Freitag, 30. September 2016

Die Welt gehört in Kinderhände

Südtiroler Inklusionsgespräche heuer mit dem Thema der inklusivem Gemeinde

LR Achammer und Vertreter der Gemeindepolitik mit Referenten und Initiatoren der Südtiroler Inklusionsgespräche
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LR Achammer und Vertreter der Gemeindepolitik mit Referenten und Initiatoren der Südtiroler Inklusionsgespräche

Wie kann es gelingen, inklusives Gemeinwesen zu entwickeln? Diese Fragestellung beschäftigt die Initiativgruppe der Südtiroler Inklusionsgespräche, welche dazu Landesrat Philipp Achammer, Gemeindeverbandspräsident Andreas Schatzer,  Präsident des Sozialen Wohnbauinstitutes Heiner Schweigkofler,  Gemeindepolitiker und soziale Organisationen  zum Austausch  einlud.

Der Begriff der Inklusion kommt eigentlich  aus dem Bereich für  Menschen mit Behinderung, beinhaltet vor allem das  das Recht jedes Bürgers auf Teilhabe und ist vor allem in den Schulen Südtirols verankert. „Kinder geben uns eigentlich das beste Beispiel dafür, wie Inklusion gelingen kann“, sagte Landesrat Philipp Achammer. „Wir sprechen laufend von der Integration neuer Mitbürger, dabei müsste sich die Handlungseben längst Richtung Inklusion verschieben, auch wenn dies mit Blick auf den Veränderungsprozess von Vielen als Bedrohung empfunden wird“,  so Achammer.

In Deutschland wird immer stärker das Konzept der inklusiven Gemeinde praktiziert. „Ein Gemeinwesen auf Basis einer inklusiven Grundhaltung  zu entwickeln, stellt ein völlig neues sozialpolitisches Konzept dar, bei dem nicht nur die Forderung nach Teilhabe sondern auch das Prinzip der  Teilgabe im Mittelpunkt steht“ so Elfi Kirmaier, Direktorin des Bildungshauses Lichtenburg.

Welche Chancen es darstellt, Inklusion auf der Ebene einer ganzen Gemeinde zu leben und so Gemeinwesen zu entwickeln,  zeigten die Experten Paul Locherer, ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Amtzell und CDU Landtagsabgeordneter Bad Württemberg und Bernhard Hösch, zuständig für Projektmanagement und Organisationsentwicklung der Stiftung Liebenau,  anhand konkreter Beispiele.  „Wir haben zusammen mit den Bürgern - für die Bürger - vieles geschaffen: bezahlbare Wohnräume u. a. für  alleinerziehende Mütter, Schulzentrum und Altersheim nebeneinander erbaut, um die Kommunikation verschiedener Generationen zu fördern. Vor 20 Jahren haben wir zusammen mit der Stiftung Liebenau Lebensräume für Jung und Alt angesiedelt und die Abwanderung von Wirtschaftsbetrieben verhindert.  Wohnungen für Menschen mit Behinderung wurden eingerichtet, ihnen  Arbeitsplätze gegeben, ambulantes betreutes Wohnen ermöglicht und vieles mehr. Wir haben in der Gemeinde technische Barrieren aber auch soziale Barrieren abgebaut, viele kommunikative Plätze geschaffen und Abwanderung gestoppt“, so Paul Locherer und Bernhard Hösch.

 „Das Konzept hat sich bis heute bewährt“, erzählt der ehemalige Bürgermeister Locherer.  Die Politik muss die Rahmenbedingungen für eine inklusive Gemeinde schaffen. Es gibt immer mehr Herausforderungen, denen sich die Gemeinden stellen müssen. Eine zukünftige Herausforderung für die Gemeinden wird es sein,  Flüchtlinge gut in die Gemeinschaft des Dorfes aufzunehmen. In einem Punkt waren sich alle Beteiligten einig, die Rahmenbedingungen müssen von der Politik vorgegeben sein, damit Inklusion  in der Gemeinde gut umgesetzt werden können. Hierzu brauchen die Gemeinden auf ihrem Weg Prozessbegleiter. 

Die Gruppe der Südtiroler Inklusionsgespräche setzt sich aus folgenden Organisationen zusammen:  Arbeitskreis Eltern Behinderter,  Autòs - Menschen mit Autismus,  People first,  Lebenshilfe,  Caritas,  Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt,  Bildungshaus Lichtenburg.

Bei den Südtiroler Inklusionsgesprächen 2016 am 4. November in der Lichtenburg in Nals werden Gemeindevertreter aus Mitterteich (D) ihr erfolgreiches und bereits vollständig umgesetztes Konzept der inklusiven Gemeinde vorstellen. Beginn ist um 16 Uhr, der Eintritt ist frei. 

Lichtenburg, Nals

stol