Sonntag, 01. November 2015

Dieser Mailänder soll Rom kurzfristig aus der Misere führen

Nach dem Bürgermeister-Rücktritt sucht Rom Ausweg aus politischem Chaos. Ein Mailänder soll es zumindest übergangsweise schaffen, Rom zu regieren. Die Parteien interessiert das wenig. Sie rüsten sich nach der Auflösung des Stadtparlaments und dem Abgang des Bürgermeisters Ignazio Marino bereits für Neuwahlen im Frühjahr.

Paolo Tronca ist bis zu den Neuwahlen Herr über Rom.
Paolo Tronca ist bis zu den Neuwahlen Herr über Rom. - Foto: © LaPresse

Die politischen Gruppierungen suchen schon nach geeigneten Kandidaten, die das Amt Marinos übernehmen könnten.

Die ausländerfeindliche Lega Nord, die immer mehr in Richtung Süden expandieren will, möchte einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken. Lega-Chef Matteo Salvini signalisierte Bereitschaft, die Chefin der Rechtspartei „Fratelli d 'Italia“ (Brüder Italiens), Giorgia Meloni, zu unterstützen. Die gebürtige Römerin hatte bereits das Amt der Jugendministerin in der Regierung von Silvio Berlusconi bekleidet.

Auch die oppositionelle Fünf Sterne-Bewegung stürzt sich schon in den Wahlkampf. Die populistische Partei des Starkomikers Beppe Grillo könnte laut Umfragen zur stärksten Einzelpartei avancieren, sollte es in der sogenannten Ewigen Stadt zu Neuwahlen kommen.

Berlusconi, Chef der oppositionellen Forza Italia, erklärte sich bereit, den römischen Baulöwen Alfio Marchini zu unterstützen. Marchini war bereits 2013 ins Rennen um den Bürgermeisterposten gegangen, musste aber gegen Marino eine Niederlage einstecken.

Kommissär muss Beginn des Heiligen Jahres koordinieren

Seit Sonntag ist der bisherige Mailänder Präfekt Francesco Paolo Tronca als neuer Sonderverwalter der Stadt im Einsatz. Er soll die italienische Hauptstadt bis zu den für das Frühjahr angesetzten Neuwahlen führen. 

Tronca, der sich während der am Samstag zu Ende gegangenen Expo in Mailand für seine Kompetenz und für seinen Einsatz für Transparenz und Legalität bei der Weltausstellung profiliert hat, steht keine einfache Arbeit bevor. Er muss unter anderem einen reibungslosen Ablauf des am 8. Dezember beginnenden außerordentlichen Heiligen Jahres garantieren.

„Tronca bringt Mailänder Effizienz ins römische Chaos“, lauteten etwa italienische Pressestimmen vom Sonntag. Nach den politischen Turbulenzen um Marinos Abgang brauche die Stadt eine kompetente und durchsetzungsstarke Figur, die die Gemeinde in die Hand nehmen könne, analysierten Beobachter.

Kommissär: Mit Teamgeist Roms Probleme lösen

„In Mailand wird stark auf Teamarbeit gesetzt, um die Ziele zu erreichen. Rom ist eine ganz andere Stadt. Ich werde jedoch weiterhin mit Teamgeist versuchen, die Probleme der Stadt zu bewältigen“, sagte Tronca. Er werde sich vor allem um die Bekämpfung der Verwahrlosung der italienischen Hauptstadt kümmern müssen.

Wegen Missständen in punkto öffentliche Verkehrsmittel und Sauberkeit auf den Straßen war Bürgermeister Marino etwa scharf kritisiert worden. Zum Verhängnis wurde ihm jedoch ein Skandal zu mit einer Kreditkarte, die auf die Gemeinde läuft, bezahlte Restaurantbesuche.

Am 8. Dezember beginnt das Jubiläumsjahr, bis dahin gilt es, noch zahlreiche Vorbereitungen zu treffen. Rom rechnet mit einem Ansturm von 33 Millionen Pilgern. Für dieses Großereignis muss die Stadt die Infrastruktur verbessern und für mehr Sauberkeit sorgen. Auf dem Spiel steht das internationale Ansehen der Metropole. Auch der Vatikan hatte sich zuletzt besorgt gezeigt, dass Rom nicht für das Jubiläumsjahr ausgerüstet sei.

Ex-Bürgermeister: Renzi ist der Schuldige

Marinos Abgang hinterlässt tiefe Wunden in der römischen Politik. Der Politiker der Demokratischen Partei (PD) von Premier Matteo Renzi reagierte erbost auf seine Absetzung. „Wer mich erdolcht hat, hat 26 Namen und Vornamen, aber nur einen Auftraggeber“, sagte der Transplantationschirurg in Anspielung auf Renzi.

dpa

stol