<h3> 1992 Bozen</h3>„Jahrhunderträuber gelingt die Flucht“ titelte das Tagblatt der Südtiroler „Dolomiten“ am 10. November 1992. Am Tag davor war der damals 34-jährige Max Leitner (1958-2024) aus dem Bozner Gefängnis in der Dantestraße entkommen. Laut dem damaligen Staatsanwalt Paul Ranzi war der Räuber aus Elvas auf die klassische Art ausgebrochen. „Ein Gefängnisinsasse könnte demnach aus einem Fenster im ersten Stock des Gefängnisses aneinander geknotete Leintücher herausgehängt haben. Leitner wartete im Gefängnishof auf seinen Gehilfen. Er kletterte an den Leintüchern hinauf, um auf eine etwa acht Meter hohe Mauer zu gelangen. Diese Mauer unterteilt den Gefängnishof in zwei Teile und verbindet die Hausmauer mit der Außenmauer des Hofes. Max Leitner balancierte also über die Mauer in Richtung Außenmauer, die entlang der Talferwiesen verläuft. Die sprang Leitner hinunter und war frei“, heißt es im Bericht vom 11. November 1992. Detail am Rande: Leitner war erst am 2. November, also eine Woche vor der Flucht, von Vicenza nach Bozen verlegt worden.<BR /><h3> 1997 Brixen</h3>Ein Ausbruch aus dem Bezirksgefängnis Brixen sorgte im Jänner 1997 in Südtirol und in Deutschland für Schlagzeilen. Am Freitag, 24. Jänner, konnten gleich vier Häftlinge – einer davon aus Brixen - entkommen. Einer der Männer, ein 29-jähriger Albaner, wurde einen Tag später bei einer Routinekontrolle am Bahnhof in Würzburg gefasst. Die „Dolomiten“ berichtete damals: „Der Polizist nahm den Mann zunächst mit auf die Wache. Bei einer Leibesvisitation kam ein Dokument zum Vorschein, das auf das Gefängnis von Brixen hinwies und welches der Albaner wohl ungeschickterweise vergessen hatte wegzuwerfen. Eine Anfrage der Würzburger Polizei bei der Polizei in Bozen brachte schließlich an den Tag, dass es sich bei dem festgehaltenen Mann um den flüchtigen Albaner handelt.“ Der Brixner und ein weiterer Ausbrecher wurden drei Tage später in Emmerich geschnappt, sie wollten mit dem Zug nach Holland. Über das Schicksal des vierten Komplizen ist nichts bekannt.<BR /><BR />Beim Ausbruch aus dem Bezirksgefängnis hatten die vier Männer einen Gefängniswärter niedergeschlagen und fuhren mit dessen Auto von Brixen bis zur Grenze nach Winnebach, dort stellten sie den Wagen ab. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1202385_image" /></div> <h3> 2001 Brixen</h3>Der erste Ausbruch im neuen Jahrtausend gelang ebenfalls in Brixen, fast auf den Tag genau vor 24 Jahren. Am 20. August 2001 kletterte ein damals 43-jähriger Mann mit zusammengeknöpften Leintüchern über die sechs Meter hohe Gefängnismauer. „Bereits nach seiner Verhaftung am Dienstag in einem Wald bei Latzfons war er in das überfüllte Gefängnis von Bozen überstellt worden. Er machte somit gleich in zweifacher Hinsicht einen schlechten Tausch“, so steht es im Dolomiten-Artikel vom 25. August 2001, denn „die Häftlinge im Brixner Bezirksgefängnis können sich zwischen 8 und 20 Uhr frei auf dem Gelände bewegen.“<BR /><BR />Der Mann war wegen obszöner Handlungen in der Öffentlichkeit zu vier Monaten Haft verurteilt worden, drei Monate hatte er bereits abgesessen. Am Ende musste er weitere fünf Monate im Knast verbringen.<BR /><h3> 2007 Brixen</h3>Im Sommer 2007 konnte ein junger Bozner relativ einfach aus dem Bezirksgefängnis Brixen entwischen. Der damals 21-Jährige verbüßte in der Bischofsstadt eine mehrmonatige Haftstrafe wegen einer Reihe von Diebstählen und wegen Körperverletzung. Mithilfe seiner Schwester und seiner Freundin gelang ihm am 16. Juni die Flucht, wie die „Dolomiten“ berichtete. „Während des Besuchs war im Besucherzimmer auch eine Wache anwesend. Nach einer halben Stunde wollten die beiden Frauen aufbrechen. Die drei sollen dann zur Tür gegangen sein. Während sich die Frauen zwischen die Tür und den Sicherheitsbeamten gedrängt haben sollen, konnte der Häftling in den Garten fliehen und ungehindert durch den Haupteingang auf den Domplatz laufen. Danach verlor sich seine Spur.“ Einen Monat später wurde der Mann – der sich inzwischen die Haare blond gefärbt hatte - beim Nomadencamp in Bozen Süd ausgeforscht und erneut festgenommen. <BR /><h3> 2018 Bozen</h3>Eine Familientragödie steckt hinter dem Ausbruch eines Tschetschenen im Juni 2018. Der damals 38-Jährige saß in Bozen wegen Schlepperei eine fünfjährige Haftstrafe ab. Im Mai 2018 war seine siebenjährige Tochter in Wien von einem Teenager aus der Nachbarschaft ermordet worden. Seinen nächsten Freigang in Bozen nutzte der Mann zur Flucht, er kehrte am 22. Juni 2018 nicht mehr in das Gefängnis zurück. Der Anwalt des Häftlings geht davon aus, dass sich sein Mandant nach Tschetschenien abgesetzt habe, um das Grab seiner Tochter zu besuchen.<BR /><BR /><BR /><i>In Südtirol gibt es nur mehr das Gefängnis in der Dantestraße in Bozen. Das Bezirksgefängnis Brixen wurde am 31. Dezember 2017 geschlossen, das Bezirksgefängnis Meran am 30. Juni 2016, das Bezirksgefängnis Neumarkt im Jahr 2015 und das Bezirksgefängnis Schlanders am 31. Dezember 1988.</i><BR /><BR /><BR /> <a href="mailto:redaktion@stol.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Haben Sie einen Fehler entdeckt? Bitte geben Sie uns Bescheid.</a>