Die einen sitzen oben, die anderen sägen unten: Zu dieser Erkenntnis kommt Irina Lino auch beim Blick in den Vatikan. <BR /><BR /><BR /><BR />Da werden die Römer geschaut haben, als sie ihm SO begegneten: Auf Mauern und Fassaden der Ewigen Stadt gekleistert. Der Papst als Misanthrop mit bösem Blick, oder anders gesagt: Visuelle Rufschädigung, die sich als Plakataktion tarnt. <BR /><BR />Fast wie im „Don Camillo und Peppone“-Film kommt diese heimliche, des nächtens in ganz Rom platzierte Protestnote gegen Franziskus 2017 daher. 2021 ist der Umstand ein andere, doch die Intention dieselbe!<BR /><BR /> Nur tuscheln diesmal einflussreiche Kirchenmünder hinter vorgehaltener Hand, Papst Franziskus sei nach seiner schweren Dickdarm-Operation im Juli den hohen Anforderungen des Amtes nicht mehr gewachsen und bereite, alt, krank und schwach, im stillen Kämmerlein längst seinen Rücktritt vor. Ergo liege ein neues Konklave, also eine neue Papst-Wahl, in der Luft, weil sich der Pontifex aus Anlass seines 85. Geburtstages im Dezember zurückziehen könnte. So mutmaßt jüngst eine rechtskonservative italienische Tageszeitung als Sprachrohr der Franziskus-Gegner. <BR /><BR />Erleuchtung im kirchenpolitischen Ränkespiel verspricht die Tatsache, dass JEDER Tempel der Macht eine Schlangengrube ist. Welche konservativen Hardliner das Pontifikat des liberalen Erneuerers zu untergraben versuchen, ob Kardinäle dabei sind, denen er die Gehälter gekürzt hat oder Würdenträger, deren Spekulationsgeschäfte nicht zum Amt passen, weiß Franziskus sicher. <BR /><BR />Dass Jorge Bergoglio KEIN Joseph Ratzinger ist, der 2013 einfach abdankt, sondern ein kämpferischer Steher, der sich nicht so einfach verdrängen lässt, zeigt (auch) seine Entschlossenheit, mit der er jegliche Rücktritts-Spekulationen zurückweist. <BR /><BR />Doch eines ist so sicher wie das Amen im Gebet: Das Ringen zwischen Konservativen und Reformern um den Kurs des römisch-katholischen Glaubensimperiums wird weitergehen. Denn einerlei ob Kirchen- oder Polit-Zirkus, die Mechanismen der Macht sind überall gleich! Die einen sitzen oben, die anderen sägen von unten...<BR /><BR /><BR />ZUR PERSON<BR /><BR />In einer wöchentlichen Kolumne schreibt Irina Lino auf s+ über aktuelle Themen verschiedenster Art. Irina Lino ist 1967 in Klagenfurt geboren und seit 1987 Kulturjournalistin. Zahlreiche Beiträge in Büchern und Katalogen zu Kulturthemen; seit 2009 Kultur-Ressortleiterin der „Kronen Zeitung“ Kärnten sowie Kolumnistin.<BR />