<b>Von Doris Ebner</b><BR /><BR />Eines ist klar: Verstört oder enttäuscht zurückzubleiben, ist definitiv nicht der Effekt, den man sich von Gold erwartet. Und doch: Schweigen ist nicht gleich schweigen. Sich zurückzuhalten oder zumindest nicht verbal zu äußern, kann Unterschiedlichstes bedeuten. Es kann Zustimmung ebenso wie Unsicherheit ausdrücken oder Respekt zeigen. <BR /><BR /> Gleichzeitig kann ein Schweigen Trost spenden, weil Worte in einem bestimmten Kontext überflüssig erscheinen, oder Distanz schaffen, Ablehnung vermitteln und vielleicht sogar bewusst als eine Art Strafe eingesetzt werden. Das Problem: Im entscheidenden Moment fehlt Klarheit – eine Tatsache, die für unser System eine große Herausforderung darstellt. <BR /><BR />Unser Gehirn kann mit Ungewissheit und offenen Fragen nur schlecht umgehen. Immer dann, wenn ein Bild vor unserem inneren Auge nicht komplettiert werden kann, sucht es nach Erklärungen und stellt Vermutungen an. <BR /><BR />Einmal mehr wird die aktuelle Situation mit früheren Erfahrungen abgeglichen, abgespeicherte persönliche Wahrheiten über Kommunikation und zwischenmenschliche Beziehungen werden zu Rate gezogen und auch das eigene Selbstbild sowie das aktuelle Befinden spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Einordnung des gerade Erlebten. <BR /><BR />Das Ergebnis aber ist selten eine stimmige und passende Antwort, sondern viel eher ein Missverständnis, das manchmal nur noch schwer wieder ausgeräumt werden kann. <h3> Verstehen statt urteilen</h3>Wie bei verbalen Äußerungen gilt auch hier: Das, was der Sender einer Botschaft – und ja, auch keine Stellungnahme ist definitiv eine Botschaft – vermitteln will, und das, was ein Empfänger versteht, sind in manchen Fällen zwei völlig unterschiedliche Dinge. Ein Mensch schweigt – und schon wird ihm mangelnde Höflichkeit und Desinteresse unterstellt.<BR /><BR /> Dabei will er vielleicht einfach nur niemanden verletzen oder braucht einen Moment, um seine Gedanken zu sortieren. Würde er sofort und frei heraus das sagen, was ihm als Erstes in den Sinn kommt, machte es zwar den Anschein einer angebrachteren Reaktion, mehr Nähe erzeugen würde es aber höchstwahrscheinlich nicht. <BR /><BR />Schon alleine deshalb lohnt es sich, ein Schweigen nicht sofort zu verurteilen, sondern es nach Möglichkeit aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Es kann nützlich sein, zu hinterfragen, anstatt vorschnell zu interpretieren – oder Zweifel und Unsicherheiten offen anzusprechen.<BR /><BR /> Manchmal ist Stille nämlich weit aufschlussreicher, als man es vermuten würde, und ein Moment des Schweigens kann den Beginn eines Gespräches markieren, von dem wir niemals geglaubt hätten, dass wir es einmal führen werden. <h3> Zur Person</h3><div class="img-embed"><embed id="1172901_image" /></div> <BR />Doris Ebner ist diplomierte Neuromentaltrainerin. Im Rahmen ihrer Ausbildung hat sie ihre Faszination für die Gehirnforschung und die Kraft der Gedanken entdeckt und erfahren, welche Möglichkeiten darin verborgen liegen. Ihre besondere Begeisterung gilt dem Bereich der Persönlichkeitsentwicklung, weshalb sie mit Leidenschaft ihr Wissen an andere Menschen weitergibt und sie auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben unterstützt. Zudem hat Doris Ebner Germanistik und Musik studiert und arbeitet als Redakteurin.