Die Katzen der Eremitage sind eine Institution. Mitte des 18. Jahrhunderts herrschte im damaligen Winterpalast der russischen Herrscher eine fürchterliche Ratten- und Mäuseplage. <BR /><BR />Die Nager hatten sich derart breitgemacht, dass sich die Zarin Elisabeth Petrowna, Tochter von Zar Peter dem Großem, genötigt sah, einen Befehl zu erlassen, wonach aus dem 1000 Kilometer entfernten Kasan „die größten und besten Katzen zu fangen und unverzüglich an den Hof zu bringen seien“. <h3> Vom Rattenfänger zum Museumswächter</h3>Die Katzen aus der Stadt im Südwesten Russlands, die am Ufer der Flüsse Wolga und Kasanka liegt, waren berühmt für ihre Jagdkünste. Wenig später traf in St. Petersburg eine Kutschenladung Katzen der Rasse „Russisch Blau“ ein, die sich unverzüglich daranmachte, die Nagerplage einzudämmen. <BR /><BR />Als Katharina die Große im Jahr 1764 Teile des Winterpalastes in ein Museum – die heutige Eremitage – umwandelte, durften die Katzen bleiben, quasi als tierische Museumswächter. Die Zarin führte jedoch eine strikte Trennung in Haus- und Hofkatzen ein. <BR /><BR />Zwischen 50 und 70 vor allem männliche Katzen leben heute in den sich über 20 Kilometer erstreckenden Kellergängen unter der Eremitage und halten diese von Mäusen und Ratten frei. Die „kleine Armee der Schnurrbärtigen“ nennen Museumsfreunde die anmutigen Kammerjäger. Jeder der samtpfötigen „Soldaten“ ist in einer Karteikarte verzeichnet, hat einen Namen und Schlafplatz, wurde geimpft und kastriert. Für ihren Unterhalt sorgt seit Jahren der Fonds „Freunde der Ermitage-Katzen“. <h3> Im Krieg: Erst verspeist, dann nachbesetzt</h3>Wie wichtig ihre Dienste sind, zeigte sich unter anderem nach dem Zweiten Weltkrieg. Während der 900 Tage andauernden Belagerung des damaligen Leningrad durch deutsche Besatzungstruppen litt die Bevölkerung derart großen Hunger, dass auch die Katzen der Eremitage auf den Tellern landeten. Mit der Folge, dass es nach Kriegsende keine Museumskatzen mehr gab. <BR /><BR />Die Folge war eine Invasion von Ratten, die sich jeglicher militärischer Bekämpfung widersetzten und auch über die staatlichen Lebensmittellager herfielen. Nach Kriegsende wurden daher in einer Großaktion Tausende Katzen, vor allem aus Sibirien, in die Stadt geschafft. Einige dieser Katzen wurden im Museum untergebracht und begründeten dort eine neue Generation von Museumskatzen.<h3> „Ein Rubel für eine Katze“</h3>Der zweite Nackenschlag für die Museumskatzen kam 1991 mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Es war schlicht kein Geld mehr da, um die Katzen angemessen zu versorgen. In ihrer Not riefen Museumsmitarbeiter die Aktion „Ein Rubel für eine Katze“ ins Leben, um Geld zu sammeln. Mit Erfolg: Bald ging es den Miezen wieder besser. Heute bekommen die Tiere mehrere Mahlzeiten am Tag und werden angemessen medizinisch versorgt; Sponsor ist ein großer Futtermittelhersteller.<BR /><BR />Heutzutage durchstreifen die Katzen nicht mehr die Ausstellungsräume, sondern leben auf dem Hof oder in den weiträumigen Kellern der Eremitage. Dort hängen keine Rembrandts – sondern Porträtbilder von besonders beliebten Museumskatzen. Die Schädlingsbekämpfung ist längst zu einer prophylaktischen Angelegenheit verkommen: Katzen hinterlassen nämlich in ihrem Revier einen spezifischen, auch für Mäuse wahrnehmbaren Geruch, der die Nager fernhält.<BR /><BR />Mittlerweile haben sich die Katzen der Eremitage zu einer echten Sehenswürdigkeit entwickelt. Besucher dürfen sogar eine der „Promimiezen“ mit nach Hause nehmen. Denn immer wieder werden Kitten zur Adoption frei gegeben. Dabei kontrolliert das Museumspersonal mögliche Interessenten sehr genau. Die Palastkatzen sollen ja nicht in die falschen Hände geraten.