrer Schwester Prinzessin Margaret entstand sogar eine neue Variante: Ein Corgi wurde mit einem Dackel namens Pipkin verpaart. Das Ergebnis waren die sogenannten Dorgis – eine Mischung aus Dachshund und Corgi. Insgesamt besaß die Queen im Laufe ihres Lebens mehr als 30 Corgis und Dorgis. <BR /><BR />Die Liebe zu den kleinen Hunden hatte allerdings schon vor Elizabeths eigener Corgi-Zucht eine königliche Vorgeschichte. Bereits 1933 bekam ihr Vater, der spätere König George VI., einen Corgi namens Dookie. Wenig später kam Jane hinzu. Die königliche Familie war damit endgültig auf den Corgi gekommen.<h3> Vom Arbeitshund zum Kultstar</h3>Wie sehr die Hunde zum öffentlichen Bild der Queen gehörten, zeigte sich immer wieder. 2016 ließ sie sich zu ihrem 90. Geburtstag von der berühmten Fotografin Annie Leibovitz mit ihren Hunden auf Schloss Windsor porträtieren. Auf einem der offiziellen Fotos ist die Monarchin gemeinsam mit zwei Corgis und zwei Dorgis zu sehen. Die Corgis zeigten dabei eine andere Seite der Königin: jenseits von Krone, Staatsempfängen und roten Aktenkoffern eine Frau, die Tiere liebte, mit ihnen spazieren ging und über Jahrzehnte eine enge persönliche Verbindung zu ihnen pflegte. Durch die königliche Familie wurde der Corgi zu einer internationalen Ikone.<BR /><BR />Heute sieht man dem Corgi seine Vergangenheit als Viehtreiber nicht unbedingt an. Trotzdem steckt der Arbeitshund noch immer in ihm: Er ist aufmerksam, intelligent, selbstbewusst und erstaunlich aktiv. All diese Eigenschaften – und viele mehr – stellt die Rasse beim jährlichen „Corgi Race“ (Corgi-Rennen) in der litauischen Hauptstadt Vilnius unter Beweis. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1360305_image" /></div> <BR />Heuer waren rund 150 Corgis aus neun Ländern für den Spaß im Vingis-Park angekündigt: aus Litauen, Lettland, Polen, Estland, Deutschland, der Ukraine, Tschechien, den USA und erstmals auch aus Großbritannien, der Heimat der Rasse. Die Veranstalter nennen Vilnius deshalb selbstbewusst die „Corgi-Hauptstadt Europas“.<h3> Vom kleinen Treffen zum internationalen Event</h3>Dabei ist das Corgi Race alles andere als ein gewöhnliches Hundesportfest. Denn wer einen Corgi kennt, weiß: Diese Hunde sind auch ausgesprochen eigenwillig. Das zeigte sich auch auf der Rennbahn. Während die Besitzer am Ziel mit Spielzeug, Leckerlis und anderen Lockmitteln wedelten, blieben manche Hunde einfach stehen, schnupperten am Boden, spielten mit ihren Konkurrenten oder liefen sogar wieder zurück. Ein Rennen, bei dem nicht nur die Zeit, sondern vor allem die Bereitschaft des Sportlers entscheidet, überhaupt teilzunehmen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1360308_image" /></div> <BR />Die Geschichte des Rennens begann deutlich bescheidener. Organisator Edvinas M. Grinius hatte die Veranstaltung während der Corona-Pandemie ins Leben gerufen. Ursprünglich sollten lediglich einige Freunde und ihre Corgis gemeinsam einen lustigen Nachmittag verbringen. <BR /><BR />Beim ersten Rennen kamen etwa 40 Corgis aus einer Stadt. Sechs Jahre später ist daraus ein internationales Spektakel geworden, das sogar von Medien in mehreren Ländern begleitet wird.<h3> 25 Meter voller Chaos pur</h3>Im Mittelpunkt standen die eigentlichen Rennen. Bei den Solo-Sprints mussten die Corgis eine 25-Meter-Strecke möglichst schnell bewältigen. Gewonnen hat der amerikanische Corgi GG – Gustave the Girl Dog. Auf Platz zwei landete sein Landsmann Mr. Corgington, Rang drei ging an die litauische Hündin Moka.<BR /><BR />Doch Geschwindigkeit war längst nicht alles. Schließlich wäre es unfair, einen Corgi nur danach zu beurteilen, wie schnell er geradeaus laufen kann. Deshalb gab es auch Wettbewerbe für ganz andere Talente. Beim „Loudest Bark“, also dem Wettbewerb um den lautesten Beller, setzte sich Mr. Corgington durch. Sein Bellen erreichte stolze 111 Dezibel – ungefähr so laut wie eine Kettensäge. Sein Besitzer lockte ihn dabei mit einem Kauspielzeug. Was im Alltag vielleicht eher als Herausforderung gilt, wurde in Vilnius zum Siegertalent.<BR /><BR />Auch die Nase musste unter Beweis gestellt werden. Beim Wettbewerb „Smartest Nose“ ging es darum, versteckte Leckerlis aufzuspüren. Den Titel teilten sich die lettischen Corgis Tora und Rusty. Und damit nicht genug: Zum Programm gehörten außerdem eine Puzzle-Aufgabe, eine Anfänger-Agility-Strecke und erstmals der Wettbewerb „Run – Come Back“, bei dem die Hunde so schnell wie möglich hin- und zurücklaufen mussten.<h3> Wenn Corgis zu Models werden</h3>Besonders viel Aufmerksamkeit bekam die Kostümparade. Corgis und ihre Besitzer erschienen unter anderem als Clowns, Cowboys und mittelalterliche Adelige. <BR /><BR /><embed id="dtext86-76114206_gallery" /><BR /><BR />Der fantasievollste Auftritt gewann: Frauchen trat als Herzog auf, während ihr Corgi Amigo den legendären Eisernen Wolf aus der Gründungsgeschichte von Vilnius verkörperte. Das Kostüm war eine Woche lang angefertigt worden. Amigo ließ die Prozedur zwar über sich ergehen, soll von seinem Outfit aber nicht unbedingt begeistert gewesen sein.