Freitag, 05. Januar 2018

Erdogan lobt vor Macron-Besuch Partnerschaft mit Frankreich

Vor seinem Besuch bei seinem Amtskollegen Emmanuel Macron in Paris hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die „starke Partnerschaft” mit Frankreich gelobt. „Frankreich ist ein Land, dessen Ansichten und Haltungen zu regionalen und globalen Herausforderungen größtenteils mit unseren übereinstimmen”, sagte Erdogan am Freitag vor seinem Abflug in Istanbul.

Erdogan ist zu Besuch bei Macron Foto: APA (AFP)
Erdogan ist zu Besuch bei Macron Foto: APA (AFP)

Erdogan wird zu einem Gespräch und einem Mittagessen im Elyseepalast erwartet. Anschließend ist eine gemeinsame Pressekonferenz mit Macron angekündigt.

Macron will dabei nach eigener Aussage auch die Lage von in der Türkei inhaftierten Journalisten ansprechen. Nach Angaben aus Paris soll es zudem um den Bürgerkrieg in Syrien und den Nahostkonflikt gehen. Erdogan nannte eine ganze Reihe von Themen, die er mit Macron bereden wolle, darunter die Beziehungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union.

Erdogan bemüht sich seit Kurzem wieder um eine Annäherung an die EU. Kürzlich sagte er am Rande einer Afrikareise Medienberichten zufolge: „Wir wollen natürlich, dass unsere Beziehungen zur EU, zu den Ländern der EU, gut sind.” Er hatte auch betont: „Wir müssen die Zahl unserer Feinde verringern und die Zahl unserer Freunde erhöhen.” Die Regierung in Ankara liegt mit mehreren Ländern im Streit, darunter zunehmend auch mit den USA. Nach Angaben Erdogans leben in Frankreich 700.000 Menschen mit türkischen Wurzeln.

Erdogans Besuch in Frankreich sorgte im Vorfeld auch für erhebliche Kritik: Amnesty International und Reporter ohne Grenzen riefen Macron auf, Erdogan zur Freilassung inhaftierter Oppositioneller, Menschenrechtler und Journalisten zu drängen. Die französischen Kommunisten nannten Erdogan einen „Diktator” und seinen Besuch eine „Provokation”.

Amnesty International erklärte, Macron müsse dem türkischen Staatschef deutlich machen, „dass die Verteidiger der Menschenrechte keine Terroristen sind”. Im vergangenen Jahr waren mehrere Aktivisten in der Türkei verhaftet worden, darunter auch der Amnesty-Vorsitzende Taner Kilic, der sich weiter vor Gericht verantworten muss.

Reporter ohne Grenzen protestierte vor der türkischen Botschaft in Paris. Die Organisation sprach von einer „Spirale der Repression” in der Türkei und forderte die Freilassung Dutzender inhaftierter Reporter. Darunter ist auch „Welt”-Korrespondent Deniz Yücel. Die Kommunistische Partei Frankreichs erklärte, Erdogans Empfang im Elysee-Palast sei „empörend”. Der türkische Staatschef gehe erbarmungslos gegen die kurdische Minderheit vor und habe „Chaos” im Land gestiftet.

apa/dpa

stol