Wenn er im Parlament das Vertrauen bekomme, werde er den Haushalt durchbringen, dann könnte Anfang 2019 gewählt werden, sagte Cottarelli in Rom nach dem Treffen mit Mattarella. Bekomme er keine Zustimmung im Parlament, würde eine „sofortige“ Neuwahl angepeilt – das könnte „nach August“ passieren. Am Sonntag waren Gespräche für ein Kabinett aus Lega und Fünf Sterne-Bewegung gescheitert.Cottarelli, von 2008 bis 2013 ranghoher Mitarbeiter des Internationalen Währungsfonds (IWF) und danach Sparkommissar der italienischen Regierung, erklärte, eine Regierung unter seiner Führung werde vollkommen neutral sein. Er habe keine Absicht, bei Neuwahlen zu kandidieren. Prioritäre Aufgabe eines Kabinetts unter seiner Führung sei die Verabschiedung des Budgets für 2019 heuer im Herbst.Pro-europäischer KursDer 64-Jährige versicherte, dass seine mögliche Regierung einen proeuropäischen Kurs einnehmen werde. Italiens Beteiligung an der Eurozone sei von „fundamentaler Bedeutung“, sagte Cottarelli. „Eine Regierung unter meiner Führung würde einen umsichtigen Umgang mit dem Haushalt garantieren.“„Der Dialog mit der EU zum Schutz der italienischen Interessen ist von wesentlicher Bedeutung. Es muss ein konstruktiver Dialog bei voller Anerkennung der wesentlichen Rolle Italiens sein“, sagte Cottarelli. Der Lombarde betonte, er wolle in Kürze Staatschef Mattarella eine Ministerliste vorlegen und sich der Vertrauensabstimmung unterziehen.Noch unklar ist, mit welcher Mehrheit Cottarelli eine Regierung aufbauen will. Lediglich die bisher regierenden Sozialdemokraten (PD) erklärten sich bereit, eine Übergangsregierung unter Führung des ehemaligen IWF-Mannes zu unterstützen. Die europakritischen Parteien Lega und Fünf Sterne-Bewegung drängen auf sofortige Neuwahlen. Auch die konservative Forza Italia um Ex-Premier Silvio Berlusconi bekundete, gegen eine Regierung um Cottarelli im Parlament stimmen zu wollen.Lega empörtDie rechte Lega reagierte empört auf die jüngsten Entwicklungen in Rom. Lega-Chef Matteo Salvini äußerte die Hoffnung, dass es so rasch wie möglich zu Neuwahlen in Italien komme. „Die nächsten Wahlen werden zu einem Referendum zwischen dem Volk und der alten Kaste sein“, sagte Salvini.Präsident Mattarella hatte am Sonntag sein Veto gegen die Berufung des 81-jährigen Euro-Kritikers Paolo Savona zum Wirtschafts- und Finanzminister eingelegt, auf dem die Lega-Partei und die Fünf-Sterne-Bewegung bestanden hatten.Die beiden Parteien hatten sich auf eine Regierungskoalition geeinigt hatten. Daraufhin gab der als Ministerpräsident nominierte Giuseppe Conte den Auftrag zur Regierungsbildung an Mattarella zurück.apa/stol