Samstag, 05. August 2017

Ein Jahr nach Olympia: Militärs stürmen Favelas in Rio

Genau ein Jahr nach den Olympischen Spiele hat das brasilianische Militär im Kampf gegen die ausufernde Kriminalität in Rio de Janeiro am Samstag eine Großoperation in Favelas gestartet.

Genau ein Jahr nach den Olympischen Spiele hat das brasilianische Militär im Kampf gegen die ausufernde Kriminalität in Rio de Janeiro am Samstag eine Großoperation in Favelas gestartet.
Genau ein Jahr nach den Olympischen Spiele hat das brasilianische Militär im Kampf gegen die ausufernde Kriminalität in Rio de Janeiro am Samstag eine Großoperation in Favelas gestartet. - Foto: © APA/AFP

Schwer bewaffnete Einheiten in Panzerwagen waren zu sehen, nach Angaben des Portals „O Globo“ beteiligten sich 3500 Soldaten an den Einsätzen in sechs Armenvierteln im Norden und Westen der Stadt.

Mindestens ein Mensch wurde getötet, es kam zu mehreren Festnahmen. Im Rahmen der Operation Onerat gehe es um die Vollstreckung von rund 40 Haftbefehlen wegen Raub und Drogenhandel.

Am 5. August 2016 waren die Olympischen Spiele eröffnet worden, schon damals wurde Rio von einer Finanzkrise erschüttert. Sparzwänge führten zu Einsparungen bei der Polizei und auch bei Sozialmaßnahmen zur Befriedung der Favelas.

Brasiliens Präsident Michel Temer ordnete vor einer Woche die Entsendung von rund 8500 Soldaten an. Immer wieder sind nun auch an der Copacabana bewaffnete Soldaten im Einsatz, Militärhubschrauber überfliegen die Strände. Zu den Soldaten kommen noch 1500 Polizisten und Nationalgardisten: Insgesamt stehen damit rund 10.000 zusätzliche Sicherheitskräfte für den Bundesstaat Rio de Janeiro zur Verfügung. Die Verstärkung wird mindestens bis Ende des Jahres eingesetzt.

Banden wie das Comando Vermelho, das „rote Kommando“, eroberten vielerorts die Macht zurück. Zuletzt teilte die Regierung mit, dass auch Waffen der kolumbianischen Farc-Guerilla in Rio aufgetaucht seien.

Von Januar bis Juni wurden im Bundesstaat Rio de Janeiro 2723 Menschen gewaltsam getötet; das sind 10,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitrum. Wegen der zunehmend unsicheren Lage sind auch die Tourismuszahlen eingebrochen, die Auslastung der Hotels lag zuletzt laut der Tourismusbehörde bei unter 50 Prozent.

dpa

stol