Freitag, 29. April 2016

Der Fall Panzenberger: Antwort auf die angedrohte Kündigung

Ein Schreiben des im Tauferer Ahrntal zuständigen Kinderarztes Michael Panzenberger hat große Beunruhigung in der dortigen Bevölkerung hervorgerufen. Panzenberger fühlt sich von Politik und Sanitätsbetrieb im Stich gelassen und droht mit Kündigung. Bezirksdirektor Walter Amhof und Gesundheitslandesrätin Martha Stocker stellen klar, dass die Versorgung der betroffenen Kinder an erster Stelle steht und intensiv an einer weiteren Lösung gearbeitet wird.

Michael Panzenberger ist (noch) Kinderarzt im Tauferer Ahrntal.
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Michael Panzenberger ist (noch) Kinderarzt im Tauferer Ahrntal. - Foto: © shutterstock

Zur Vorgeschichte: Im Dezember 2014 hat Michael Panzenberger gemeinsam mit seiner Frau eine Kinderarztpraxis eröffnet, sehr zur Freude der Bevölkerung und des Gesundheitsbezirkes Bruneck, da bereits seit vielen Jahren kein niedergelassener Kinderarzt in diesem Gebiet mehr tätig war.
Frau Panzenberger ist ebenfalls Ärztin und arbeitet in der Praxis ihres Mannes mit, konnte allerdings nicht mit dem Sanitätsbetrieb konventioniert werden, da sie die Voraussetzungen aufgrund der fehlenden Zweisprachigkeitsprüfung nicht besitzt.

Darf nicht mehr als 240.000 Euro verdienen

Aufgrund einer staatlichen Bestimmung, die besagt, dass kein öffentlicher Bediensteter oder mit der öffentlichen Verwaltung – wie dem Sanitätsbetrieb – konventionierter privater Dienstleister mehr verdienen darf als der höchste Politiker in Italien, der Staatspräsident, musste auch das Gehalt von Michael Panzenberger im Jahre 2015 „gedeckelt“ werden.

Panzenberger hatte die Einkommensgrenze von 240.000 Euro bereits im November 2015 überschritten; ihm wurde daher zwei Monate später der Überschuss einbehalten. Bei Panzenberger wird die Obergrenze des Gehaltes nicht durch die „Pro-Kopf-Quote“ für die eingeschriebenen Patienten erreicht, sondern durch die Sonderleistungen im Ausmaß von 99.000 Euro.

Mehr Gehalt durch mehr Leistung

„Dies hat Unmut hervorgerufen, auch weil Michel Panzenberger gute Arbeit leistet“, betont Bezirksdirektor Walter Amhof. „Wir haben uns redlich bemüht, eine Lösung mit Michael Panzenberger zu finden. Allerdings stehen wir vor einer rechtlich sehr komplexen Situation. Michael Panzenberger erreicht die Einkommensgrenze nicht aufgrund der Anzahl der eingeschriebenen Patienten; die Grundversorgung der Kinder im Tauferer Ahrntal muss also gewährleistet werden.
Panzenberger erbringt zusammen mit seiner Frau eine Reihe von erweiterten Zusatzleistungen und durchbricht dadurch die Gehaltsobergrenze. Als öffentlicher Betrieb müssen wir uns an die Vorgabe des Gesetzgebers halten.“

Von Deckelung der Gehälter abweichen?

Die Landesrätin für Gesundheit, Martha Stocker, betont, dass hier nicht mit den Ängsten der betroffenen Bürger gespielt werden dürfe: „Das eine ist die Versorgung der kleinen Patienten, die wir garantieren müssen; das andere sind Gehaltsverhandlungen!“
Als Landesrätin für Gesundheit hat sie sich bereits im vergangenen Jahr dafür eingesetzt, in besonderen Fällen von der Deckelung der Gehälter abzuweichen, wobei der Staat diesbezüglich wenig Einsicht zeigt.

Im speziellen Fall des Kinderarztes Michael Panzenberger ist Bezirksdirektor Amhof zuversichtlich, dass in Kürze eine Lösung gefunden wird: „Nach den irreführenden Aussagen im Schreiben an die Eltern, wünsche ich doch, dass Sachlichkeit und Hausverstand unsere Gespräche leiten werden.“

stol

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