Breitmaulnashörner, arktische Robben und Korallen gehören dem WWF zufolge zu den Verlierern. Auch vielen Vögeln ging es weltweit schlechter. Mit dem Rückgang des Phytoplanktons sei außerdem das „grüne Herz der Meere“ bedroht, heißt es in dem WWF-Bericht. <BR /><BR />Die Hauptursachen für Artensterben seien zerstörte Lebensräume, Wilderei, Übernutzung, invasive Arten, Umweltverschmutzung sowie die Klimakrise, sagte Kathrin Samson, Vorständin Naturschutz beim WWF Deutschland. „Das bedeutet aber auch, dass der Mensch den Schlüssel zur Lösung dieser Krise in den Händen hält.“ Gute Entwicklungen gab es hingegen bei Antilopen, Luchsen, Koalas und Schildkröten. <h3> Die Gewinner</h3><b>Grüne Meeresschildkröte:</b> Die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) wurde 2025 auf der Roten Liste von „stark gefährdet“ auf „nicht gefährdet“ herabgestuft – ein Sprung um drei Kategorien. Seit den 1970er-Jahren ist der Bestand um rund 28 Prozent gestiegen. Verantwortlich sind Programme für Niststrände, Gemeindeprojekte gegen die Entnahme von Schildkröten und Eiern, der Einsatz von Schildkrötenschutzgittern, sog. Turtle Excluder Devices, in Fischereinetzen sowie die Eindämmung des internationalen Handels. Trotz dieser Fortschritte bleibt die Gesamtpopulation deutlich kleiner als vor der Zeit intensiver Ausbeutung, und die Mehrheit der Meeresschildkrötenarten gilt weiterhin als bedroht.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1261152_image" /></div> <BR /><b>Haie und Rochen:</b> Bei der Artenschutzkonferenz (CITES COP) in Usbekistan wurden erstmals internationale Handelsverbote für zahlreiche Hai- und Rochenarten beschlossen. Ein besonderer Durchbruch ist das internationale Handelsverbot für Manta- und Teufelsrochen, Walhaie, Weißspitzen-Hochseehaie und 18 Arten von Geigenrochen. Strengere Maßnahmen wurden auch für den Handel mit Tiefsee-, Hunds- und Glatthaien beschlossen. Doch der Schutz auf dem Papier ist nur der Anfang. Jetzt müssen die einzelnen Staaten eine lückenlose Umsetzung und strenge Kontrollen für Handel und Fischerei sicherstellen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1261155_image" /></div> <BR /><b>Koalas:</b> Mit der Einrichtung des Great Koala National Park wurde in Australien 2025 ein entscheidender Schritt zum Schutz der Koalas gesetzt. Rund 176.000 Hektar Staatsforste werden mit bestehenden Nationalparks verknüpft und bilden ein großflächiges Schutzgebiet im Bundesstaat New South Wales. Dort ist der Koalabestand zwischen 2000 und 2020 durch Abholzung, Dürren, Krankheiten und Buschbrände um mehr als die Hälfte eingebrochen. Der WWF sieht in dem neuen Nationalpark die Chance, diese Entwicklung langfristig umzukehren.<BR /><BR /><b>Schneeleoparden:</b> In Nepal wurde 2025 erstmals eine nationale Bestandsaufnahme der Schneeleoparden abgeschlossen. Demnach leben knapp 400 Tiere verstreut in den Bergen des Himalaya-Staates. Die Erhebung liefert wichtige Daten zu Verbreitung, Bestand und Lebensräumen der bedrohten Großkatze. Für den WWF ist das die Grundlage für wirksame Schutzstrategien und ein Signal an andere Verbreitungsländer wie China, ihre Bestände ebenfalls systematisch zu erfassen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1261158_image" /></div> <BR /><b>Wisente:</b> In den rumänischen Karpaten wurden 2025 erneut Wisente, europäische Bisons, in freier Wildbahn geboren – ein Symbol für erfolgreiche Wiederansiedelungsprogramme nach ihrer Ausrottung. Die Rückkehr der Wisente ist jedoch mehr als nur die Rettung einer Art. Sie ist auch ein Symbol für die Erneuerung ganzer Ökosysteme. Wisente sind die größten Landsäugetiere und werden oft als „Architekten des Waldes“ bezeichnet. Während sie grasen, die Vegetation niedertrampeln und den Boden düngen, helfen sie Grasland und Wäldern, sich zu regenerieren. So profitieren unzählige Pflanzen- und Tierarten von ihrer Rückkehr.<BR /><BR /><b>Flussdelfine:</b> In Peru gibt es erste Hinweise auf eine leichte Erholung der seltenen Flussdelfine, unter anderem durch lokale Schutzprogramme und Projekte in der Fischerei. Durch kleine Schallgeräte, sog. „Pinger“, die an Fischernetzen befestigt werden und akustische Signale aussenden, gingen die Netzschäden um 40 Prozent zurück und kein Tier verfing sich mehr.<BR /><BR /><b>Seeadler:</b> Dank strenger Schutzgesetze und Artenschutzmaßnahmen ist Österreichs Wappentier hierzulande wieder im Aufwind. Mittlerweile ist die Seeadler-Population auf rund 90 Paare angewachsen – ein toller Erfolg!<BR /><BR /><b>Störe:</b> Kleine, aber umso erfreulichere Artenschutz-Erfolge gibt es in Österreich bei der weltweit am stärksten gefährdeten Tiergruppe: den Stören. In den March-Auen und entlang der Mur wurden heuer wieder erfolgreich Sterlet-Jungfische ausgesetzt – ein wichtiger Baustein, um die Art in ihren ursprünglichen Lebensraum zurückzubringen. Der Sensationsfund eines Glattdick-Störs an der kroatischen Drau sorgte darüber hinaus für Hoffnung auf das Überleben einer bereits ausgestorben geglaubten Störart. <h3> Die Verlierer</h3><b>Arktische Robben:</b> Gleich drei arktische Robbenarten wurden 2025 auf der Roten Liste hochgestuft. Die Klappmütze (Cystophora cristata) gilt nun als „stark gefährdet“, nachdem ihr Bestand stark gesunken ist. Auch Bartrobbe (Erignathus barbatus) und Sattelrobbe (Pagophilus groenlandicus) wurden neu als „gering gefährdet“ eingestuft, vorher galten sie als „nicht gefährdet“. Die erneute Bewertung der Walrosse (Odobenus rosmarus) bestätigt ihren Status als „gefährdet“ und den enormen Druck auf die Art. Hauptursache ist der Verlust von Meereis durch die Erderhitzung: Ohne stabile Eisflächen fehlen Rückzugsorte zur Jungenaufzucht, Nahrungssuche und Erholung. Gleichzeitig nimmt der Druck durch Schifffahrt, Unterwasserlärm, Rohstoffabbau, Jagd und Fischerei zu.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1261161_image" /></div> <BR /><b>Vögel:</b> Die Aktualisierung der Roten Liste 2025 zeigt bei Vögeln eine alarmierende Entwicklung: 61 Prozent aller Vogelarten weltweit nehmen in ihrem Bestand ab – deutlich mehr als bei der letzten umfassenden Bewertung im Jahr 2016, als es 44 Prozent waren. Betroffen sind auch Arten wie das Braunkehlchen und das Rebhuhn. Hauptursachen sind die Zerstörung und Zerschneidung von Lebensräumen durch die Ausweitung und Intensivierung der Landwirtschaft, Flächenversiegelung und Abholzung. Damit gehen auch wichtige Funktionen verloren, denn Vögel sind unverzichtbar als Bestäuber, Samenverbreiter, natürliche Schädlingsbekämpfer und Aasfresser.<BR /><BR /><BR /><b>Korallen:</b> Die Korallenriffe zählen auch 2025 zu den großen Verlierern. Nach massiven Korallenbleichen in der Karibik 2023 und einer der stärksten je dokumentierten Bleichen am Great Barrier Reef 2024 nahm die vierte globale Massenbleiche an der Westküste Australiens heuer beispiellose Ausmaße an. Eine im Herbst 2025 veröffentlichte Studie zu Kipppunkten zeigt, dass der kritische Schwellenwert für Warmwasser-Korallen bei etwa 1,2 Grad Erderhitzung gegenüber vorindustrieller Zeit liegt – ein Wert, der bereits erreicht oder überschritten ist. Damit droht der dauerhafte Verlust vieler Riffe. Mit ihnen gingen nicht nur einzigartige Lebensräume verloren, sondern auch die Lebensgrundlage für Millionen Menschen, die von Fischerei und Tourismus abhängig sind.<BR /><BR /><BR /><b>Nashörner:</b> Die Lage der afrikanischen Nashörner bleibt kritisch. Laut aktuellen Zahlen der IUCN wurden 2025 in Afrika rund 22.540 Tiere gezählt, davon 6.788 Spitzmaulnashörner (Diceros bicornis), die als „vom Aussterben bedroht“ gelten, und 15.752 Breitmaulnashörner (Ceratotherium simum), eingestuft als „potenziell gefährdet“. Während die Bestände des Spitzmaulnashorns um rund fünf Prozent zugenommen haben, sind die der Breitmaulnashörner im gleichen Zeitraum um elf Prozent zurückgegangen. Zwar war die Wilderei-Quote 2024 relativ niedrig, doch in den ersten Monaten 2025 wurden wieder deutlich mehr Nashörner gewildert – etwa im Tschad und in Südafrika.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1261164_image" /></div> <BR /><b>Weitere:</b> Zu den Verlierern in Österreich zählt der WWF auch den Wolf, dessen Schutzstatus in Europa politisch abgeschwächt worden ist. In Österreich wurde im Vorjahr angeblich jeder fünfte nachgewiesene Wolf getötet. Auch der Moorfrosch, dessen bedeutendste österreichische Vorkommen an der March sowie im Gebiet des Neusiedler Sees bzw. im Seewinkel liegen, gilt als deutlicher Verlierer. In den letzten Jahren sind die Bestände aufgrund der zunehmenden Austrocknung der Landschaft stark zurückgegangen. Der WWF sieht daher dringenden Handlungsbedarf für die Revitalisierung von Feuchtgebieten. <BR /><BR /> Quelle: WWF Österreich