<b>von Christian Tschurtschenthaler</b><BR /><BR />Der zweifache Familienvater hat bisher keine Wallfahrt nach Luggau ausgelassen und ist nunmehr der einzige Teilnehmer dieser Mission, der seit 1981 ununterbrochen zum religiösen Kraftplatz ins Lesachtal pilgert. Am Sonntag wird er zum 44. Mal gemeinsam mit zahlreichen anderen Fußwallfahrern die Strapazen dieses Weges auf sich nehmen, um sein Leben vor der Gottesmutter von Luggau spirituell aufzutanken. Im Interview spricht er über den Sinn des Wallfahrens, seinen Antrieb, immer wieder neu aufzubrechen und wie spirituelle Gemeinschaft auch in Zukunft dazu beitragen kann, Kraft für den Alltag zu schöpfen.<BR /><BR /><b>Seit wann gehen die Sextner nach Luggau?</b><BR />Josef Tschurtschenthaler: Das liegt weit zurück, ein genaues Datum kann ich nicht nennen, aber das Vertrauen zur Luggauer Mutter haben schon unsere Ururgroßeltern gepflegt und bis in die heutigen Tage weitergegeben. Die Entstehung der berühmten Wallfahrtsstätte ist auf die Vision einer Bäuerin namens Helena zurückzuführen, der die heilige Gottesmutter im Jahr 1513 auf einem Weizenacker im Traum erschienen war und sie aufgefordert hatte, eine Kapelle zu ihren Ehren zu errichten. Nach über 500 Jahren erfreut sich der Marienwallfahrtsort nach wie vor großen Zuspruchs.<BR /><BR /><b>Was hat Sie bewogen, alljährlich diese besondere Fußreise über die Berge auf sich zu nehmen?</b><BR />Tschurtschenthaler: In den 1980er Jahren war es Ortspfarrer Markus Küer, der mit seiner Begeisterungsfähigkeit die erschlaffte Pilgertradition neu entfachte. Zu den besten Zeiten waren bis zu 100 Wallfahrer und mehr zu verzeichnen. Ich war von Anfang an fasziniert, und so nahm ich mir alljährlich am letzten Sonntag im Juli von meiner Arbeit frei, um dabeisein zu können. Ich hatte einfach das Bedürfnis, die eigenen Akkus spirituell aufzuladen. Konditionell wollte ich es auch wissen – immerhin sind gut 40 Kilometer über die Berge zurückzulegen. Und weder schlechtes Wetter noch Corona konnte uns von dem Vorhaben abhalten.<BR /><BR /><b>Wie ist nun das Programm am Sonntag, 28. Juli – wie läuft die Wallfahrt ab?</b><BR />Tschurtschenthaler: Für die Pilger, die mittlerweile aus dem gesamten Pustertal und sogar aus der Nachbarprovinz Trient kommen, beginnt der Tag um 4 Uhr früh. Vom Postplatz in Sexten bringt ein Bus die Wallfahrer zum Kreuzbergpass. Von dort wandern sie über die Nemes Alm und das Eisenreich auf die 2678 Meter hohe Pfannspitze, den höchsten Punkt der Wallfahrt und weiter über den Karnischen Höhenweg zur Filmoorhütte. Gegen Mittag treffen die Pilger am Klapfsee ein. Von hier aus wird der zwölfstündige Fußmarsch im gemeinsamen Rosenkranzgebet bis hinaus nach Obertilliach fortgesetzt, ehe die letzten 12 Kilometer nach Maria Luggau zu bewältigen sind.<BR /><BR /><b>Auch ein Bus wird nach Luggau fahren...</b><BR />Tschurtschenthaler: Ja, um 15 Uhr fährt von Sexten/Moos ein Pilgerbus ab, der die Gläubigen, die nicht an der Fußwallfahrt teilnehmen konnten, bis zum Gasthof „Alte Wacht“ bringt. Von dort ziehen alle gemeinsam betend in die Basilika des Gnadenortes ein, wo als Höhepunkt und Abschluss um 17 Uhr ein Bitt- und Dankgottesdienst mit Seelsorger Paul Ngole stattfindet.<BR /><BR /><b>Wie wird es weitergehen – hat Wallfahren noch Zukunft?</b><BR /> Tschurtschenthaler: Wallfahren ist und bleibt eine religiöse Ausdrucksform unseres Glaubens, ein etwas anderer Zugang zu Gott, der über die Schönheit der Natur, die körperliche Anstrengung und nicht zuletzt über den Kontakt einer Schicksalsgemeinschaft mit Gleichgesinnten führt. Menschen wählen bewusst diese Erfahrung, um vom Alltag herunterzukommen, sich von schweren Gedanken zu befreien und sich gemeinsam auf den Weg zu machen, zu beten. Daher sehe ich in dieser Art der Spiritualität großes Potenzial. Für den kommenden Sonntag wünsche ich den Fußwallfahrern schönes Wetter und viele inspirierende Momente in der Begegnung mit der heiligsten Gottesmutter.