Runder Kopf, Kulleraugen, nach vorn geknickte Ohren: Taylor Swifts Schottische Faltohrkatze – englisch Scottish Fold – ist selbst schon eine Berühmtheit. Claudia Schiffer brachte ihre Mieze sogar mit zur Premiere eines Films, in dem das Tier mitspielte. Beispiele, die Tierschützer kritisch sehen. Denn Katzen dieser Rasse – die geknickten Ohren sind für sie typisch – gelten als Qualzuchten.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1140291_image" /></div> <BR />Von Qualzucht sprechen Fachleute, wenn Tieren bestimmte Merkmale wie Kulleraugen, eine flache Schnauze oder besondere Fellfarben angezüchtet werden, diese dadurch aber fortwährend unter gesundheitlichen Problemen leiden. Etwa, weil sie schlechter atmen können oder weil die zugrunde liegende Genkombination für Schäden an anderer Stelle im Körper sorgt.<BR /><BR />Der Berliner Tierpathologe und Autor Achim Gruber spricht von Defektzucht: Für ein extravagantes oder niedliches Aussehen werde gezielt mit genetischen Defekten gezüchtet, obwohl man in vielen Fällen schon seit Jahrzehnten wisse, welche gesundheitlichen Folgen das für die Tiere habe. „Der Mehrwert für den Menschen ist den Leuten aber wichtiger als das Leid der Tiere. Das ist natürlich ein schweres ethisches Problem“, so Gruber.<BR /><BR />Viele dieser „geschundenen Gefährten“ – wie sie im Titel von Grubers Buch bezeichnet werden – landen nach dem Tod bei ihm am Institut für Tierpathologie der FU Berlin auf dem Obduktionstisch. Mit seinem Buch möchte er über die Folgen bestimmter Zuchten und Lösungsmöglichkeiten informieren.<h3> Perserkatzen, Schottisch Kurzhaar & Co.</h3>Tierärzte bekommen in ihrer Praxis oft Modekatzen als Patienten vorgestellt. Zum Beispiel der Rasse Scottish Fold, bei denen eine genetische Veränderung zu den typischen kleinen, nach vorne geknickten Ohren führt – aber auch zu schweren Gelenkentzündungen. <BR /><BR />Die Tiere haben häufig an den Hinterbeinen starke Verknöcherungen und Schmerzen, sodass sie teilweise schon in ganz jungem Alter nicht mehr vernünftig laufen können. Geholfen werden kann den Tieren meist nur noch mit einer Schmerztherapie, eine Heilung ist nicht möglich. Noch häufiger haben es Tierärzte mit Perserkatzen zu tun, die viel zu kurze Schnauzen haben und dadurch schlecht Luft bekommen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1140294_image" /></div> <h3> Wieso sind solche Katzen dennoch so beliebt?</h3>Dass manche Katzenrassen gesundheitliche Probleme haben, sei vielen Menschen überhaupt nicht bewusst, meinen Experten. Denn die wenigsten Tierbesitzer beschäftigen sich genügend mit der Anschaffung des Tieres. Von Defektzucht haben die meisten noch nie gehört.<BR /><BR />Manche verdrängten die Gesundheitsprobleme ihrer Katze auch: Solange ein Tier noch durch den Raum läuft und frisst und trinkt, geht es ihm gut. Oder? Das Tierleid oder die mangelnde Lebensqualität ist vielen Besitzern überhaupt nicht bewusst. <BR /><BR />Elke Rauch von der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München sieht auch ein großes Problem darin, dass bestimmte Katzen- und Hunderassen in Medien so präsent sind, zum Beispiel als Werbefigur oder weil Stars sich mit ihnen schmücken. „Das vermittelt einfach so eine Normalität. Da hinterfragt keiner mehr, ob das Tier Probleme hat.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1140297_image" /></div> <BR />Achim Gruber sieht darüber hinaus noch einen psychologischen Effekt. Kleine Tiere wie Möpse, Französische Bulldoggen, Faltohrkatzen oder Perser seien oft ein Babyersatz. „Jeder findet das niedlich und bei jedem springen sofort diese Beschützerinstinkte an.“<h3> Was können künftige Katzenbesitzer tun?</h3>Zum Teil werde die Abhängigkeit und Pflegebedürftigkeit der Tiere selbst zum Ziel, so Gruber. „Es erhöht den Selbstwert des Menschen und auch seine gesellschaftliche Anerkennung, wenn er ein krankes Tier pflegt.“ Er beobachte, dass sich viele Leute immer wieder Defektzucht-Katzen kauften – wider besseres Wissen also.<BR /><BR />Sich gut informieren, betonen die Fachleute, und auf Defektzucht-Exemplare zu verzichten. Generell sei es problematisch, Tiere zu kaufen, bei denen bei der Zucht größerer Fokus auf gewünschte optische Merkmale als auf die Gesundheit gelegt werde, sagt Rauch. Abzuraten sei zudem vom Kauf über die einschlägigen Verkaufsplattformen im Internet, ohne nähere Informationen zur Zucht und zu den Elterntieren.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1140300_image" /></div> <BR />Der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt, Katzen mit Qualzucht-Merkmalen höchstens aus einem Tierheim zu adoptieren. Ins Berliner Tierheim ziehen regelmäßig Modekatzen wie Scottish Fold oder Nacktkatze ein, wie Sprecherin Christine Streichan sagt. Zum Teil stammten die Tiere von Anbietern, die illegal mit den Katzen handelten. Veterinärämter ließen dann oft die Elterntiere kastrieren, um eine weitere Zucht zu verhindern. Die Besitzer wollten die Tiere danach meist nicht mehr zurück.<BR /><BR />Das Interesse an solchen Katzen sei bei Besuchern anfangs oft groß, sagt Streichan. „Wir achten aber darauf, dass sie zu Leuten kommen, die wissen, worauf sie sich einlassen.“ Zum Beispiel auf möglicherweise viele Besuche beim Tierarzt und entsprechend hohe Kosten.