In den späteren Lebensjahren tauchen auch die großen Fragen des Lebens auf – vor allem wenn Menschen einsam, krank oder pflegebedürftig sind. Hier setzt das innovative Projekt in den Niederlanden an. <BR /><BR />Die „Kaserer-Zwillinge“ aus Afing bei Jenesien sind in Südtirol noch einigen in Erinnerung. Jedenfalls war es ein beachtliches Ereignis, als die Brüder im Jahr 1980 für die Gemeinschaft der Missionare von Mill Hill (Josefsmissionäre) zu Priestern geweiht wurden. Beide hatten dann ihren Missionseinsatz im damaligen Zaire (heute Republik Kongo), beide heirateten und wurden des Priesteramts enthoben. Konrad Kaserer war bis zu seinem Tod im Jahr 2013 in den USA als angesehener Psychotherapeut tätig, er behandelte unter anderem Missbrauchtäter im kirchlichen Bereich. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1069695_image" /></div> <BR /><BR /> „Ich bin verheiratet, aber nach wie vor Priester“, betont Luis Kaserer. Er lernte bei seinem Missionseinsatz in Afrika die junge niederländische Krankenschwester Brigitte kennen, sie war und ist bis heute die Liebe seines Lebens. Das Paar macht kein Versteckspiel aus Beziehung, sondern heiratet „mit allem Drum und Dran“, wie Kaserer erzählt. Inzwischen haben Luis und Brigitte zwei erwachsene Kinder. <h3> Nach der Pensionierung was Neues</h3>Die Heirat bedeutet freilich, dass der junge Priester sein Amt los ist – er ist suspendiert. Also muss er sich einen Beruf und ein Einkommen suchen. Er bleibt in gewissem Sinne „bei seinem Leisten“ und studiert 4 Jahre Pastoraltheologie an der Universität Nijmegen. Mit dem Studienabschluss darf er den Dienst als Krankenhausseelsorger in Gouda antreten. Auch deshalb, weil ein verständnisvoller Bischof „nicht auf die Papiere schaut, sondern auf die Fähigkeiten eines Menschen“, wie Kaserer dankbar anmerkt. <BR /><BR />Auf die Zeit im Krankenhaus folgen 26 Jahre in der Altenfürsorge in verschiedenen Pflegeheimen in Den Haag. Im Jahr 2020 geht der Südtiroler in Pension – aber keineswegs in den Ruhestand. Im Gegenteil: Er betritt noch einmal Neuland und gründet dafür die Seelsorgepraxis „ <a href="https://www.curanimae.nl/over-ons/" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Curanimae</a>“. Von dort aus besucht und betreut der Südtiroler ältere Menschen zu Hause – und wird dafür vom staatlichen Gesundheitsdienst bezahlt.<BR /><BR />„Nicht nur in Krankenhäusern und Pflegeheimen können Menschen professionelle Seelsorge empfangen, sondern auch zu Hause“, sagt Kaserer. Vor allem Kranke, aber auch Menschen in Einsamkeit oder Sinnkrisen können diese Hilfe beanspruchen – und der Bedarf ist groß. <h3> Ein landesweites Netz</h3>„Existenzielle und ethische Fragen, Spiritualität und religiöse Fragen werden in der öffentlichen Gesundheitssorge in den Niederlanden jetzt gleich ernst genommen wie die körperlichen, psychischen und sozialen Aspekte und Fragen“, lobt der professionelle Seelsorger diesen Ansatz. Noch sei Pionier- und Aufbauarbeit zu leisten, aber das landesweite Netz mit ca. 450 Kolleginnen und Kollegen „mit verschiedenen religiösen Hintergründen“ erfahre viel Rückenwind. <BR /><BR />Die Seelsorger arbeiten intensiv mit allen anderen Fachkräften zusammen, die sich um Menschen in solchen Lebenssituationen kümmern, vor allem mit den Medizinern und Pflegekräften; diesen bieten sie auch Kurse und Schulungen auf dem Gebiet der Sinn- und Lebensfragen an. <BR /><BR />Sie wollen mehr über Luis Kaserer erfahren? Im Podcast „Martins Sonn(der)tag“ erzählt, wie er seine große Liebe fand, warum er nach wie vor Priester ist und auch Sakramente spendet und welche Erfahrungen er in der Seelsorgearbeit macht. <a href="https://www.stol.it/artikel/preview/preview-dtext86-66376113/fef766a6f92f2abc58d7fffc9d1424f3" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier geht es zum Podcast!</a>