Freitag, 26. Januar 2018

Demonstrationen gegen Akademikerball friedlich gestartet

Der von der FPÖ ausgerichtete Akademikerball in der Wiener Hofburg hat auch heuer wieder Demonstranten auf die Straße getrieben. Die Polizei zählte rund 4.000 Teilnehmer.

Lautstarke Proteste begleiteten den Akademikerball. - Foto: APA
Lautstarke Proteste begleiteten den Akademikerball. - Foto: APA

Ein kleinerer Protestzug war am Nachmittag in Wien-Brigittenau gestartet und vereinigte sich gegen 17.00 Uhr mit der breiter angelegen Demonstration, die sich bei der Universität Wien formierte. Zwischenfälle gab es bisher keine.

Die mehreren hundert Teilnehmer des großen Protestzuges befanden sich gegen 18.00 Uhr noch vor der Universität. Zuvor waren die rund 30 Teilnehmer der kleineren Kundgebung dazugestoßen - begleitet von Sprechchören wie „Was bedeuten Schwarz und Blau? Rassismus und Sozialabbau”. Auf Plakaten hieß es „Lasst die Nazis nicht regieren” und auf Aufklebern wurde die Regierungsspitze mit durchgestrichenen Gesichtern von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) ins Visier genommen.

Die geplante Route der größeren Demonstration sollte über die Zweierlinie beim Museumsquartier bis zur Opergasse/Ecke Girardipark beim Karlsplatz führen, wo auch die Schlusskundgebung dieser Veranstaltung geplant war. Von dort soll dann ab zirka 19.00 Uhr ein dritter Demozug starten. Dieser wird über den Getreidemarkt, die Museumsstraße und den Ring hinter das Burgtheater führen, wo eine der zwei Standkundgebungen geplant ist. Eine zweite wird am Maria-Theresien-Platz abgehalten, dabei wollen die Veranstalter am Vorabend des Holocaust-Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

Kurz nach 17.00 Uhr trat das weiträumige Platzverbot rund um die Hofburg in Kraft. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch zahlreiche Passanten und Touristen in diesem Bereich. Sie wurden von der Polizei aufgefordert, die Zone langsam zu verlassen, wie Polizei-Sprecher Paul Eidenberger sagte. Innerhalb der Sperrzone waren auch zwei Wasserwerfer aufgefahren.

Die nach und nach eintreffenden Besucher des Balls gaben sich überwiegend wortkarg. In der Hofburg selbst sorgten Metalldetektoren und hochauflösende Kameras samt Gesichtserkennungssoftware für Sicherheit. Rund 750 Gäste waren zum vier Stunden vor der Eröffnung anberaumten Dinner gekommen.

Wortspenden gab es kaum, eine Dame verurteilte jedoch das NS-verherrlichende Liederbuch der Burschenschaft „Germania zu Wiener Neustadt”. Hier gehörten strafrechtliche Konsequenzen gezogen, sagte sie. Zum Akademikerball gehe sie, weil mehr Platz zum Tanzen als auf anderen Bällen sei.

FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache hatte am Freitag betont, für Antisemiten gebe es weder in der FPÖ noch am Akademikerball einen Platz. „Die Verantwortung und das Gedenken an die Opfer des Holocaust sind uns Verpflichtung und Verantwortung in der Gegenwart und für kommende Generationen. Wer das anders sieht, soll aufstehen und gehen. Er ist bei uns nicht erwünscht”, so Strache.

Der Vizekanzler werde „dies im Rahmen seiner heutigen Eröffnungsrede am Akademikerball thematisieren und gerade im Vorfeld des morgigen Holocaust-Gedenktags klare und deutliche Worte finden”, kündigte die FPÖ im Vorfeld an.

Strache regte auch an, dass sich die Korporationen und das Dritte Lager einer Aufarbeitung der Vergangenheit widmen. Dies könne durch eine Historikerkommission erfolgen, die sich schonungslos mit den Fehlern der eigenen Vergangenheit auseinandersetzen solle.

apa

stol