Das giftigste Tier der heimischen Fauna ist – nicht ganz überraschend – eine Schlange. Aber nicht die Kreuzotter, wie jetzt wohl die meisten denken. Nein, die giftigste Schlangenart ist die Hornotter, manchmal auch Hornviper genannt. Wobei die Kreuzotter, die Nr.2 in dieser Rangliste, weitaus häufiger ist. <BR /><BR />In Südtirol lebt noch eine dritte Giftschlange: die Aspisviper. Ihr Gift ähnelt jenem der Kreuzotter, doch Aspisvipern haben nur einen viel kleineren Giftvorrat als Kreuzottern. Dennoch kann dieses im Extremfall für den Menschen tödlich sein. Allerdings – in Südtirol ist seit Jahrzehnten kein Todesfall mehr durch Schlangengift bekannt. <BR /><BR />Eigentlich gehen sich die 3 Südtiroler Giftschlangenarten, was die Lebensräume betrifft, aus dem Weg. In Südtirol gibt es aber eine europaweite Besonderheit: Die Porphyrhänge südlich von Bozen sind das einzige Gebiet in Europa, wo sich diese Lebensräume überlagern und alle 3 Arten im gleichen Gebiet vorkommen. Die 3 Arten sehen sich übrigens recht ähnlich, sind also leicht zu verwechseln.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="955231_image" /></div> <BR /><BR />Schlangen sorgen also nicht zwangsläufig für die meisten Toten durch Tiere in Tirol. Denn das Gift von heimischen Schlangen ist im Regelfall nicht lebensbedrohlich. Ihr Biss ist allerdings äußerst schmerzhaft und man sollte auf alle Fälle einen Arzt aufsuchen, wenn es passiert.<BR /><BR /> Wespen und Kühe können da weitaus gefährlicher werden. Wespen sorgen immer wieder für Todesfälle, allerdings aufgrund einer allergischen Reaktion oder eines anaphylaktischen Schocks und nicht wegen der hohen Potenz des Giftes. Todesfälle durch Kühe gab es in den letzten 10 Jahren zwei in Österreich, beide in Tirol. Für Aufsehen sorgte auch eine Kuhattacke in Südtirol in diesem Jahr. Im Juli gabelte auf der Seiser Alm eine Kuh eine Frau auf und schleuderte sie mehrere Meter durch die Luft. Die Kühe gingen schließlich auch auf die Retter los. Doppelte Hilfe kam dann durch den Notarzthubschrauber, der mit seinem Lärm auch die Kühe vertrieb.<h3> Giftigste Pflanze Europas auch in Südtirol</h3>Spannender wird es bei den Pflanzen. Der Blaue Eisenhut gilt als giftigstes Gewächs Europas. Ein Todesfall durch übermäßigen Genuss des Eisenhutes ist jedoch nicht bekannt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="955234_image" /></div> <BR /><BR />Ganz im Gegensatz zur Herbstzeitlose, die in den Gift-Ranglisten gar nicht weit vorne rangiert. Allerdings sorgt diese, wenn auch höchst selten, dennoch immer wieder für Todesfälle. Wegen einer Verwechslung mit dem optisch ähnlichen Bärlauch, den viele im Wald sammeln. Bereits 3 bis 4 Blätter der Herbstzeitlose können tödlich sein. <BR /><BR />Kaum jemand hat in Sachen Gift die Hundspetersilie auf dem Radar, die zu den giftigsten Pflanzen bei uns zählt. Sie wächst auf Wiesen und Weiden. Für ein ausgewachsenes Rind sind 15 Kilogramm Hundspetersilie eine tödliche Menge. Pro Tag fressen Kühe rund 100 Kilogramm Gräser und Kräuter. Die Hundspetersilie ist auch für den Menschen potenziell tödlich, da deren Gift u.a. Atemlähmung hervorruft. Es wird jedoch wohl keiner jemals ein bis zwei Kilogramm Hundspetersilie in einer Mahlzeit zu sich nehmen. <h3> Äußerst selten, dafür aber hochgiftig</h3>Bei Hinrichtungen im antiken Griechenland wurde das Gift des Gefleckten Schierlings verwendet. Dieser wurde den Verurteilten in einem Becher gereicht. Deshalb gibt es den Begriff Schierlingsbecher. Und diesen Gefleckten Schierling gibt es auch in Südtirol. Es genügt bereits die Aufnahme von rund 30 Gramm der Pflanze für eine tödliche Dosis.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="955237_image" /></div> <BR /><BR /> Vergiftungen können vor allem durch die Verwechslung mit dem sehr ähnlichen Wiesen-Kerbel oder Petersilie, auftreten. Vergiftungen bei Weidetieren, auch bei Schweinen sind bekannt. Die Gefahr ist jedoch nicht groß, einen Gefleckten Schierling zu finden. Die Pflanze wird zu den gefährdeten Arten gezählt und ist äußerst selten. <BR /><BR />Insgesamt gibt es mehr als ein Dutzend sehr giftiger Pflanzen zwischen Brenner und Salurner Klause. Die bekanntesten darunter sind Tollkirsche, Engelstrompete, Seidelbast und die Kartoffel. Ja richtig gehört. Dies betrifft jedoch nur die oberirdischen Pflanzenteile, nicht die reife Knolle.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="955240_image" /></div> <BR /><BR />Zwar keine Pflanze, sondern faszinierende Doppelwesen aus Algen und Pilzen, sind Flechten. Sie sorgen jedoch für eine der spannendsten Geschichten in Sachen Gift aus der Natur in Südtirol: An den Stämmen von hauptsächlich Zirben und Lärchen im Bereich der Waldgrenze sowie an Holzscheunen, Schindeln und Zäunen aus diesen Hölzern, gedeiht mit der auffällig gelben Wolfsflechte eine der giftigsten Organismen der heimischen Bergwelt. <BR /><BR />Die Färbung geht auf den hohen Gehalt an Vulpinsäure in der Flechte zurück - die zugleich das Gift ist. Dieses lähmt das zentrale Nervensystem. Schon die Berührung kann Allergien auslösen. <h3> Mit Glasmehl vermengt</h3>Ihren Namen erhielt die Wolfsflechte nach ihrer früheren Verwendung zum Vergiften von Wolfsködern, beispielsweise ein totes Schaf. Dabei wurde über hunderte von Jahren der Köder mit Glasmehl und Wolfsflechte präpariert. Das Glasmehl sollte nach dem Fressen Darmverletzungen beim Wolf hervorrufen, damit das Gift besser aufgenommen wurde.<BR /><BR /> Das Gift soll laut Überlieferungen umso stärker wirken, je älter die Flechte ist. Alternativ wurde pulverisierte Flechte in Fett eingearbeitet und dann in den Köder gegeben. Übrigens: Die Flechte wirkt nur bei Fleischfressern und Insekten als Gift, verschont jedoch reine Pflanzenfresser. <BR />