Nicht aber das Vormundschaftsgericht, vor dem Gabriele gestern – am Vortag des heutigen Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung – den wichtigsten Kampf seines Lebens ausfocht.<BR /><BR /><BR />„Heute bin ich der glücklichste Mensch im Universum, weil ich diese schlimme Sache in meinem Leben überwunden habe“, freute sich Gabriele Marone. Nun kann der junge Mann aus dem römischen Viertel Centocelle so leben, wie es viele andere junge Menschen auch tun: Er kann sein Elternhaus verlassen, seinem Job und seinen Hobbys nachgehen. Eigentlich lebte er seinen Traum schon, denn seine Familie, Mama Loredana und Papà Francesco Paolo, sowie der Verein Hermes Aps Onlus finanzieren für den geistig beeinträchtigten Mann die Miete in einer Wohngemeinschaft, einen Psychologen und einen Assistenten, der ihm rund um die Uhr zur Verfügung steht. Dies alles sollte Gabriele aber aufgeben und in eine „sozio-sanitäre“ Einrichtung ziehen. Aber der Reihe nach.<h3> Gabriele entwickelt sich zum gefestigten jungen Teenager</h3>Dass Gabriele anders war als ihre weiteren Kinder, erkannten Krankenschwester Loredana und Verkehrspolizist Francesco Paolo schon sehr früh. Ein Kinderpsychiater stellte dann die Diagnose: leichte Entwicklungsverzögerung der kognitiven Fähigkeiten und Zwangsstörungen. Der Bub wurde daraufhin jahrelang – ambulant – im Rehabilitationszentrum „Luce sul Mare“ in Igea Marina (Rimini) behandelt, und im Laufe der Jahre entwickelte sich Gabriele vom Kind mit körperlichen und verbalen Gewaltausbrüchen gegenüber der Familie zu einem gefestigten jungen Teenager. Mit Hilfe eines Förderlehrers schaffte er es sogar durch die verschiedenen Schulstufen. Parallel dazu engagierten sich die Eltern im Verein Hermes Aps Onlus, der unter anderem Tageswerkstätten für junge Erwachsene mit komplexen Beeinträchtigungen sowie im Vorjahr die Wohngemeinschaft „La casa di Marco“ in Rom eingerichtet hat. <BR /><BR />Nach dem Schulabschluss begann dann für Gabriele das Drama: Er musste mitansehen, wie Gleichaltrige ihren Lebensweg fortsetzen, zur Uni gingen, in die Arbeitswelt einstiegen, den Führerschein machten und ihr Herzblatt fanden. Für ihn blieben diese Ziele unerreichbar, er musste – so die Entscheidung der römischen Sanitätseinheit – weiterhin in Obhut der Eltern bleiben. Gabrieles psychische Verfassung verschlechterte sich, und seine Aggressionen gegen die Familie häuften sich. Der junge Mann kam in eine Einrichtung, die er erst 7 Jahre später wieder verlassen durfte – allerdings nur, um gleich in die nächste Anstalt, das im Nomentana-Krankenhaus in Rom, überstellt zu werden. So zumindest das Vorhaben der Behörden.<BR /><BR />Die Eltern und Gabriele zogen Anfang dieses Jahres vor Gericht, plädierten dafür, dass er in ein Betreutes-Wohnen-Projekt übersiedeln dürfe. Und das Verwaltungsgericht Rom gab ihnen im April Recht. Loredana und Francesco Paolo brachten ihn im vergangenen Juni in einer WG nahe der Piazza dei Mirti unter – und dort fühlte sich Gabriele wohl, arbeitete in der angeschlossenen Hundekekse-Manufaktur „Doggy Slurp“ und gab anderen schwer behinderten Menschen Nachhilfeunterricht. <h3> Gericht ermöglicht, den weiteren Lebensweg selbst zu bestimmen</h3>Der Sanitätsbetrieb wurde außerdem verpflichtet, ein für Gabriele maßgeschneidertes Konzept auszuarbeiten. Im September präsentierte die Behörde dann allerdings einen Vorschlag, der für die Marones inakzeptabel war. Die Familie lehnte ab, und im Oktober reichte die Sanitätseinheit den Antrag beim Vormundschaftsgericht ein, um Gabriele fix in eine sozio-sanitäre Struktur einzuweisen.<BR /><BR />Gestern hat das Gericht zugunsten der Marones entschieden. Die Familie und der Verein würden ein ausreichendes Schutznetz bilden, es bestehe kein Grund, dieses zu zerreißen und Gabriele in eine Einrichtung einzuweisen. Der junge Mann kann nun, mit Hilfe der Eltern, seinen weiteren Lebensweg ganz individuell und nach seinen Träumen gestalten.<BR />