Grau in Grau hüllt sich das Land hinter seinem Regenvorhang. Hie und da blitzt das Gold der Blätter. Doch die Tristesse der Zeit mit ihren Kriegen und Erschütterungen drückt mir aufs Gemüt, und das trübe Wetter tut sein Übriges, um meine negative Stimmung zu verstärken.<BR /><BR /> „Komm, du brauchst eine Brise Südtirol“, sagt er so unwiderstehlich, dass ich meinen Terminberg beiseite schaufle und losfahre. Vor sich selbst davonzulaufen halte ich zwar nicht für das beste Mittel der Wahl, aber manchmal ist die Flucht nach vorne gleichermaßen belebend wie inspirierend. <BR /><BR />Und wie wunderbar ist es, durch Bozen zu bummeln, und sich treiben zu lassen, vorbei an den Marktständen am Obstplatz, wo Safrangelb mit Granatapfelrot um die Wette leuchtet, und die letzten Eierschwammerln der Saison wie Küken in den Körben hocken. <BR /><BR />Viele Menschen lächeln mich im Vorbeigehen an und diese grandiose Tasche mit ihrer architektonischen Bauhaus-Silhouette in der Vitrine unter den Lauben schreit geradezu danach, die Leichtigkeit, die ich empfinde, in die Tasche zu stecken und mitzunehmen – als tragbares Gegenmittel für dunklere Tage. Anderen und auch sich selbst manchmal ein Geschenk zu machen, egal, ob es materiell oder immateriell ist, halte ich für eine wichtige Kraftquelle, um die eine oder andere heiße Kastanie sprichwörtlich aus dem Feuer zu holen, die uns das Leben beschert. <BR /><BR />Andere heiße Kastanien sind mir dagegen auf der Zunge zergangen wie der Begriff, der ein vollmundiges Lebensgefühl trägt – Törggelen, Essen, Trinken, Beisammensein – DAS fällt für mich unter die Rubrik: Identitätsstiftende Geselligkeit mit regionaler Ausprägung. In Dreikirchen habe ich dann meine erste „Fünfte Jahreszeit“ erlebt, nachdem ich auf den Berg geschnauft und mit dem Staunen eines Kindes vor der Schönheit der Natur gestanden bin. <BR /><BR />Und während ich diese Zeilen schreibe, und die Welt erneut im Grau versinkt, weht eine Brise Südtirol durch meinen Geist und erhellt den regenverhangenen Tag. <BR />