Viele Jahre hatte kein Mensch mehr einen Tiroler Baumschläfer zu Gesicht bekommen, 1902 erstmals wissenschaftlich als eigene Art im Gebiet zwischen Osttirol und Engadin beschrieben. Es ist das wohl seltenste Tier in Tirols Wäldern. <BR /><BR />Das war nicht immer so. Das an ein Eichhörnchen erinnernde, mausgroße<BR />26-Gramm-Leichtgewicht (entspricht 3 Ein-Euro-Münzen) wurde in den 1940er- und den 1960er-Jahren noch häufig angetroffen. Und zwar meist folgendermaßen, wie Wolfgang Schedl vom Institut für Zoologie der Universität festgestellt hat: „Von Holzfällern an aufgehängten<BR />Vorratstaschen entdeckt und dann gefangen. In Speisekammern von Gasthäusern und Almhütten, im Herbst in Bauernhäusern entdeckt. Auch in Jagdhütten und Bienenstöcken sowie einem Kirchturm angetroffen. Und – in einer Regentonne ertrunken aufgefunden.“<BR /><BR />Also Zufallsfunde. Und zwar vom Piburger See über die Sellrainer Fotsch, Kematen, Mutters und über das Zillertal bis zum Hintersteinersee. Spektakulär zudem Funde in und um Innsbruck. Etwa in der Sennstraße im Saggen, Tantegert und am Wiltenberg.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="916579_image" /></div> <BR /><BR />Und dann, ab ungefähr 1977, gab es plötzlich keine Sichtungen mehr.Was war mit dem Tiroler Baumschläfer in den letzten knapp 50 Jahren geschehen? <BR /><BR />Die Wissenschaftler Christine und Stefan Resch von Apodemus machten sich im Rahmen eines Interreg-Projekts im Tiroler Oberland, im Vinschgau und im Engadin auf die Suche und zwar in feuchtschattige Laubmischwälder, wo sich der scheue und nachtaktive Baumschläfer am wohlsten fühlt. Für die Jagd bewaffnete man sich mit Nistkästen und Wildtierkameras.<BR /><BR />Und man wurde fündig. „Wir haben uns natürlich sehr gefreut“, strahlt Christine Resch, als man etwa im Piburger Wald Treffer mit der Wildtierkamera landete. Und zwar an 3 Standorten. Ebenfalls fündig wurde man in Staflin im Vinschgau und in Santa Maria im Engadin. In Südtirol war der Baumschläfer sogar 88 Jahre verschwunden.<BR /><BR />Mittlerweile wurden in Tirol auch Sichtungen aus Gries im Sellrain, von der Oberbödenalm bei Ginzling und Längenfeld gemeldet. Nachdem<BR />das Projekt erfolgreich abgeschlossen wurde, wird derzeit an einem Folgeprojekt gearbeitet, „in welchem wir gemeinsam mit den Südtiroler<BR />und Schweizer Kollegen die Ursachen seiner Seltenheit erforschen“, so Christine Resch.<BR />