Angela Kelly zupft Queen Elizabeth den Kragen zurecht, streicht ihr Kleid glatt, rückt die Perlenkette gerade – nur wenige Menschen kommen der britischen Königin täglich so nah wie ihre Ankleide-Dame. <BR /><BR /><BR /><BR />Angela Kelly (63) legte den Grundstein zu ihrer „royalen“ Karriere 1992 in Berlin. Damals arbeitete die Tochter eines Kranfahrers in den Docks von Liverpool und einer Krankenschwester als Haushälterin in der Residenz von Sir Christopher Mallaby (85), dem früheren britischen Botschafter in Deutschland. <BR /><BR />Im Rahmen eines Staatsbesuches von Englands Monarchin, Queen Elizabeth II. (95), und deren Gatten Prinz Philip stand auch ein Treffen im Haus des Botschafters auf dem Programm. Die beiden Frauen kamen ins Gespräch, und Haushälterin Angela erwähnte im Gespräch mit der Königin, dass sie vorhabe, nach Großbritannien zurückzukehren. <BR /><BR /><b>Waschmaschine verkauft</b><BR /><BR />Ein Jahr später war es dann soweit. Als das Vorstellungsgespräch auf Schloss Windsor anstand, verkaufte die geschiedene und alleinerziehende Mutter ihre Waschmaschine, um sich ein passendes Outfit leisten zu können. Es klappte. Sie erhielt die Stelle als Garderobiere der Königin. „Ich nehme an, dass die Königin mich mochte und entschied, dass ich vertrauenswürdig und diskret war“, sagte Kelly später über ihre Einstellung.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="673121_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Angela Kelly machte im Buckingham-Palast schnell Karriere. Bereits 3 Jahre nach ihrem Eintritt in den königlichen Haushalt wurde sie zur „Senior Dresser“ und persönlichen Assistentin befördert. Als „Senior Dresser“ war sie nicht nur für die Garderobe und den Schmuck der Königin verantwortlich. Sie war auch Hüterin der royalen Insignien, sprich der Orden der Queen, und der Kleiderkammer. Diese werde beinahe „militärisch verwaltet“, verriet der britische Couturier Stewart Parvin (54), der ebenfalls seit Jahren im Dienst Ihrer Majestät steht, der „The Times“. Jedes Kleid habe einen Namen und sei katalogisiert.<BR /><BR /><b>Kleider, die in die Geschichte eingehen</b><BR /><BR />Heute kleidet Angela Kelly zusammen mit 7 weiteren Mitarbeitern die berühmteste Frau der Welt – nahezu generalstabsmäßig – von Kopf bis Fuß ein, begleitet die Queen auf Reisen, ist bei ihren offiziellen Anlässen stets in der Nähe und entwirft gemeinsam mit ihrer „Chefin“ deren Kleidung. <BR /><BR />Elizabeth und Angela treffen sich dafür fast täglich. Die Schneiderin legt dabei der Königin neue Entwürfe vor (und setzt diese dann in der Kleiderwerkstatt des Buckingham-Palasts mit 3 weiteren Schneiderinnen um), stellt komplette Outfits zusammen, stimmt Kleid, Mantel, Hut, Hutnadel, Handschuhe, Tasche, Taschentuch, Schmuck und sogar Regenschirm sorgsam aufeinander ab. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="673124_image" /></div> <BR /><BR />Zu den ikonischen Looks von Elizabeth (aus der Hand von Angela Kelly) gehören unter anderem das hellgelbe Ensemble, das die Königin zur Hochzeit von Prinz William (39) und Herzogin Kate (39) im Jahr 2011 trug: ein primelgelber Wollmantel aus Doppelkrepp und ein dazu passendes Wollkleid mit handgenähten Perlen am Hals in Form von Sonnenstrahlen. <BR /><BR />Kellys persönlicher Höhepunkt ist jedoch die jährliche Parlamentseröffnung durch die Queen, bei der sie ihr beim Anlegen der Staatsrobe hilft, die Königin die Krone vom Kissen nimmt und über ihren Kopf hebt. „Die Großartigkeit dieses Moments raubt mir jedes Mal den Atem“, so Kelly. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="673127_image" /></div> <BR />Elizabeth II., verrät die Designerin, sei eine „typische“ Frau, die gern über Kleider, Make-up und Schmuck plaudere. „Die Queen liebt Kleidung und ist ein richtiger Experte für Stoffe“, erklärte die Hofschneiderin, die auch ein Fashion-Label gegründet hat, in einem Interview mit der britischen Zeitung „The Sunday Telegraph“. <BR /><BR />Eine Ausbildung in der Modebranche hat die königliche Chef-Stylistin nie absolviert, lediglich ihre Mutter Teresa Bradley lehrte sie, Puppenkleider zu nähen. „Was ihr an Ausbildung fehlt, macht sie durch ihren Ehrgeiz wieder wett“, sagte Kellys Ex-Ehemann Jim Kelly einmal der „Daily Mail“. „Sie verließ die Schule als junges Mädchen, aber sie ist in ihrem Beruf ganz nach oben gekommen. Sie wollte immer für die Königin arbeiten und hat dafür viel geopfert.“ <BR /><BR /><b>Massage für die Füße</b><BR /><BR />Angeblich massiert die Schneiderin der Queen sogar die Füße, wenn sie gemeinsam fernsehen, und sie läuft die königlichen Schuhe ein. Anonyme Hofinsider zeichnen aber auch das Bild von einer ehrgeizigen Managerin, die sich gegen die Eifersüchteleien anderer Bediensteter temperamentvoll zur Wehr setzt. Angeblich wird sie von den Kollegen „AK47“ genannt, nach dem russischen Sturmgewehr Kalaschnikow... <BR /><BR />Für ihre Loyalität gewährte die Königin Angela Kelly einen besonderen Gefallen – quasi als Auszeichnung für deren treue Dienste: Eigentlich sind alle Palastangestellten vertraglich zum Schweigen verpflichtet. Doch die Königin gab grünes Licht für Angelas Bücher „Dressing the Queen: The Jubilee Wardrobe“ (2012) zum königlichen Outfit beim diamantenen Thronjubiläum der Königin und zu „The Other Side of the Coin: The Queen, the Dresser and the Wardrobe“ (Die andere Seite der Medaille: die Königin, die Ankleidedame und die Garderobe, 2019) – 2 einzigartige Werke für Royal-Fans. <BR /><BR />