Mittwoch, 17. April 2019

Ein „Auto“-Rennen ohne Motor

Kein Motorengeheul und und keine Abgase, dafür eine Brigade an bunten Seifenkisten und ein spannendes Rennen erwartet Seifenkisten-Liebhaber im Mai in Eppan.

Seifenksitenrennen Pfadfinder Eppan
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Seifenksitenrennen Pfadfinder Eppan

Eine gelbe Ente auf Rädern, ein Formel-1-Auto aus Holz und ein kleiner nachgebauter Fiat 500 flitzten bei den vergangenen Ausgaben des beliebten Seifenkistenrennens an den Zuschauern vorbei. Doch Schnelligkeit reicht bei diesem besonderen Rennen nicht aus, auch Geschicklichkeit und eine schnelle Reaktionsfähigkeit beim Fahren sind gefragt. Schon bald dürfen die Piloten ihre Kisten wieder aus der Garage holen, denn am 19. Mai findet das nächste Seifenkistenrennen statt. 

Die Seifenpackung aus Amerika. Die Bezeichnung für die Seifenkiste stammt ursprünglich aus Amerika. Simon Lemayr, einer der Organisatoren des Seifenkistenrennens, erklärt: „Das Wort ‚Seifenkiste‘ wurde in den 1930er Jahren von einem Zeitungsfotografen eingeführt. Er beobachtete Jugendliche dabei, wie sie kleine Fahrzeuge bauten um damit Rennen zu fahren.“

Als Grundgerüst verwendeten sie Kisten aus Holz, in denen ursprünglich Seife transportiert worden war. Kurz darauf wurde die Seifenkiste in den verschiedenen Zeitungen als „soap box“ berühmt. Seit 1935 findet jährlich eine Seifenkisten-Weltmeisterschaft im Bundesstaat Ohio, im Westen der USA, statt. Auch in vielen Ländern Europas gibt es mittlerweile Seifenkistenrennen. In Eppan findet im Mai bereits die sechste Ausgabe der Seifenkistenlandesmeisterschaft statt. Sie wird alle drei Jahre von den Eppaner Pfadfindern organisiert.

Kein Motor

Das Besondere an diesem Rennen ist, dass die Fahrzeuge ganz ohne Motor auskommen müssen: „Die Seifenkisten erlangen die Geschwindigkeit ausschließlich durch das Gefälle der Strecke“, so Simon Lemayr, „denn ein Motor oder sonstiger zusätzlicher Antrieb ist verboten“. Auch die weiteren Standards, die jedes Kleinfahrzeug erfüllen muss, sind ziemlich strikt. Die Seifenkisten dürfen höchstens zweieinhalb Meter lang und 170 Kilogramm schwer sein. Vor dem Rennen muss sich jedes Fahrzeug einer technischen Inspektion unterziehen. Am Renntag dürfen dann mit jeder Seifenkiste drei Fahrer an den Start gehen.

Doch nicht nur das Fahren mit einer Seifenkiste ist eine Herausforderung, sondern vor allem das Bauen. Monatelang wird geplant, gesägt, geschraubt und lackiert, bis die Seifenkiste den eigenen Vorstellungen entspricht. Vor einigen Jahren hat auch Moritz Giuliani, einer der Organisatoren, eine alte Seifenkiste bekommen. Gemeinsam mit einigen Freunden hat er sich ans Aufbereiten der Kiste gemacht.

„Das Schwierigste am ganzen Projekt war es für uns, die Bremsen einzustellen – so einfach das auch klingen mag“, sagt Moritz Giuliani. „Obwohl wir nicht den ganzen Bau der Kiste geplant haben, war es ein monatelanges Projekt – aber am Ende war es das Tüfteln wert“, meint er. Beim letzten Rennen hat er sich die Seifenkiste mit zwei Freunden geteilt. „Nach jedem Durchgang haben wir gezittert, ob schon noch alle Teile an der Seifenkiste dran sind“, lacht er.

63 Kilometer pro Stunde

Geradeaus die Strecke hinunterzudonnern und hinter der Ziellinie zu bremsen reicht beim Seifenkistenrennen nicht aus. Die Rennstrecke liegt in der Fraktion Eppan „Berg“. Sie beginnt unterhalb des Gasthauses „Steinegger“ und endet oberhalb des Gasthauses „Turmbach“. Sie führt zwischen Weinbergen und Apfelwiesen hindurch und besteht aus zahlreichen Kurven und herausfordernden Stellen. Und damit ist nicht genug: „Um das Rennen spannender zu gestalten, werden entlang der Strecke zahlreiche Hindernisse aufgestellt, wie etwa Kegel, um die die Fahrer herumfahren müssen oder eine Ampel, an der die Kisten bremsen müssen“, so Simon Lemayr vom Organisationsteam. Wer einen Kegel umfährt, oder es an der Ampel nicht rechtzeitig schafft zu bremsen, erhält zwischen drei und vierzig Strafsekunden.

Obwohl die Fahrer immer wieder langsamer fahren müssen, um die Hindernisse erfolgreich zu überstehen, erreichen sie in manchen Streckenteilen eine sehr hohe Geschwindigkeit. Beim letzten Rennen wurde die Höchstgeschwindigkeit von rund 63 Kilometern pro Stunde gemessen. Damit am Renntag alles klappt, beginnen die Pfadfinder mit dem Aufbau bereits zwei Tage vor dem Rennen. Am Renntag versorgen dann die Kinder- und Jugendgruppen des Vereins die Zuschauer an den Essensständen entlang der Strecke.

Kreativität wird belohnt

Zu den absoluten Publikumslieblingen zählten bisher die berühmte gelbe Ente, ein grüner VW Bulli und eine Hochzeits-Seifenkiste, bei der nicht nur der Fahrer in der Kiste saß, sondern auch noch eine Braut aus Pappmaschee mitfahren durfte. Doch auch die windschnittigen „Speeddown“-Kisten, die in einer eigenen Kategorie antreten, sind sehr beeindruckend. Beim Bauen der Kiste seiner Kreativität freien Lauf zu lassen zahlt sich aus: Das Publikum darf am Renntag die schönste Kiste wählen und sie wird prämiert.

Nun heißt es für so manchen Seifenkistenliebhaber, die eigene Kiste auf Vordermann zu bringen und ihr den letzten Feinschliff zu verpassen, um für die große Landesmeisterschaft bereit zu sein.

6. Eppaner Seifenkistenlandesmeisterschaft

Datum: 19.05.2019 – bei Regenwetter: 26.05.2019

Start: 10 Uhr Gasthaus Steinegger Eppan Berg

Parkplatz: Tetterparkplatz (keine Parkmöglichkeiten entlang der Strecke)

Shuttledienst: kostenlos

Infos: seifenkistenrennen.pfadi-eppan.com

Pfadkinder Eppan, Eppan

stol