Freitag, 16. Oktober 2020

Die ungeliebten Königskinder

Delphine Boël (52) hat Geschichte geschrieben. Sie ist das erste uneheliche Kind eines Königs, das per Gerichtsurteil offiziell anerkannt wurde und sich Prinzessin nennen darf. Die Tochter des belgischen Altkönigs Albert II. (86) trägt auch seinen Nachnamen – von Sachsen-Coburg und Gotha (die „Dolomiten“ berichteten am 7. Oktober). Jetzt fordern weitere uneheliche Kinder von Royals ihr Recht.

Die Belgierin Delphine Boël hat Geschichte geschrieben.
Die Belgierin Delphine Boël hat Geschichte geschrieben. - Foto: © APA/afp / HANDOUT
Hat Spaniens Ex-König Juan Carlos 3 Töchter?

Beispielsweise Ingrid Sartiau (54). Sie behauptet, die jüngste Tochter von Spaniens Ex-König Juan Carlos (82) zu sein. Sartiau, wie Boël Belgierin, beruft sich auf eine Affäre, die Juan Carlos mit ihrer Mutter Liliane Sartiau gehabt haben soll, als diese für die mit dem spanischen König befreundete belgische Adelsfamilie Mérode arbeitete. Mehrere Jahre seien sich die Angestellte und der spätere König immer wieder begegnet und nahe gekommen, zuletzt 1965 an der Costa del Sol. Juan Carlos war zu dem Zeitpunkt bereits seit 3 Jahren mit Sophia von Griechenland (81) verheiratet; das Königspaar hatte die Töchter Elena (56) und Cristina (55).

Nach diesem letzten Treffen – so Ingrid – habe ihre Mutter die Schwangerschaft bemerkt. Sie sei nach Belgien zurückgekehrt und habe jahrzehntelang eisern über die Vaterschaft geschwiegen. Erst als Ingrid bereits erwachsen war, habe ihre Mutter die Wahrheit erzählt.

Bereits 2015 wollte Ingrid Sartiau einen DNA-Test beim Obersten Gerichtshof Spaniens durchsetzen. Doch die Richter schmetterten ihre Klage ab mit der Begründung, Juan Carlos genieße als König Immunität. Dabei war er zu diesem Zeitpunkt schon gar kein Regent mehr.

Dennoch brachte ein DNA-Test, den die Belgierin machte, Erstaunliches ans Licht. Demnach hat sie einen Bruder. Der Katalane Alberto Sola Jimenez (56) soll ebenfalls ein Sohn des ehemaligen spanischen Monarchen sein. Zunächst hieß es, Sartiau und Sola hätten mit 91-prozentiger Wahrscheinlichkeit einen gemeinsamen Elternteil. Ein zweiter, Monate später durchgeführter Test korrigierte den Wert auf 46 Prozent. Eine Verwandtschaft zwischen der Belgierin und dem Katalanen sei demnach eher unwahrscheinlich.

Sartiau hat den Fall ihrer Landsfrau Delphine Boël sehr genau verfolgt. Gegenüber der spanischen Internet-Tageszeitung „Okdiario“ sagt sie: „Ihr Erfolg ermutigt mich weiterzumachen. Es ist schade, dass man erst kämpfen muss, um Anerkennung zu bekommen.“ Ihre Mutter starb vor fast 2 Jahren.

Der heimliche Sohn von Charles und Camilla

Boëls Erfolg dürfte auch in Australien neue Hoffnungen geweckt haben. Denn dort lebt mittlerweile Simon Charles Dorante-Day (54). Der in England geborene Elektriker ist sich ganz sicher: Er ist der geheim gehaltene Sohn von Prinz Charles (71) und Herzogin Camilla (72). Camilla soll ihn 1966 auf die Welt gebracht haben. Da der Prinz und die Herzogin damals aber nicht offiziell zusammen waren, sollen sie ihren Sohn nach der Geburt heimlich an eine Familie übergeben haben, die dem Königshaus nahestand. So jedenfalls habe es ihm seine Großmutter erzählt.

2016 ging „Prinz Simon“ erstmals mit dieser Behauptung an die Öffentlichkeit, 2019 erzählte er dem australischen Fernsehen seine Geschichte. Simon forderte einen DNA-Test, um „die 40 Jahre alte Suche endlich zu beenden“.

Das britische Königshaus reagierte auf die Behauptungen mit „No comment“. Dass Charles und Camilla, die damals 17 bzw. 18 Jahre alt gewesen wären, die Geschichte kennen und öffentlich nicht bestreiten, ist hingegen Wasser auf die Mühlen von Dorante-Day.

Den DNA-Test verweigert das Königshaus, wie nicht anders zu erwarten war. Selbst wenn es mehr als nur unwahrscheinlich ist, dass diese Behauptung stimmt: Sollte Dorante-Day tatsächlich der Sohn des Thronfolgers sein, wäre er nach Charles theoretisch der Nächste, wenn es um die Nachfolge der Queen geht ...

Die britischen Royals sind übrigens geübt im Umgang mit angeblichen außerehelichen Kindern – unter anderem soll es Prinz Philip , 99, laut Autorin Kitty Kelley auf 24 gebracht haben, die als Patenkinder getarnt sind. Anfang der 2000er-Jahre hatte zudem Robert Brown (65) von der britischen Kanalinsel Jersey behauptet, er sei das uneheliche Kind von Prinzessin Margaret , Schwester von Königin Elizabeth II. (96). Als möglicher Vater kämen entweder der Fliegeroberst Peter Townsend oder der Autor Robin Douglas-Home infrage.

Margarets Schwangerschaft wurde angeblich mit Körperdoubles und unter weiten Kleidern versteckt. Zum Zeitpunkt seiner Geburt am 5. Jänner 1955 sei die Adlige dann plötzlich von der Bildfläche verschwunden. Das Baby sei nach der Geburt dann zu Cynthia und Douglas Brown gegeben worden.

Brown forderte vor Gericht, das Testament der Prinzessin einsehen zu dürfen. Er war sich sicher, dass sein Name in dem letzten Willen der Adligen auftauchte. 2014, nach 10 Jahren, gewann er den Prozess. Danach hat man nie wieder etwas von dem Buchhalter gehört.

Wie viele uneheliche Kinder hat Fürst Albert?

Anders als sein belgischer, spanischer und britischer Kollege hat sich Fürst Albert von Monaco (62) schon früh mit seinen unehelichen Kindern auseinandersetzen müssen. Bereits 1992 behauptete die Amerikanerin Tamara Rotolo (58), dass der Fürst der Vater ihrer Tochter Jazmin Grace (heute 27) sei. Nach einem langen Rechtsstreit und einem DNA-Test bestätigte der Royal das im Jahr 2006. Außerdem hat der Monegasse noch einen weiteren Sohn, Alexandre (16), mit der ehemaligen Flugbegleiterin Nicole Coste (48). 2005 bestätigte sein Anwalt auch dies.

Einen Anspruch auf den Titel Prinzessin oder Prinz sowie auf den Thron haben beide Kinder keinen; denn dies gilt im Fürstentum Monaco ausschließlich für Kinder, die in einer aufrechten katholischen Ehe gezeugt wurden. Und das sind nur die Zwillinge Jacques und Gabriella (5) aus der Ehe mit Charlène Wittstock (42).

Aktuell wird der Fürst aber schon wieder zu einer DNA-Probe gebeten. Die er natürlich verweigert. Eine aus Brasilien stammende Frau – die ihre Anonymität wahren will – behauptet, 2004 mit Albert zusammen gewesen zu sein. Angeblich habe sie mit ihm eine Tochter gezeugt, die am 4. Juli 2005 zur Welt gekommen sein soll. Nun hat sie den Anwalt Erich Grimaldi eingeschaltet, der vor Gericht in Mailand Klage eingereicht haben will. Ein Verhandlungstermin sei für Februar 2021 festgesetzt worden.

d

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