Während eine Grenze nämlich Orientierung schafft, sorgt eine Mauer dafür, dass aus Schutz Distanz wird. <BR /><BR /><b>Von Doris Ebner</b><BR /><BR />Das Ganze beginnt meist vollkommen harmlos. Ein ehrlich gemeintes Nein, ein einfacher Satz wie „Ich möchte das nicht!“ Keine Hintergedanken, keine böse Absicht. Wir sprechen lediglich aus, was uns stört und wie weit wir gehen möchten. Was dies auslöst, ist jedoch in den seltensten Fällen abzusehen. Manchmal wird die gesetzte Grenze ohne größeren Widerspruch respektiert. <BR /><BR />Schließlich hat auch unser Gegenüber seine roten Linien und möchte, dass mit diesen ebenso verfahren wird. Gleich gut kann es jedoch auch sein, dass wir mit unserer Äußerung auf taube Ohren stoßen. Deshalb wiederholen wir sie zwei-, drei-, vielleicht fünfmal, bevor sich in unserem Verhalten etwas verändert. Die Zeichen stehen fortan auf Rückzug. <BR /><BR />Häufig ist genau das der Moment, in dem eine Grenze zur Mauer wird – keineswegs über Nacht, aber doch nach und nach. Aus einem „Damit bin ich nicht einverstanden“ wird ein „Darüber diskutiere ich nicht mehr!“ Also werden Gespräche vermieden, der Kontakt wird eingeschränkt und Enttäuschungen bleiben unausgesprochen. <BR /><BR />Die Distanz zwischen zwei Menschen wird immer größer, bis sich ein Hindernis aufgebäumt hat, dessen Ursprünge kaum noch jemand kennt. Am wenigsten die Betroffenen selbst. Deshalb wird relativ bald ein Schlussstrich unter die Situation und damit auch unter die Beziehung gezogen. Was sein muss, muss schließlich sein. <h3> Zurück in die Realität</h3>Besonders am Anfang lässt es sich mit dieser Mauer meist erstaunlich gut leben. Durch den Abstand scheint das Unangenehme, das uns zuvor den letzten Nerv geraubt hat, plötzlich aus der Welt geschafft zu sein, und ein Gefühl von Erleichterung macht sich breit. Plötzlich werden verloren geglaubte Kapazitäten wieder frei und der Alltag scheint einen ungeahnten Aufschwung zu bekommen, sodass wir die negativen Seiten, die die Mauer mit sich bringt, gar nicht wahrnehmen. <BR /><BR />Denn während wir glauben, lediglich zu unserem Besten zu handeln, führt die totale Abwehrhaltung dazu, dass wir uns auch vor der Realität immer weiter verschließen. Wir betrachten bestimmte Geschehnisse und Zusammenhänge nicht mehr mit einem neutralen Auge, sondern aus ebendiesem Widerstand heraus, sodass Chancen im Keim erstickt werden und eine Veränderung unmöglich wird. <BR /><BR />Wo Mauern entstanden sind, kann es daher von Zeit zu Zeit sinnvoll sein, einmal etwas genauer hinzusehen und das immer höher und breiter werdende Bauwerk auf seine Funktionalität zu überprüfen. Erfüllt es noch seine ursprüngliche Schutzfunktion oder ist es bereits zu einer Barrikade geworden, die die Außenwelt auf Distanz hält? <BR /><BR />Dies bedeutet nicht, dass jede Beziehung gerettet und jede Tür wieder geöffnet werden muss. Manche Kapitel sind geschlossen und dürfen es auch bleiben. Trotz allem sollten Mauern jedoch nicht verhindern, wofür Grenzen eigentlich gemacht sind: uns Sicherheit zu geben, während wir die Welt auf der anderen Seite noch immer als das wahrnehmen können, was sie ist.<BR /><h3> Zur Person</h3><div class="img-embed"><embed id="1172901_image" /></div> <BR />Doris Ebner ist diplomierte Neuromentaltrainerin. Im Rahmen ihrer Ausbildung hat sie ihre Faszination für die Gehirnforschung und die Kraft der Gedanken entdeckt und erfahren, welche Möglichkeiten darin verborgen liegen. Ihre besondere Begeisterung gilt dem Bereich der Persönlichkeitsentwicklung, weshalb sie mit Leidenschaft ihr Wissen an andere Menschen weitergibt und sie auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben unterstützt. Zudem hat Doris Ebner Germanistik und Musik studiert und arbeitet als Redakteurin.