Freitag, 09. August 2019

„Die Ressourcen sind nicht unendlich – es braucht eine Kreislaufwirtschaft“

Die Santini-Gruppe verzeichnet einen Jahresumsatz von rund 30 Millionen Euro und beschäftigt derzeit 130 Mitarbeiter. Mauro Santini, Geschäftsführer des Bozner Aktiengesellschaft, im Gespräch über das Thema Kreislaufwirtschaft.

Foto: Santini
Foto: Santini

Abfallwirtschaft, Umweltberatung und Umwelterziehung – um diese Themen kümmert sich die Santini-Gruppe seit vielen Jahren. Langjährige Erfahrung, effizientes Personal, flexible Informationssysteme in Kombination mit einer eigenen logistischen Struktur und einer eigenen Rückgewinnungsanlage tragen maßgeblich zum Erfolg des Unternehmens bei.

Mauro Santini ist, gemeinsam mit seinem Bruder Andrea, Vorsitzender der Santini-Gruppe, die 1945 von Marino Santini gegründet wurde. Dank des unermüdlichen Einsatzes vonseiten des Gründers und dessen Sohnes Sergio, ist das Unternehmen zu einer fixen Anlaufstelle innerhalb der Recyclingbranche in Südtirol geworden.

Mauro Santini. 

Ein Thema, das in dieser Branche immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist die „Circular Enonomy“. Auch wenn in letzter Zeit immer häufiger über das Konzept der Kreislaufwirtschaft gesprochen wird, wissen nur die wenigsten, was damit gemeint ist. Geht man von der Definition aus, die die Ellen MacArthur Foundation liefert, dann bezeichnet der abstrakte Begriff „Kreislaufwirtschaft“ eine selbst-regenerierende und nachhaltige Form der Wirtschaft.

Weiß man genug über diese Wirtschaftsform?

Es ist sicher ein Konzept, das in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Allein die Tatsache, dass in den Suchmaschinen tausende Ergebnisse zu diesem Begriff geliefert werden, bestätigt dies. Leider merkt man schnell, dass der Begriff in vielen Fällen falsch oder unvollständig verwendet wird. Tatsächlich vergessen viele, dass die Kreislaufwirtschaft ein komplexes Modell ist, das aus zahlreichen Businesselementen und -modellen besteht. Oftmals wird sie auf das Konzept des Recyclings reduziert, das in Wahrheit nur ein Teilelement davon ist. Es braucht daher einen neuen Informationsschub, der über die wahre Bedeutung des Begriffes aufklärt.

Wie kann man dieses Ziel Ihrer Meinung nach verwirklichen?

Man muss systematisch vorgehen und nachdrücklich dafür sorgen, dass der Begriff der Kreislaufwirtschaft in den Wortschatz der Politik, der Industrie, der Universitäten und derer, die sich um Wirtschafts- und Umweltthemen kümmern, aufgenommen wird. Die Kreislaufwirtschaft kann kein abstraktes Konzept bleiben, sie ist Teil unserer Zukunft und unserer Gegenwart.

Wie schätzen Sie die Situation in Italien in Bezug auf die Kreislaufwirtschaft ein?

Viele denken, unser Land sei dieser Herausforderung nicht gewachsen. Das ist ein Vorurteil. Es gibt die nötige Kompetenz und die Innovationsfähigkeit, die Energien müssen nur richtig auf die Wirtschaft und die Institutionen verteilt werden.

Wie geht die Santini-Gruppe mit diesen neuen Herausforderungen um?

Sie sind Teil unserer Mission. Außerdem hat unsere Teilnahme am COBAT-System wesentlich dazu beigetragen, dass unsere Struktur eine positive Herangehensweise an das Thema Kreislaufwirtschaft hat. Der langjährige Präsident von COBAT, Ingenieur Morandi, ist schließlich einer der Gründerväter dieses Wirtschaftsmodells in Italien und ist bereits von der von Michail Gorbatschow gegründeten Umweltorganisation „Green Cross“ für sein Engagement im Umweltsektor ausgezeichnet worden. 

Ist sich die Öffentlichkeit der Wichtigkeit dieses Themas ausreichend bewusst?

Die wichtigste Botschaft, die rübergebracht werden muss, ist sicherlich die, dass die Ressourcen nicht unendlich sind und, dass jeder von uns (Projektleiter, Produzent, Vertriebs- und Verbraucherketten) in dieser Hinsicht eine maßgebliche Rolle spielt, die wiederum eng mit der Rolle der anderen verbunden ist. Deshalb ist es notwendig, dass wir alle unsere Aufgabe kennen, sodass wir es schaffen, von einem unhaltbaren linearen Wirtschaftsmodell zu einer geschlossenen und nachhaltigen Kreislaufwirtschaft überzugehen.

Andrea Santini. 

Sergio Santini.

 

stol