Freitag, 26. Juni 2015

Das Schnalstal – Ötzis Heimat

„19 9 91“ ist keine gewöhnliche Zahl. Sie steht – ob vorwärts oder rückwärts gelesen – immer für dasselbe: für eine Sensation. Es ist das Datum, an dem am Tisenjoch, oberhalb des Niederjochferners, Ötzi gefunden wurde.

Am 19. September 1991 wurde am Tisenjoch, oberhalb des Niederjochferners, ein Sensationsfund gemacht: Ötzi.
Am 19. September 1991 wurde am Tisenjoch, oberhalb des Niederjochferners, ein Sensationsfund gemacht: Ötzi.

Weder Erika und Helmut Simon noch sonst wer ahnte am 19. September 1991, welch wissenschaftlichen Wert  die gerade aufgefundene Gletscherleiche haben sollte. Bei einer Wanderung  am Hauslabjoch im Schnalstal war das Ehepaar aus Nürnberg darüber  gestolpert.  Unzählige wissenschaftliche Abhandlungen,  Artikel und Bücher sind seither über den Mann aus dem Eis erschienen. Mittlerweile ist die 5300 Jahre alte Gletschermumie in aller Welt bekannt. Menschen strömen nach Bozen, um einen Blick auf den Mann aus dem Eis zu erhaschen. Über vier Millionen Besucher (Stand: Ende 2014) haben seit der Eröffnung des Archäologiemuseums am 28. März 1998 die Drehkreuze passiert.

Nicht nur Forscher und Museumsbesucher zog der Mann aus dem Eis seit seiner Auffindung in seinen Bann. Er weckte das Interesse vieler Menschen an frühgeschichtlichen Spuren in den Alpen. Insgesamt 17 archäologische Wanderwege führen nunmehr durch das Schnalstal, den  Vinschgau, das Passeiertal und das Ötztal, und alle führen an Orten vorbei, an denen wichtige Funde gemacht worden sind. Diese  Wanderwege sind durch eine besondere Markierung (die „stilisierte“ Axt aus der Ausrüstung des Mannes aus dem Eis) gekennzeichnet und fortlaufend nummeriert. Die Wanderweg A 1 und A2 führen – auf unterschiedlichen Routen – zur Ötzi-Fundstelle.

Ein Erlebnis der besonderen Art ist die „Ötzi Glacier Tour“ zum Tisenjoch (3210 Meter Meereshöhe). Mit den Schnalstaler Gletscherbahnen, die am 12. Juli ihr 40. Jubiläum feiern, geht’s zunächst von Talstation in  Kurzras in nur sechs Minuten hinauf zur Bergstation auf Grawand. Das Glacier Hotel Grawand, Europas höchstgelegenes Berghotel (3212 Meter Meereshöhe), liegt lediglich etwa drei Kilometer (Luftlinie) vom Ötzi-Fundort entfernt.

Von Grawand aus quert die  „Ötzi Glacier Tour  den Alpenhauptkamm und ist mit ihren landschaftlichen und archäologischen Superlativen sowohl für Bergliebhaber als auch für Geschichtsfreunde interessant.  Höhepunkt ist  die Ötzi-Fundstelle (3210 Meter Meereshöhe) mit dem faszinierenden Blick auf die Nordflanke des Similaun. Über das Tisental geht’s wieder hinunter ins Tal. Die Gletschertouren werden von der Bergführervereinigung Passeier-Schnals in Zusammenarbeit mit dem Tourismusverein Schnalstal angeboten – von Anfang Juli (die Schnalstaler Gletscherbahnen starten am 3. Juli in die Sommersaison) bis Mitte Oktober als Wanderungen, von Oktober bis April als Skitouren. Auf dem Programm stehen zwei „Specials“: Am 27. Juli begleitet Extrembergsteiger Reinhold Messner die Wanderer, am 1. September der Weltklassekletterer Simon Gietl.

Im Tal erinnert der archeoParc Schnalstal, ein archäologisches Aktivmuseum mit Freigelände in Unser Frau in Schnals, an den Sensationsfund vor 24 Jahren. Der archeoParc Schnalstal widmet sich dem Lebensraum und der Lebensweise des Mannes aus dem Eis und seiner Zeitgenossen vor 5300 Jahren. In der Dauerausstellung erwarten die Besucher auf drei Ebenen Texttafeln, Bilder, originalgetreue Rekonstruktionen der Bekleidung und der Ausrüstungsgegenstände des Mannes aus dem Eis, Filme, Dioramen und eine 3-D-Multivisionsshow. 

stol