Neben der Namensähnlichkeit ist die Prognose bei Nichtbehandlung der beiden Krankheiten ident: Sie können zur Erblindung führen, wie Dr. Markus Erlacher, Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie, in Vahrn bei Brixen und in der Marienklinik in Bozen, erklärt.<BR /><BR /><b>Grauer Star: Die eingetrübte Augenlinse</b><BR /><BR />Die häufigere der beiden Augenkrankheiten ist der Graue Star. „Der Graue Star kann in jedem Alter vorkommen. Das Risiko, daran zu erkranken, steigt jedoch mit dem Alter“, erklärt der Facharzt. Meist beginnt die Erkrankung ab dem 50. Lebensjahr. Irgendwann sei jeder Mensch betroffen – „vorausgesetzt, er wird alt genug“. <BR /> Beim Grauen Star, der vom Mediziner auch „Katarakt“ genannt wird, handelt es sich um eine Eintrübung der natürlichen, ursprünglich klaren Augenlinse. Der Betroffene sieht zunächst „wie durch einen Schleier“. Dieser werde aber mit der Zeit immer dichter und führe zu einer ernsthaften Sehbeeinträchtigung, erklärt Dr. Erlacher. Dies könne ein- oder beidseitig auftreten. „Erste Anzeichen sind Schwierigkeiten beim Autofahren in der Nacht oder bei wechselnden Lichtverhältnissen, eine erhöhte Blendempfindlichkeit, erschwertes Lesen, herabgesetzte Farberkennung oder eine häufig notwendige Änderung der Brillenglasstärke.“ Ein Grauer Star könne so weit fortschreiten, dass nur mehr zwischen hell und dunkel unterschieden werden könne, erklärt der Facharzt. „Katarakt ist die weltweit am häufigsten auftretende Ursache für Erblindung.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1088922_image" /></div> <BR />Die einzige Behandlungsmöglichkeit bei Grauem Star ist eine Operation. Diese ist mit geschätzt 20 Millionen Eingriffen pro Jahr die weltweit am häufigsten durchgeführte Operation in der gesamten Medizin, weiß Dr. Erlacher. <BR /><BR /> Was passiert bei dieser Operation? Unter lokaler Betäubung – in der Regel Tropfanästhesie – wird ein kleiner Schnitt, eine sogenannte Mikroinzision, am äußeren Rand der Hornhaut gemacht. Dieser nur rund 2 Millimeter große Schnitt ermöglicht einen Zugang zur natürlichen Linse. „Die Linsenkapsel, in der die natürliche Linse eingebettet ist, wird kreisförmig eröffnet“, erkärt der Augenarzt. „Mit Ultraschallenergie wird die getrübte Linse zerkleinert und kann dadurch problemlos durch winzige Instrumente abgesaugt werden. Diesen Vorgang nennt man Phakoemulsifikation.“ Zum Schluss wird die Kunstlinse in die leere Linsenkapsel eingesetzt. „Durch die richtige Auswahl der Intraokularlinse ist es auch möglich, Fehlsichtigkeiten auszugleichen“, führt Dr. Markus Erlacher aus. <BR /><BR /><b>Grüner Star: Der geschädigte Sehnerv</b><BR /><BR />Keine Heilung gibt es hingegen beim Grünen Star. Allerdings kann die Krankheit verlangsamt werden. „Unter Grüner Star wird eine Gruppe von Augenerkrankungen verstanden, die die Nervenzellen des Sehnervs angreift“, erklärt der Facharzt. In den meisten Fällen führt ein erhöhter Augeninnendruck zu einem „Glaukom“, wie der Grüne Star in der Medizin genannt wird. „Dabei handelt es sich um eine wahrhaft tückische Erkrankung, denn ein Glaukom bereitet in der Regel keine Schmerzen und dem betroffenen Auge ist äußerlich nichts anzusehen“, sagt Dr. Erlacher. Erst in späteren Stadien stellen sich erhebliche Beeinträchtigungen des Gesichtsfeldes ein. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1088925_image" /></div> <BR />Unbehandelte Glaukome sind die Hauptursache für irreversibles Erblinden. Laut Schätzungen dürften ein bis zwei Prozent der Bevölkerung von einem Grünen Star betroffen sein – vorwiegend im höheren Alter. Außerdem wird die Krankheit häufig vererbt. Nur regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen ermöglichen es, ein Glaukom rechtzeitig zu erkennen und erfolgreich zu behandeln. Denn je früher der Grüne Star erkannt wird, desto größer ist die Chance, dass das Voranschreiten der Krankheit auch zuverlässig gestoppt werden kann. „Die Senkung des Augeninnendrucks ist die einzige wirksame Therapie des Glaukoms“, sagt der Facharzt für Augenheilkunde. Dies könne durch Medikamente in Form von Augentropfen erfolgen. „Falls eine medikamentöse Therapie den Augeninnendruck unzureichend senkt, wird operiert. Eine Operation des Glaukoms zielt darauf ab, den Augeninnendruck dauerhaft auf niedrige Werte zu senken.“<BR /><BR />Auch wenn die beiden Augenkrankheiten kaum etwas gemeinsam haben, so können sie doch gemeinsam auftreten und in seltenen Fällen kann ein Grüner Star auch die Spätfolge einer Operation des Grauen Stars sein.<BR /><h3> Interview</h3><b>Der Augenarzt rät: „Risikofaktoren vermeiden“</b><BR /><BR /> Grauer und Grüner Star sind 2 voneinander unabhängige Augenkrankheiten, die aber auch gleichzeitig auftreten können. In seltenen Fällen kann der Grüne Star auch von einem Grauen Star ausgelöst werden oder die Spätfolge einer Operation des Grauen Stars sein. Warum das so ist, das erklärt der Facharzt für Augenheilkunde, Dr. Markus Erlacher, im Interview. <BR /><BR /><b>Im Alter erkrankt fast jeder an einem Grauen Star. Ist das ein unabwendbares Schicksal oder gibt es Risikofaktoren?</b><BR />Dr. Markus Erlacher: In der Tat ist der wichtigste Risikofaktor, am Grauen Star zu erkranken, das Alter. Aber auch das Rauchen, UV-Strahlung, einzelne Medikamente, andere Krankheiten und eine erbliche Veranlagung spielen eine Rolle. So kann ein Grauer Star auch angeboren sein und durch verschiedene Erbgänge vererbt werden.<BR /><BR /><b>Also ist vorbeugen schwierig?</b><BR />Dr. Erlacher: Grauem Star kann man bisher leider nicht vorbeugen. Allerdings ist es ratsam, bestimmte Risikofaktoren, wie starke Sonnenexposition oder das Rauchen zu vermeiden. Auch sollten Krankheiten wie Diabetes mellitus so gut wie möglich behandelt werden, um das Risiko der Entwicklung eines Grauen Stars in schon jüngeren Jahren zu reduzieren. <BR /><BR /><embed id="dtext86-67118901_quote" /><BR /><BR /><b><BR />Die Operation des Grauen Stars ist der häufigste chirurgische Eingriff weltweit. Ist das OP-Ergebnis dauerhaft?</b><BR />Dr. Erlacher: Einige Zeit nach der Operation kann es vorkommen, dass sich die Sicht wieder verschlechtert. Ein sogenannter Nachstar kann die Ursache sein. Das ist eine natürliche Vernarbung oder leichte Eintrübung des Kapselsacks, in den die Kunstlinse implantiert wurde. Er folgt recht häufig auf eine Kataraktoperation. Der Name kommt daher, weil die Symptome an den Grauen Star erinnern. Ich entferne einen Nachstar schnell und schmerzfrei mit einem hochmodernen YAG-Laser ambulant in meiner Praxis. Dabei wird mit dem Laser ein kleines Loch in der hinteren Kapsel erzeugt, durch das das Licht dann ungehindert in das Auge gelangen kann: Die Sicht ist damit wieder klar.<BR /><BR /><b>Kommen wir zum Grünen Star. Wie häufig ist diese Erkrankung?</b><BR />Dr. Erlacher: Man schätzt, dass ein bis zwei Prozent der Bevölkerung von einem Grünen Star betroffen sind. Zwei Drittel aller Glaukom-Patienten sind über 70 Jahre alt. Generell steigt das Risiko ab dem 40. Lebensjahr. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass sich bis zum Jahr 2060 die Glaukomhäufigkeit aufgrund der demografischen Alterung auf circa 2,8 Prozent erhöhen wird. Trotz einer zurzeit sinkenden Bevölkerungszahl werden Glaukome immer häufiger, auch schon in jüngeren Jahren.<BR /><BR /><b>Was sind Risikofaktoren?</b><BR />Dr. Erlacher: Das Glaukom wird nicht selten vererbt. Deshalb besteht bei Patienten, die Angehörige mit Glaukom haben, eine erhöhte Gefährdung. Eine familiäre Vorbelastung erhöht das Risiko um das 4- bis 9-Fache. Zusätzlich zur genetischen Vorbelastung sind Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, häufiges Auftreten von Migräne, das Schlaf-Apnoe-Syndrom sowie eine hohe Weit- oder Kurzsichtigkeit wichtige Risikofaktoren für die Entwicklung eines Glaukoms.<BR /><BR /><b>Gibt es einen Zusammenhang zwischen Grauem und Grünen Star?</b><BR />Dr. Erlacher: Die beiden Erkrankungen haben medizinisch gesehen nichts gemeinsam. Es ist aber möglich, beide gleichzeitig zu haben. In der Regel bestand bereits vor dem Grauen Star der Grüne Star. In seltenen Fällen kann der Grüne Star auch durch die dicker und starrer werdende Augenlinse bei einem Grauen Star ausgelöst werden, da durch die dicker gewordenen Linse der Abflusskanal für das Wasser aus dem Augeninneren komprimiert werden kann. Außerdem kann sich in seltenen Fällen ein Grüner Star nach einer Operation des Grauen Stars entwickeln.<BR /><BR /><b>Warum kann das passieren?</b><BR />Dr. Erlacher: Obwohl eine Kataraktoperation erfolgreich und sicher ist, kann sie in seltenen Fällen zu einem erhöhten Augeninnendruck und in der Folge zu einem Glaukom führen. Menschen mit vorbestehenden Risikofaktoren – hoher Augeninnendruck oder ein Glaukom in der Familie – haben ein höheres Risiko, nach einer Kataraktoperation ein Glaukom zu entwickeln. Das kommt vor allem bei älteren Menschen häufiger vor. Patienten, die sich einer Kataraktoperation unterzogen haben, sollten daher routinemäßig einmal im Jahr eine Kontrolle beim Augenarzt einplanen. Die meisten Glaukomfälle nach einer Kataraktoperation können mit der richtigen Therapie behandelt und das Sehvermögen erhalten werden.<Rechte_Alle_Rechte_vorbehalten></Rechte_Alle_Rechte_vorbehalten>