Donnerstag, 27. Dezember 2018

Die Kufen-Flitzer kommen auf den Ritten

Auf dem schnellen Eis-Oval der Arena Ritten in Klobenstein werden vom 11. bis 13. Jänner die Europameisterschaften der Eisschnellläufer ausgetragen.

Die Arena Ritten ist eine der schnellsten, zweifelsohne aber die am schönsten gelegene Freiluftbahn der Welt. Foto: Max Pattis
Badge Local
Die Arena Ritten ist eine der schnellsten, zweifelsohne aber die am schönsten gelegene Freiluftbahn der Welt. Foto: Max Pattis

Olympiasieger, Olympiamedaillengewinner und Weltmeister werden dann auf dem sonnigen Südtiroler Hochplateau drei Tage lang Jagd nach Gold, Silber und Bronze im Mehrkampf und Sprint-Mehrkampf machen.  

Er ist wohl jener Bau, den Sportbegeisterte auf Anhieb mit dem Ritten in Verbindung setzen: der landauf, landab bekannte Eisring. An der Ortseinfahrt von Klobenstein gelegen, fällt er jedem Besucher augenblicklich auf. Zudem sticht der Schriftzug Arena Ritten auf dem Eishockeystadion sofort ins Auge. Die im Wind wild flatternden Fahnen an der Eisbahn winken Besuchern und Athleten zu. Und das einmalige Panorama auf die Südtiroler Dolomiten, den Schlern und den Rosengarten tut sein Übriges dazu.

Auf der wahrscheinlich schnellsten, mit Sicherheit aber am schönsten gelegenen Freiluftbahn der Welt misst sich von Freitag, 11. Jänner bis Sonntag, 13. Jänner das Who’s who der internationalen Eisschnelllauf-Szene. Angefangen bei der lebenden Legende Sven Kramer, der neun Olympia-Medaillen (4x Gold) sein Eigen nennt und im Laufe seiner Karriere nicht weniger als 28 Mal Weltmeister, sowie neun Mal Mehrkampf-Europameister wurde. Seine allererste goldene EM-Medaille hat der mittlerweile 32-Jährige übrigens in Klobenstein gewonnen. Das war 2007 vor mittlerweile 12 Jahren, als am Ritten erstmals eine kontinentale Meisterschaft in der olympischen Sportart Eisschnelllauf ausgetragen wurde.

Räumen die niederländischen Topstars alles ab?

Kramers Bestreben liegt sicherlich darin, zum zehnten Mal Mehrkampf-Europameister zu werden. „Doch der Holländer wird bei diesem Vorhaben starke Konkurrenz bekommen. Allen voran von seinen Landsmännern Jan Blokhuijsen und Douwe de Vries, dem Belgier Bart Swings, den Norwegern Havard Bokko und Sverre Lunde Pedersen, oder den starken russischen Athleten. Ganz besonders im Fokus stehen wird auch der „Azzurro“ Andrea Giovannini, den die heimischen Fans ganz besonders lautstark anfeuern werden“, ist OK-Chef Jakob Gamper überzeugt. Er und sein Team bereiten die Eisschnelllauf-Europameisterschaften am Ritten seit über einem Jahr bis ins kleinste Detail vor. Schließlich wollen sich die Rittner als fähiger Veranstalter, vor allem aber als exzellente und freundliche Gastgeber präsentieren.

Auch bei den Frauen sind die besten Eisschnellläuferinnen Europas am Start. Titelverteidigerin Ireen Wüst etwa, die sage und schreibe elf Olympiamedaillen gewann und sich 18 Mal zur Weltmeisterin kürte. Ihre ärgste Widersacherin dürfte die Tschechin Martina Sablikova sein, die sechs Mal olympisches Edelmetall errang und 16 WM-Goldene in ihrem Trophäenschrank aufbewahrt.

Auch die schnellsten Sprinter werden gesucht

Die Europameisterschaften der Eisschnellläufer wurden reformiert. So werden in den geraden Jahren die Titelträger auf den Einzelstrecken gekürt, in den ungeraden die Mehrkampf-Champions. Das hat für die Rittner Veranstalter zur Folge, dass dieses Mal insgesamt vier Medaillenentscheidungen anstehen. „Im Gegensatz zu den Europameisterschaften 2007 und 2011, bei denen nur die Allround-Europameister gekürt wurden, werden dieses Mal auch die stärksten Sprinter ermittelt. Neuer Europameister im Sprint-Vierkampf ist, wer jeweils zwei Mal über 500 und 1000 Meter am schnellsten ist. Hier sind der Niederländer Kai Verbij und die Tschechin Karolina Erbanova Titelverteidiger“, fährt Gamper fort.

Lange Eissport-Tradition am Ritten

Der Eissport hat am Ritten eine lange Tradition, die bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurückgeht. Der Eisring ist hingegen im Jahr 1972 entstanden und bis 1989 wurde am Ritten auf Natureis gelaufen. Dann fiel nicht nur die Berliner Mauer. Auch in Klobenstein passierte Historisches, als eben im Jahr 1989 auf Kunsteis umgerüstet wurde. Das hatte zur Folge, dass der Weltverband ISU den Veranstaltern drei Weltcups für die Jahre 1990, 1991 und 1992 übertrug. Die besten Eisschnellläufer der Welt lobten das auffallend schnelle Rittner Eis bereits damals.

Fast ein Jahrzehnt später (1998) wurde der Eisring weiter modernisiert und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. „Die Bahn wurde betoniert, außerdem die Fußwege für die Athleten durch Unterführungen verkürzt und zudem ein neuer Kurvenradius angelegt. Somit erfüllte der Eisring der Arena Ritten alle technischen Voraussetzungen, um weiterhin die wichtigsten internationalen Wettkämpfe ausrichten zu dürfen“, sagt Gamper.

In der Tat: Der internationale Durchbruch war geschafft. Weitere Weltcups im Eisschnelllauf folgten 1999, 2004 und 2006. Ein Jahr später wurde erstmals die Mehrkampf-EM auf dem Südtiroler Hochplateau ausgetragen, die vier Jahre später ein weiteres Mal an Klobenstein vergeben wurde.

 Auch der internationale Eisschnelllauf-Nachwuchs schlug am Ritten mehrfach seine Zelte auf. Der Junioren-Weltcup gastierte 2009, 2010 und 2012 in Klobenstein. Im Februar 2013 fand im Südtiroler Eisschnelllauf-Mekka das Finale des Junioren-Weltcups statt. Absoluter Höhepunkt bleibt aber die Ausrichtung der Junioren-WM in den Jahren 2002 und 2013.

Nun wollen die Rittner ihrer langen Erfolgsgeschichte ein weiteres Kapitel hinzufügen – mit erfolgreichen Eisschnelllauf-Europameisterschaften von Freitag, 11. bis Sonntag, 13. Jänner. Die mit Sicherheit spannenden Wettkämpfe sind allemal einen Besuch wert.

stol