Mit ihrem achten Treffen in elf Monaten haben Regierungschef Matteo Renzi und sein Vorgänger Silvio Berlusconi am Donnerstag die Weichen für die Verabschiedung einer Wahlrechtsreform noch bis Ende dieses Jahres gesetzt.Renzi rennt gegen die Zeit. Sein Ziel ist es, bis Ende dieses Jahres das neue Wahlgesetz im Senat und im kommenden Februar in der Abgeordnetenkammer durchzubringen.Renzi will Geheimabstimmungen über die Wahlrechtsreform vermeiden."Jeder Parlamentarier soll die Verantwortung für dieses Wahlgesetz übernehmen. Wir werden sehen, wer den Mut hat, eine Reform scheitern zu lassen, auf die Staatspräsident Giorgio Napolitano seit Monaten pocht", erklärte Renzi.Der Regierungschef zeigt sich zuversichtlich, dass Berlusconi den Pakt berücksichtigen und den Zeitplan für die Umsetzung der Wahlrechtsreform einhalten werde."Sieger-Prämie" für 40-Prozent-Schwelle Eckpfeiler des Abkommens zwischen Renzi und Berlusconi ist, dass eine Partei dank einer "Sieger-Prämie" mit mehr als 40 Prozent der Stimmen die Mehrheit im Parlament erhält. Sollte keine Partei die 40-Prozent-Schwelle überschreiten, würde es eine Stichwahl zwischen den beiden größten Parteien geben.Zudem sollen strengere Hürden errichtet werden, um die Zahl kleiner Parteien im Parlament zu reduzieren. Während Renzi eine Drei-Prozent-Hürde vorschwebt, sähe Berlusconi diese gerne bei fünf Prozent, hieß es in Rom. Das würde mehr Splitterbewegungen zwingen, sich hinter seiner Partei Forza Italia zu sammeln.Das Abkommen Renzi-Berlusconi ist ein weiterer Schritt nach dem im Jänner abgeschlossenen "Nazareno-Pakt", benannt nach der Adresse der Zentrale von Renzis Demokratischer Partei (PD) in Rom. Damals hatten die beiden Politiker die Weichen für die Wahlrechtsreform gestellt, die jedoch bisher wegen Divergenzen über einige Aspekte wie Sperrklausel, Mehrheitsprämie und Größe der Wahlkreise nicht umgesetzt werden konnte.Renzi kann ohne Berlusconis FI sein ambitioniertes Reformprogramm nicht durchs Parlament bringen. Nicht ausgeschlossen wird in Rom, dass der Premier vorgezogene Parlamentswahlen nach der Verabschiedung des neuen Wahlsystems ausschreiben könnte. Renzi erhoffe sich mit Neuwahlen eine stärkere Mehrheit im Parlament, heißt es in Rom.mit