Die Kirche segnet Autos, Feuerwehrhallen, Parkhäuser und Hunde. Aber warum verwehrt sie Liebespaaren den Segen, wenn sie homosexuell sind oder eine Scheidung hinter sich haben? <BR /><BR />Diese Frage tut auch Tobias Simonini, Liturgiereferent der Diözese, nicht als „Stammtischparole“ ab. Ja, es sei aus Sicht der Seelsorge „schmerzhaft“, dass Paare, die oft über Jahre Freude und Leid teilen und die Liebe leben, beim Segen leer ausgehen“, sagt Simonini. Dann stellt er sofort klar: Das sei seine persönliche Meinung. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1315665_image" /></div> <BR /><BR />Sobald Simonini ins Amt wechselt, ist die Frage geklärt. Auch die Diözese Bozen-Brixen hält sich ohne Wenn und Aber an die vatikanische Erklärung „Fiducia supplicans“ (deutsch: „Das flehende Vertrauen“) vom Dezember 2023.<h3> Nur ein „spontaner“ Segen ist erlaubt</h3>Das Dokument erlaubt Geistlichen nur eines: Paare in „irregulären“ Situationen dürfen nur spontan gesegnet werden. Mit Betonung auf „spontan“: Eine vorbereitete Segnung, womöglich mit festem Ablauf, mit Texten aus einem offiziellen liturgischen Buch? Das geht gar nicht. Daher sind auch Handreichungen für solche Segensfeiern – wie in München – nicht vorgesehen. „Der Segen gilt den einzelnen Personen, aber nicht der Beziehung“, fasst der Liturgiereferent der Diözese die Kernaussage des Dokuments zusammen. Auf diesem klar markierten Weg der Weltkirche sei auch die Diözese Bozen-Brixen unterwegs, bestätigt Simonini. Daher gebe es aktuell weder von der Diözesanleitung noch vom Liturgiereferat Entscheidungen oder gar Projekte in Richtung <BR />Segensfeiern. Zudem gebe es kaum An- und Nachfragen zu diesem Bereich. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1315668_image" /></div> <BR /><BR />Etwas anders sieht das Renate Rottensteiner. Sie begleitet als diözesane Referentin für Familien- und Erwachsenenpastoral auch die Arbeitsgruppe „queer.glauben“, die beim Amt für Ehe und Familie angesiedelt ist. Die Gruppe widmet sich jenen Menschen, die nicht in das klassische Bild von „Mann liebt Frau“, „Frau liebt Mann“ oder „jeder ist entweder ganz Mann oder ganz Frau“ passen.<BR /><BR />Natürlich gebe es queere Menschen, „die sich als glaubende Menschen nach einem Ritual sehnen, das die Nähe Gottes sichtbar macht. Auch Priester und Diakone fragen öfters nach, wie sie auf die Bitte nach dem Segen reagieren können“, sagt Rottensteiner. <BR /><BR />Trotzdem sei der Kampf um den offiziellen Segen im Moment kein vorrangiges Ziel der Arbeitsgruppe. „Uns geht es viel mehr um das, was die Weltsynode das „Prinzip der Pastoralität“ nennt. Damit sei gemeint, dass Glaubensvermittlung immer das Gegenüber, dessen Würde und Lebenssituation berücksichtigen muss. Prinzipien sollen nicht starr, sondern heilend und menschennah angewendet werden. „In diese Richtung versuchen wir Initiativen zu setzen“, sagt Rottensteiner.<h3> Ein Randthema, das nur wenige beschäftigt?</h3>Eine dieser Initiativen war ein „Gebet für das Ende der Queer-Feindlichkeit“, zu dem die Gruppe am vergangenen Samstag in das Jugendzentrum Josef Mayr-Nusser in Bozen eingeladen hatte. Für großen Andrang sorgte auch diese Aktion nicht, und wieder entsteht der Eindruck, dass das Thema – wie jetzt in Deutschland – medial ganz heiß aufgekocht wird, aber dann doch viele kalt lässt.<BR /><BR />Dem widerspricht Renate Rottensteiner entschieden. „Das Thema der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität beschäftigt viele Menschen, aber nur sehr wenige erwarten sich da überhaupt etwas von der Kirche“, erklärt die diözesane Referentin: „Unterschätzen wir nicht, dass es genügend Menschen gibt, die sich kirchlich beheimatet fühlen, die sich mit diesen Fragen auseinandersetzen oder die queer leben und sich in der Kirche beheimatet fühlen möchten. Welche Sensibilität und welche Angebote finden queere Menschen in unserer Kirche und in den Pfarreien?“