Dienstag, 20. März 2018

„Don't smoke“ – Appell von MedUni Wien

Das Vorhaben der schwarz-blauen Regierung, das vom Nationalrat 2015 beschlossene Gastro-Rauchverbot (geplant ab 1. Mai 2018) zu kippen, führte am Montag zu einem Appell von MedUni-Wien-Experten. „Aus öffentlicher Verantwortung“ müsse man auf den Nichtraucherschutz in Österreich drängen, sagte Rektor Markus Müller. Experten stellten dar, welch desaströse Effekte das Rauchen auf die Gesundheit hat.

 Experten der Med Uni Wien stellten dar, welch desaströse Effekte das Rauchen auf die Gesundheit hat.
Experten der Med Uni Wien stellten dar, welch desaströse Effekte das Rauchen auf die Gesundheit hat. - Foto: © shutterstock

„Wir sehen immer wieder, dass das Rauchen sehr stark mit dem akuten Koronarsyndrom (instabile Angina pectoris, Herzinfarkt) assoziiert ist. Gestern sind am AKH 8 Herzinfarktpatienten behandelt worden. Alle haben geraucht“, sagte Christian Hengstenberg, Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin II von AKH und MedUni Wien. Genauso sei das Rauchen wesentlicher Risikofaktor für Schlaganfälle, Atherosklerose von Schlagadern und Gefäßen der Beine. Alter, genetisch bedingt erhöhte Blutfettwerte oder Bluthochdruck seien nicht oder nur teilweise beeinflussbar, der Tabakkonsum aber sehr wohl.

Hengstenberg schilderte die Konsequenzen von strikten Tabakkonsum-Beschränkungen international: „Eine Begrenzung des Rauchens im öffentlichen Raum führt dazu, dass Nichtraucher geschützt werden und Raucher weniger rauchen.“

MedUni Wien-Rektor Markus Müller unterstrich die für die Gesundheit, Krankheit und Medizin generelle Bedeutung des Tabakkonsums: „Wir geben 11 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Gesundheit aus. Aber was das Ergebnis betrifft, sind wir nicht an der Spitze. Insbesondere Frauen rauchen zu einem sehr hohen Anteil.“ Es gebe de facto kein medizinisches Fachgebiet, das nicht mit den Raucherschäden beschäftigt sei – neben Kardiologie und Lungenheilkunde auf jeden Fall auch Urologie (Blasenkarzinom), HNO (Karzinome im Hals-Nasen-Ohren-Bereich), in der Zahnmedizin und auch in der Gynäkologie (Frühgeburten).

Der Leiter der Klinischen Abteilung für Pulmologie von MedUni Wien und AKH, Marco Idzko, sagte: „Wir wissen, dass die dritthäufigste Todesursache weltweit die COPD (chronisch entzündliche Lungenerkrankung; Anm.) ist. 90 Prozent der Patienten in Europa haben die Erkrankung durch das Rauchen.“ Der Tabakrauch lähme die Flimmerhärchen in den Bronchien, welche Schadstoffe abtransportieren sollen. „Beim Raucher und beim Passivraucher kommt es zu einer Ansammlung schädlicher Substanzen in der Lunge, zu chronischer Entzündung und zur Zerstörung von Lungengewebe.“ Es sei „skandalös“, wenn man es im Gegensatz zu vielen Ländern der Welt in Österreich nicht schaffe, den Nichtraucherschutz umzusetzen.

Der Wiener Umweltmediziner Manfred Neuberger wies darauf hin, dass vor kurzem erstmals in Österreich bei einer Kellnerin eine COPD-Erkrankung als Berufserkrankung anerkannt worden sei. Das sollte ein Signal für andere Geschädigte bis hin zu Lungenkrebspatienten sein, sich zu melden. Umgekehrt hätten die internationalen Erfahrungen gezeigt, dass es durch Rauchverbote zur Abnahme der Frühgeburten um 10 Prozent, der Aufnahme von Kindern wegen Asthmas in Spitäler um 10 bis 18 Prozent und zur Reduktion von stationären Aufnahmen wegen Lungenentzündungen um 14 bis 18 Prozent gekommen sei.

apa

stol