Die Überraschung gleich vorweg: Nicht alle Beuteltiere haben einen Beutel. Bei einigen Arten, wie dem Spitzmausopossum oder dem Ameisenbeutler, hat er sich vollständig zurückgebildet. <BR /><BR />Ein seltsamer Anblick auch bei dem Numbat, wenn die winzigen, nackten Jungtiere ungeschützt von den Zitzen herunterbaumeln. Aber auch bei den Tieren, die einen Beutel haben, ist er nicht immer gleich gebaut. Während er sich bei den Kängurus nach vorne hin öffnet, befindet sich die Öffnung beim Wombat oder beim Koala hinten. <BR /><BR />Beuteltiere machen mit ungefähr 200 Arten etwa 5 Prozent aller Säugetiere aus und sind heute typische Bewohner der Südhalbkugel. Kängurus, Koalas oder der Tasmanische Teufel kommen in Australien und Tasmanien vor, Opossums und Beutelratten in Amerika. Die Opossums sind dabei die progressivste Familie der Beuteltiere, ihr Verbreitungsgebiet zieht sich von Südamerika bis hinauf nach Kanada. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1135806_image" /></div> <h3> Keine Beuteltiere in Europa</h3>In Europa, Asien und Afrika dagegen gibt es heute keine Beuteltiere. Doch das war nicht immer so: Während der Kreidezeit und auch danach noch lebten auch in Europa frühe Beuteltiere, wie Fossilienfunde belegen. Als das erste Beuteltier um 1500 im neuzeitlichen Europa ankam, war es bereits tot. Das Opossum hatte die lange Überfahrt von Südamerika nach Spanien nicht überlebt. Und dennoch war es eine Sensation: Woher kamen die Jungtiere in dem Beutel?<BR /><BR />Diese Frage ist geklärt: In der eigentlichen Tragzeit reifen die befruchteten Eizellen im Uterus der Mutter zu Embryonen heran. Bei der Geburt sind die Beuteltierbabys noch unterentwickelt, nackt und blind, aber sie haben gut ausgebildete Vorderbeine. Damit winden sie sich aus eigener Kraft durch das Fell der Mutter in den Beutel und zur Zitze. Sobald das Junge daran saugt, schwillt diese im Mund an, und Lippen und Zunge des Jungtieres wachsen um die Brustwarze herum.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1135809_image" /></div> <BR /> Nur mit Gewalt könnte man das Jungtier nun abnehmen. Nach einigen Wochen löst sich diese Verbindung. Wie lange die Jungen im Beutel verbringen, hängt von ihrer Anzahl und Größe ab. Jedoch spätestens nach 8 Monaten ist auch im größten und dehnbarsten Beutel kein Platz mehr.<BR /><BR />Beuteltiere sind an Vielfalt kaum zu überbieten, nahezu in jeder ökologischen Nische sind sie anzutreffen. So leben beispielsweise 7 Känguru-Arten in den Wäldern von Neuguinea und Australien auch auf Bäumen. Gegenüber ihren am Boden lebenden Verwandten haben Baumkängurus kürzere Hinterbeine und lange, gebogene Krallen. Zusammen mit ihrem Schwanz als Balancierstab sind sie perfekt für das Klettern und Springen in luftigen Höhen ausgerüstet. <h3> Beuteltiere zu Land, zu Luft und zu Wasser</h3>Auch Koalas sind voll und ganz an ein Leben in den Bäumen angepasst. Nicht nur ihre Vorderpfoten sind zu Greifzangen umgestaltet, auch die Ernährung ist auf Eukalyptusblätter spezialisiert. <BR /><BR />Von den Bäumen aus haben einige wenige Beuteltiere sogar den Luftraum erobert, nämlich die Flugbeutler. Greater Gliders zum Beispiel können bis zu 100 Meter weit von Baum zu Baum gleiten. Möglich macht das eine Membran, die vom Handgelenk bis zum Fußknöchel reicht – eine Art „pelziger Wingsuit“, wie der „Sydney Morning Herald“ es umschrieb. Daher der Spitzname „fliegender Koala“. <BR /><BR />Auch das Wasser wurde von einer Gattung als Lebensraum entdeckt. Die in Bolivien lebenden Schwimmbeutelratten haben Teile ihres Körpers an das Leben im und am Wasser angepasst. Sie besitzen Schwimmhäute und können beim Tauchen sowohl die Ohren als auch den Beutel verschließen, sodass die Jungen nicht ertrinken.<BR /><BR /> An den Anblick eines australischen Beutelmulls hingegen muss man sich erst gewöhnen. Sein Körper ist walzenförmig, seine Augen haben sich zurückgebildet und sind von Muskulatur und Haut überzogen. Am vorderen Ende seines Kopfes befindet sich ein verhörntes Nasenschild. Ein optimaler Schutz beim Graben, denn der Beutelmull ist das australische Gegenstück unseres europäischen Maulwurfs.<BR /><BR />Auch Wombats sind unter der Erde anzutreffen. Sie graben sich meterlange, unterirdische Bauten, die ihnen Schutz vor ihren Fressfeinden wie etwa Dingos bieten. Dabei haben sie eine spezielle Methode entwickelt: Erwachsene Tiere blockieren den Eingang zur Wohnhöhle mit ihrem Hinterteil. Es ist nämlich durch eine dicke Haut, Knorpel und Knochen verstärkt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1135812_image" /></div> <BR />Der Kaninchennasenbeutler, von den Australiern Bilby genannt, ist so groß wie eine europäische Hausratte. Da er wie ein Hase in unterirdischen Bauten lebt, kamen Umweltschützer auf die Idee, einen Osterbilby anstelle eines Osterhasen gesellschaftlich zu verankern.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1135815_image" /></div> <BR /> Inzwischen stehen beide Schokoladenvarianten Seite an Seite in den Supermarktregalen. Dass Osterbilbys immer begehrter werden, liegt auch an der Unbeliebtheit der europäischen Wildkaninchen. Mitte des 18. Jahrhunderts zur Jagd eingeschleppt, sind sie in Australien zur Plage geworden.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1135818_image" /></div> <BR />Der Großteil der Beuteltiere sind aber Landtiere. Wie etwa das Quokka, das nur im äußersten Südwesten von Australien lebt. Quokkas zeigen andauernd ihr schönstes Lächeln. Das schaffen sie dank der Form ihres Mauls sogar im Schlaf. Klar, dass Einheimische und Touristen ständig ihre Smartphones zücken, um ein Selfie mit einem Quokka zu ergattern. Auf der Insel Rottnest Island stehen die Chancen für einen Schnappschuss mit einem der niedlichen Tierchen am besten: Bis zu 12.000 der Beuteltiere leben auf der Insel. <h3> Quokkas sind „Rabenmütter“</h3>Quokkas haben allerdings eine Eigenart, die nicht zum Bild eines niedlichen Tierchens passen will: Forscher haben nämlich bei einer Studie zur Überlebensrate und -strategie dieser Beuteltiere unter anderem herausgefunden, dass nur jedes zweite Baby so lange überlebt, dass es außerhalb des Beutels eine Chance hat.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1135821_image" /></div> <BR /> Woran das liegt? Auch daran, dass Quokka-Mütter bei Gefahr – also wenn sie sich von Füchsen oder Autos bedroht fühlen – ihren Nachwuchs aus dem Beutel werfen. Die Quokka-Kinder geben dann ein schnarrendes Geräusch von sich, das den potenziellen Feind von der Quokka-Mutter ablenkt. Diese verzieht sich schnell ins Unterholz. Zur Ehrenrettung: Für ein Beuteltier ist das kein ungewöhnliches Verhalten. <h3> Tasmanischer Teufel: Name ist Programm</h3>Auch vom „Temperament“ her sind Beuteltiere ganz unterschiedlich. Beim Tasmanischen Teufel beispielsweise ist der Name Programm: Wenn er sich aufregt, nehmen seine Ohren eine leuchtend rote Farbe an. Zudem kann das Tier fürchterlich brüllen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1135824_image" /></div> <BR />Gefährlicher als seine Ohren und sein Geschrei sind jedoch seine spitzen Fangzähne. Diese Art ist stark gefährdet – seit einigen Jahren breitet sich ein tödlicher Gesichtskrebs unter den Tieren aus, der zu einem drastischen Schrumpfen des Bestandes führte. An einem Impfstoff wird gearbeitet.<h3> Zwischen Artenschutz und Kochtopf</h3>Das größte Beuteltier ist das australische Rote Riesenkänguru, das Wappentier Australiens. Es wird 1,80 Meter groß und hat keine natürlichen Feinde. Die Hüpfer, die in der australischen Halbwüste leben, brechen alle Rekorde: 3 Meter hoch und 9 Meter weit kann ein Riesenkänguru springen. Dabei wird es bis zu 60 Stundenkilometer schnell. In der Regel sind die Tiere friedlich, wer Abstand hält, läuft keine Gefahr, angegriffen zu werden. Wer jedoch attackiert wird, sollte sich zu einer Kugel rollen, um die Organe zu schützen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1135827_image" /></div> <BR /><BR />Viele Beuteltiere stehen auf der Roten Liste. Allein in Australien sind in den vergangenen 200 Jahren 17 Beuteltierarten ausgestorben. Grund dafür sind unter anderem eingeschleppte Tierarten wie Katzen, Hunde und Füchse. Im pazifischen und südamerikanischen Raum hingegen stehen Beuteltiere wie das Baumkänguru noch immer auf dem Speiseplan der Menschen.