Freitag, 11. November 2016

„Die Welt ist nach Rom gekommen“: Vatikan mit Jubiläumsjahr zufrieden

Der Vatikan zieht eine erste, positive Bilanz des „Jubiläumsjahres der Barmherzigkeit“, das am 8. Dezember 2015 mit der Eröffnung der Heiligen Pforte im Petersdom durch Papst Franziskus begonnen hatte und kommende Woche – am 20. November – zu Ende geht. 20,41 Millionen Menschen pilgerten anlässlich des Jubiläumsjahres in die Ewige Stadt, wie der Vatikan mitteilte.

Der Vatikan ist zufrieden mit den Teilnehmerzahlen des Jubiläumsjahres der Barmherzigkeit.
Der Vatikan ist zufrieden mit den Teilnehmerzahlen des Jubiläumsjahres der Barmherzigkeit. - Foto: © LaPresse

„Die Welt ist nach Rom gekommen“, kommentierte der für die Organisation des Pilgerjahres zuständige Kurienerzbischof Rino Fisichella. An den zahlreichen Audienzen und Veranstaltungen in der Ewigen Stadt hätten erstmals auch viele Menschen aus Ländern ohne christliche Mehrheit wie Japan, Südkorea, Pakistan, Thailand und Indonesien teilgenommen.

„Die Präsenz nichtchristlicher Personen, die sich allein schon vom Thema der Barmherzigkeit angesprochen fühlen, war in diesem Jahr beeindruckend hoch“, berichtete Fisichella. Ursprünglich hatte der Vatikan mit 30 Millionen Pilgern gerechnet. Medienberichte, die das Heilige Jahr als Flop bezeichneten, nannte Fisichella unbegründet.

Heilige Pforten auf der ganzen Welt

Der Papst wollte, dass das Jubiläumsjahr weltweit und nicht nur in Rom gefeiert werde. Deshalb durften alle Kathedralen der Welt ihre eigenen heiligen Türen öffnen. Die starke internationale Berufung des Jubiläumsjahres hatte der Papst bereits am 29. November 2015 mit der Eröffnung der heiligen Pforte der Kathedrale von Bangui, Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, einem der ärmsten Länder der Welt, bezeugt.

„Wenn man bedenkt, dass es weltweit 5.000 Diözesen gibt, kann man sagen, dass bis zu einer Milliarde Christen die heiligen Pforten durchschritten haben“, sagte Fisichella im Gespräch mit Journalisten in Rom.
Abgesehen von den Statistiken sei die Bilanz des Jubiläumsjahres auch aus spiritueller Sicht besonders positiv. „Mit dem Jubiläumsjahr hat der Papst den von Theologen vollkommen vergessenen Begriff der Barmherzigkeit, das Herzstück des Evangeliums, in den Vordergrund gerückt. Erstmals steht die Barmherzigkeit wieder im Mittelpunkt des kirchlichen Lebens“, so Fisichella, der Präsident des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung ist.

Jubiläumsjahr alle 25 Jahre - seit 1475

Das „Jubiläum der Barmherzigkeit“, ein Außerordentliches Heiliges Jahr, sei das erste mit einem konkreten Thema gewesen. Damit habe der Papst die Menschen zur Umkehr und Hinwendung zu Gott aufrufen und ihren Blick auf Bedürftige und Notleidende lenken wollen. Franziskus selber habe in diesem Jahr öfters Seniorenheime, Einrichtungen für Behinderte, Flüchtlinge und Kinder besucht sowie seine Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse von Obdachlosen und Gefängnisinsassen gezeigt.

Im Jubiläumsjahr, das die katholische Kirche seit 1475 alle 25 Jahre feiert, können Gläubige durch Gebet und Buße einen Ablass ihrer Sünden erlangen. Während eines Heiligen Jahres gewährt der Papst den Gläubigen unter bestimmten Bedingungen einen vollständigen Erlass ihrer Sünden. Zum vorherigen Heiligen Jahr mit Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 waren mehr als 30 Millionen Pilger nach Rom gekommen.

apa

stol