Montag, 05. Februar 2018

Erdogan-Besuch im Vatikan: Papst verschenkt Friedensengel

Papst Franziskus hat dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan eine Medaille mit einem Friedensengel geschenkt. „Das ist ein Friedensengel, der den Dämon des Krieges besiegt. Er ist Symbol einer Welt, die auf Frieden und Gerechtigkeit basiert“, erklärte Franziskus dazu, wie beobachtende Journalisten laut Kathpress nach der privaten Begegnung am Montagvormittag berichteten.

Erdogan bedankte sich bei Papst Franziskus für den freundlichen Empfang.
Erdogan bedankte sich bei Papst Franziskus für den freundlichen Empfang. - Foto: © APA/AFP

Das Vier-Augen-Gespräch dauerte mit etwa 50 Minuten gut eine halbe Stunde länger als üblich. Erdogan war kurz vor 9.30 Uhr im Vatikan angekommen. Der Konvoi bestand aus etwa 30 Autos und Minivans sowie einer großen türkischen Motorradeskorte.

Über Inhalte wurde zunächst nichts bekannt. Erdogan hatte zuvor erklärt, dass er die Jerusalem-Frage, die Terrorismusbekämpfung und die Syrien-Frage besprechen wolle. Der Heilige Stuhl sieht die türkische Militäraktion gegen kurdische Einheiten im syrischen Afrin mit Sorge; der Papstbotschafter in Syrien, Kardinal Mario Zenari, forderte immer wieder auch im Blick auf Ankara ein Ende der Gewalt.

Es war der erste Empfang für einen türkischen Präsidenten oder Regierungschef im Vatikan seit 59 Jahren und seit der Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen zwischen Heiligem Stuhl und der Türkei im Jahr 1960. 1959 wurde der damalige türkische Staatspräsident Celal Bayar von Papst Johannes XXIII. – der von 1934 bis 1943 apostolischer Gesandter in der Türkei war – im Vatikan empfangen.

Papstbesuch wurde von Protesten begleitet

Erdogan hatte Franziskus bei dessen Türkei-Besuch 2014 in Ankara empfangen. Am Montag wurde er von seiner Frau Emine in den Vatikan begleitet, die ein hochgeschlossenes schwarzes Kostüm, einen schwarzen Mantel und ein weißes Kopftuch trug.

Erdogan dankte Franziskus zu Beginn der Begegnung für dessen Interesse. Die Atmosphäre des Treffens beschrieben die beobachtenden Journalisten als höflich und froh gestimmt. Beobachter gehen davon aus, dass Franziskus das Thema Menschenrechte angesprochen haben dürfte sowie den Schutz der christlichen Minderheit in der Türkei nebst Problemen bei der Anerkennung kirchlichen Eigentums.

Der Staatsbesuch in Rom und im Vatikan wurde von Protesten begleitet. In einer Kirche in Turin hatten Aktivisten am Sonntag die türkische Operation „Olivenzweig“ („Zeytin Dali“) im Nordwesten Syriens gegen syrische Kurden kritisiert. Erdogan missbrauche den Olivenzweig, das christliche Symbol für den Frieden, um eine Kriegsaktion zu verdecken, sagten die Demonstranten.

Menschenrechtler und Journalisten demonstrierten zudem gegen die massiv eingeschränkte Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei und die Inhaftierung von etwa 150 bis 170 Journalisten. Auch der deutsche Reporter Deniz Yücel ist dort immer noch in Haft.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen im gesamten Bereich 

Kurden in Italien hatten zudem Demonstrationen im Bereich der Engelsburg, unweit des Vatikan, angekündigt. Rom hatte für den Bereich zwischen Petersplatz und Quirinalspalast ein 24-stündiges Demonstrationsverbot verhängt. Im gesamten Gebiet galten zudem erhöhte Sicherheitsvorkehrungen.

Nach dem privaten Gespräch mit Franziskus wollte Erdogan sich mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin treffen; zudem war eine Besichtigung des Petersdoms vorgesehen. Im Anschluss standen Treffen mit Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella sowie Ministerpräsident Paolo Gentiloni an.

Erdogan mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. - Foto: apa/afp

Auch  Fratelli d'Italia kritisierten Besuch 

Der Chef der rechtspopulistischen Partei Lega, Matteo Salvini, kritisierte Mattarella und Gentilon. „Ich schäme mich, dass Italien den Vertreter eines extremistischen und gewalttätigen Regimes empfängt, eines de facto islamischen Landes, wo die Religion den Staat beherrscht. Der EU-Beitritt der Türkei wäre ein Desaster“, betonte Salvini im Interview mit dem TV-Sender „La 7“ am Montag.

Erdogans Besuch wurde auch von der mit der Lega verbündeten rechtsextremen Partei Fratelli d'Italia – FdI kritisiert. „Wir sind gegen den EU-Beitritt der Türkei und gegen die Islamisierung Europas. Diese Botschaft wollen wir Erdogan vermitteln“, schrieb FdI-Chefin Giorgia Meloni auf Facebook.

apa

stol