Die Geburtsstunde der modernen Plüschtiere schlug in Giengen an der Brenz im Osten Baden-Württembergs. Dort gründete die Schneiderin Margarete Steiff Ende des 19. Jahrhunderts ein kleines Filzkonfektionsgeschäft. <BR /><BR />Die Unternehmerin, die seit einer Kinderlähmung auf den Rollstuhl angewiesen war, galt als außergewöhnlich willensstark und kreativ. Eines Tages fertigte sie einen kleinen Filzelefanten an – ursprünglich als Nadelkissen gedacht. Doch Kinder entdeckten das „Elefäntle“ für sich. Aus dem Gebrauchsgegenstand wurde ein Spielzeug, aus einer Idee ein Verkaufsschlager.<BR /><BR />Schon bald bevölkerten Affen, Esel, Pferde und Kamele die Werkstätten. Die Nachfrage stieg rasant. Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass aus dem kleinen Betrieb einmal eine Weltmarke entstehen würde... Noch ahnte auch niemand, welches Tier die Spielzeugwelt für immer verändern wird.<h3> 55PB: Der Urvater aller Teddybären</h3>Der entscheidende Impuls kam von Richard Steiff, dem Neffen der Firmengründerin. Der junge Designer beobachtete Anfang des 20. Jahrhunderts Bären im Zoologischen Garten in Stuttgart und war fasziniert von ihrer Beweglichkeit. Inspiriert von seinen Skizzen entwarf er 1902 einen Plüschbären mit beweglichen Armen und Beinen. Das Modell trug den nüchternen Namen „55 PB“ – 55 Zentimeter groß, aus Plüsch gefertigt und beweglich. Heute gilt dieser Bär als Urvater aller Teddybären. <BR /><BR />Der Durchbruch kam auf der Leipziger Spielwarenmesse 1903. Zunächst interessierte sich kaum jemand für das neuartige Tier. Doch kurz bevor die Exemplare wieder eingepackt wurden, entdeckte ein amerikanischer Einkäufer die Bären und bestellte auf einen Schlag 3.000 Stück. Es ist der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1328697_image" /></div> <h3> Ein Präsident als Namensgeber</h3>Dass ausgerechnet ein amerikanischer Präsident dem Kuscheltier seinen Namen geben würde, konnte damals niemand wissen. Im selben Jahr sorgte eine Jagdepisode in den USA für Schlagzeilen.<BR /><BR /> Präsident Theodore Roosevelt weigerte sich, einen gefangenen Bären zu erschießen. Die Szene wurde von Karikaturisten aufgegriffen und in Zeitungen verbreitet. Schon bald verkauften amerikanische Spielwarenhändler Stoffbären unter dem Namen „Teddy’s Bear“. Der Begriff setzt sich durch – und wird zum Synonym für den Plüschbären schlechthin: Teddybären, kurz Teddy.<BR /><BR />In den folgenden Jahren entwickelte sich ein regelrechter Bärenboom. Die frühen Modelle unterschieden sich allerdings deutlich von den heutigen Kuscheltieren. Sie besaßen lange Schnauzen, schlanke Körper und wirkten erstaunlich naturgetreu. Viele konnten sogar auf allen Vieren stehen. Erst mit den Jahrzehnten wurden die Gesichter runder, die Augen größer und die Tiere weicher. Aus dem naturgetreuen Bären wurde der freundliche Kuschelfreund.<h3> „Knopf im Ohr“ gegen Nachahmungen</h3>Mit dem Erfolg kamen die Nachahmer. Um seine Produkte zu schützen, führte Steiff 1904 ein Merkmal ein, das später weltberühmt werden sollte: den „Knopf im Ohr“. Das kleine Metallschild diente zunächst lediglich der Unterscheidung von Fälschungen. Heute ist es eines der bekanntesten Markenzeichen der Welt. Für Sammler ist der Knopf oft entscheidend – und kann den Wert eines Bären um ein Vielfaches steigern.<BR /><BR />Apropos Sammeln. Spätestens seit den 1980er- und 1990er-Jahren entwickelte sich rund um historische Plüschbären ein internationaler Markt. Was einst bespielt und geliebt wurde, wurde nun katalogisiert, bewertet und versteigert. Seltene Modelle erzielen Preise, die selbst Kunstsammler staunen lassen. Einige Beispiele gefällig? <BR /><BR />Am 4. Dezember 2002 wurde bei Christie's in London ein Steiff-Teddy versteigert, der die Hinterbliebenen der Titanic-Katastrophe trösten sollte. Das Plüschtier aus dem Jahr 1912 wechselte für umgerechnet 154.000 Euro den Besitzer. Zur Erklärung: Steiff hatte nach dem Unglück im Jahr 1912 insgesamt 82 schwarze Bären mit roten Rändern um die Augen produziert, um der Opfer des Unglücks zu gedenken.<BR /><BR /> Teddybär „Girl“ erlangte Berühmtheit, als sie für über 100.000 Euro den Besitzer wechselte. Aber warum gab jemand so viel Geld für sie aus? Der Grund war, dass sie mit einer interessanten und belegbaren Geschichte daherkam. Sie war das Geburtstagsgeschenk für Colonel Bob Henderson. Dieser diente als Oberst in der britischen Armee während des Zweiten Weltkriegs und kämpfte mit Teddy-Girl an seiner Seite. Zu den legendären Sammlerstücken gehört der „PB 28“ aus dem Jahr 1904, der älteste bekannte Steiff-Teddybär. Vergleichbare Modelle erzielten auf Auktionen sechsstellige Beträge. <h3> Fast zwei Millionen Euro für Vuitton-Teddy</h3>Noch spektakulärer waren die Ergebnisse von Sonderauktionen. In Monte Carlo sorgte im Jahr 2000 eine Wohltätigkeitsgala für Schlagzeilen, als internationale Luxusmarken wie Louis Vuitton, Dior, Cartier oder Valentino eigens gestaltete Steiff-Bären präsentierten. <BR /><BR />Ein von Louis Vuitton ausgestatteter Teddy sprengte dabei alle Erwartungen: Das Teddy-Mädchen (!) inklusive Designerklamotten und passendem Gepäck brachte fast zwei Millionen Euro ein. Heute kann man ihr einen Besuch im Teddybär-Museum in Jeju (Südkorea) abstatten.<BR /><BR />Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde der Teddy zu einer festen Größe der Populärkultur. Kaum ein Kinderzimmer kam ohne ihn aus. Er begleitete seine Besitzer durch Krankheiten, Umzüge und schlaflose Nächte. Psychologen sprechen vom „Übergangsobjekt“ – einem Gegenstand, der Kindern Sicherheit vermittelt. <BR /><BR />Und die Firma Steiff? Sie wird immer noch von den Erben von Margarete Steiff geführt, der Teddy nach wie vor an erster Stelle. Allerdings steht „Der Knopf im Ohr“ in Zukunft unter der Regie des deutschen Spieleherstellers Ravensburger. Dieser will die Mehrheit am Plüschtierhersteller haben. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe.<Apotheke></Apotheke>