Die beiden Raumsonden nutzen eine seltene Konstellation der Planeten aus, um die Gezeitenkräfte vor Fortbewegung zu nutzen, und boten Einblicke in Welten, die wir noch nie zuvor gesehen hatten und von denen wir in einigen Fällen seitdem auch nicht mehr viel gesehen haben. Um uns an die äußeren Umstände des Jahres 1977 zu erinnern, folgende Reminiszenzen:<BR /><BR />Das Jahr 1977 war eines der ereignisreichsten Jahre des 20. Jahrhunderts. In Italien wurden die RAI-Fernsehprogramme erstmals in Farbe ausgestrahlt, die beliebte abendliche Werbesendung „Carosello“ wurde gleich wie die kirchlichen und weltliche Fest- sowie Feiertage abgeschafft und die Schule begann im Herbst nicht mehr am 1. Oktober, sondern am 20. September. <BR />Spanien erlebte erstmals freie Wahlen nach der Franco-Diktatur und im kanarischen Teneriffa stießen zwei Boeing 747 in der Luft zusammen, was den bisher größten Unfall der zivilen Luftfahrt mit 583 Todesopfern zur Folge hatte. Argentinien verzeichnete massive Proteste der Bevölkerung im Zusammenhang mit den so genannten „Desaparecidos“, während im französischen Marseille zum letzten Mal die Guillotine zum Einsatz kam. <BR />In Deutschland erreichte der RAF-Terror seinen Höhepunkt mit der Entführung und Ermordung des Arbeitgeber-Präsidenten Hanns-Martin Schleyer. Die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ endete in Mogadischu. Zwei der größten Legenden des 20. Jahrhunderts starben: Elvis Presley und Charlie Chaplin. <BR />Alice Schwarzer gab die erste Ausgabe der Frauenrechts-Zeitschrift „Emma“ heraus. ABBA, Smokie und Boney M. waren die Chartstürmer des Jahres, und in Großbritannien revolutionierten die Sex Pistols mit deren Erfindung des so genannten Punk-Rockes die Musiklandschaft. Die ersten Personal-Computer kamen auf den Markt, der Apple II und der Commodore PET 102.<h3> Die Pläne mit den Sonden</h3>Die Wurzeln des Voyager-Programms reichen bis in die Mitte der 1960er Jahre zurück. Ingenieure des Jet Propulsion (JPL) erkannte als Erste die Möglichkeit, die Bewegung des Jupiters auf seiner Umlaufbahn zu nutzen, um Raumsonden mit dem so genannten „Swing BZ“-Effekts auf deren Weltraumreise zu beschleunigen. <BR />Nicht viel später errechneten weitere Ingenieure des JPL für das Ende der 1970er Jahre einige günstige Stellungen der äußeren Planeten, um diese für diesen Effekt ausnutzen zu können. Zum zentralen Dreh- und Angelpunkt wurde Jupiter. Er sollte als „Sprungbrett“ dienen, um die Planeten Saturn, Uranus, Neptun unsd Pluto in akzeptabler Zeit zu erreichen. Diese Chance wollte sich die NASA nicht entgehen lassen, da sich eine solch günstige Planetenkonstellation erst 176 Jahre später wiederholen würde.<BR /><BR />Die Voyager-Sonden wurden im Abstand von etwa zwei Wochen gestartet und hatten unterschiedliche Flugbahnen, wie zwei Reiseleiter im selben Museum, die unterschiedliche Herangehensweisen an dieselbe Ausstellung haben. Nur Voyager 2 besuchte beispielsweise die Eisriesen Uranus und Neptun.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="959422_image" /></div> <BR /><BR />Die beiden Voyager-Sonden nehmen eine einzigartige Stellung im Pantheon der Weltraumgeschichte ein, weil sie immer noch aktiv sind: Bis jetzt sind Voyager 1 und Voyager 2 die einzigen funktionierenden Raumschiffe im interstellaren Raum. Beide besitzen eine Goldene Schallplatte, die Bilder und Geräusche der Erde enthält, für den Fall, dass außerirdisches Leben eines der Raumschiffe findet.<BR /><BR />Mit der Technik der 70er Jahre sind beide Sonden noch immer im Raum unterwegs. So ist zum Beispiel der Speicher eines modernen Mobiltelefons drei Millionen Mal größer als der einer Voyager-Sonde. Im Juli 2023 verlor die NASA versehentlich den Kontakt zur Raumsonde und die Kontrolle über Voyager 2: Flugkontrolleure schickten ihr einen falschen Befehl. Anschließend drehte sich die Antenne der Voyager 2 von der Erde weg. Das unterbrach die Kommunikation und die Sonde konnte weder Daten senden noch Befehle empfangen. <BR />Im August 2023, nach rund zwei Wochen ohne Kontakt, laufe die komplette Kommunikation wieder, teilte die US-Raumfahrtbehörde NASA mit. Die Raumsonde funktioniere normal und sei nach wie vor auf ihrer vorhergesagten Route.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="959425_image" /></div> <BR /><BR />Eine Raumkommunikationsstation im australischen Canberra habe Voyager 2 ein Signal geschickt, seine Antenne wieder zur Erde zu orientieren. 37 Stunden später sei die Bestätigung zurückgekommen, dass die Aktion funktioniert habe.<BR /><BR /><embed id="dtext86-62029143_gallery" /><BR /><BR />Voyager 1 zeigte zuletzt eine Altersschwäche, die sehr menschlich wirkt: Die Sonde sendete 2022 plötzlich wirre Daten. Das Problem ist inzwischen gelöst: Offenbar sendete das Gerät plötzlich an einen alten, außer Betrieb genommenen Bordcomputer statt an den noch aktiven. Das konnte von der Erde aus behoben werden, jetzt kommen auch wieder ordentliche Daten an. Warum der Datenversand aber plötzlich auf den alten Computer gelenkt wurde, ist weiter unklar.<h3> Signal braucht 20 Stunden</h3>Eine Fehleranalyse ist nicht ganz einfach, denn die beiden Voyager-Sonden sind sehr weit weg: Ein Signal zur mehr als 23 Milliarden Kilometer entfernten Voyager 1 braucht rund 20 Stunden, bis es die Sonde erreicht. Und nochmal knapp 20 Stunden vergehen, bis Voyagers Antwort zurück ist. Die Schwestersonde Voyager 2 ist derzeit fast 20 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt (Stand: August 2023). Beide haben die Heliosphäre verlassen, der eigentliche interstellare Raum beginnt außerhalb der Oort’schen Wolke. <BR /><BR /><BR />Bis sie diesen Raumbereich am Rande des Sonnensystems erreicht haben, vergehen weitere 300 Jahre. Das Durchqueren der Oort’schen Wolke dauert weitere 30.000 Jahre. Dann sind beide Sonden wirklich im weiten Weltall.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="959428_image" /></div> <BR /><BR />Während die Voyager-Missionen weiterreisen (die NASA gibt täglich einen Kurzbericht zu den beiden Sonden heraus), ist es gut, zurückzublicken, wie sie unser Sonnensystem erobert haben, bevor sie es verlassen haben.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="959431_image" /></div> <BR /><BR /><BR />