Mittwoch, 14. August 2019

Der „Kräuterbuschn“ kommt in den „Herrgottswinkl“

Es ranken sich viele Mythen und Traditionen um die Blumen und Kräuter aus dem Bauerngarten. Eine davon ist die Kräuterweihe am „Hoch-Unser- Frauentag“ am 15. August.

Binden auch Sie sich den perfekten „Kräuterbuschn“. - Foto: SBO
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Binden auch Sie sich den perfekten „Kräuterbuschn“. - Foto: SBO

In unserer Kultur spielen die Kräuter für die Gesundheit von Mensch und Tier eine besondere Rolle. So werden beispielsweise jährlich am 15. August zu Mariä Himmelfahrt die „Kräuterbuschn“ zur Weihe in die Kirche gebracht.

Danach wird der kunstvoll gebundene Strauß getrocknet und im Herrgottswinkel der Stube für ein Jahr aufbewahrt. „Das bringt Glück und Segen, Gesundheit für Mensch und Vieh und hält Unheil fern.“, sagt Hof- und Gartenführerin Rita von Unterrichter. „Die fein zerriebenen Blätter werden dem kranken Vieh ins Futter gegeben, um so den Segen der Kirche auch auf das Vieh zu übertragen“, erläutert von Unterrichter weiter.

Von Ort zu Ort unterschiedlich

Die Zahl der Kräuter für den „Kräuterbuschn“ variiert je nach Gegend. Auf alle Fälle sollte es eine symbolische oder eine heilige Zahl sein. 3 Kräuter stehen für die Dreifaltigkeit, 7 Kräuter für die 7 Sakramente und 12 Kräuter für die Anzahl der Apostel. Auch die Vervielfältigung dieser heiligen Zahlen sind heute noch überliefert, z.B. gehört vielerorts in einem Kräuterbuschn 3 mal 3, also 9 besondere Kräuter. Meist werden 7 Wildkräuter hineingebunden. Beliebt sind die Königskerze, Johanneskraut, Rainfarn, Eberraute, Frauenmantel, Beifuß, Schafgarbe.

Heutzutage wird der „Kräuterbuschn“ zusätzlich mit Blumen und Kräutern aus dem Garten verschönert, z.B. mit Ringelblume, Rosen und Haselnussblättern.

„Zugang zu den heimischen Kräutern erhalten“

Auch Landesbäuerin Antonia Egger windet selbst ihren „Kräuterbuschn“ und bringt ihn zur Weihe in die Kirche: „Dass dieser Brauch in den Dörfern noch so lebendig ist, dafür sorgen so manche SBO-Ortsgruppen. Die Bäuerinnen winden gemeinsam Kräutersträuße und verteilen sie nach der Weihe an die Dorfbevölkerung. Dadurch können alle an diesem Brauch teilhaben. Vergelt’s Gott dafür!“

So lädt zum Beispiel die Südtiroler Bäuerinnenorganisation-Ortsgruppe Alte Pfarre Natz am 14. August 2019 alle Interessierte ein, gemeinsam die Kräuter zu sammeln und etwas über deren Bedeutung zu erfahren.

Das ist der Ortsbäuerin Kathrin Huber Morandell wichtig: „Die Leute sollen einen Zugang zu den heimischen Kräutern erhalten, sie sollten wissen, was alles bei uns wächst und wie wertvoll sie sind. Dieses bäuerliche Wissen weiterzugeben ist unserer Ortsgruppe ein großes Anliegen, damit unsere Bräuche weiterleben – eben auch die Kräuterweihe zu Mariä Himmelfahrt!“

Hier finden Sie eine Anleitung, um Ihren perfekten „Kräuterbuschn“ selbst zu binden.

Material:

  • verschiedene, frische Kräuter
  • Baumwollfaden, Wolle oder Spagat (wichtig: nur Naturmaterialien, kein Kunststofffaden)
  • Rebschere

Sammeln Sie verschiedene Kräuter wie Rainfarn, Eberraute, Ringelblume …

Traditionell kommt beim „Kräuterbuschn“ die Königskerze in die Mitte. Um sie herum werden die anderen Kräuter gebunden.

Die festen Kräuter oder Sträucher kommen an den Rand des Kräuterstraußes, damit er eine feste Form erhält. Binden Sie den Kräuterstrauß nun mit einem Baumwollfaden, einer Wolle oder einem Spagat gut zusammen.

Schneiden Sie mit einer Rebschere die Kräuterstängel zurecht, sodass alle gleich lang sind und der Buschen schöner aussieht. Und fertig ist der „Kräuterbuschn“.

stol

stol