Montag, 01. August 2016

Ermordeter Priester: Christen und Muslime trauern gemeinsam

Fünf Tage nach der Ermordung eines katholischen Priesters durch zwei Islamisten in Frankreich haben knapp 2.000 Christen und Muslime an der Gedenkfeier in der Kathedrale von Rouen teilgenommen.

Sie gedachten gemeinsam des ermordeten katholischen Priesters in einer Kirche in Mailand: Muslime und Christen.
Sie gedachten gemeinsam des ermordeten katholischen Priesters in einer Kirche in Mailand: Muslime und Christen. - Foto: © LaPresse

Rund hundert Muslime folgten am Sonntag dem Aufruf des Französischen Rats der Muslime (CFCM), aus „Solidarität und Mitgefühl“ zu dem Trauergottesdienst für den 85-jährigen Jacques Hamel zu kommen.

„Wir begrüßen heute Morgen besonders unsere muslimischen Freunde“, sagte der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, der den Gottesdienst in der voll besetzten Kathedrale leitete. Er danke ihnen „im Namen aller Christen“. Mit ihrer Teilnahme bekräftigten die Muslime, dass sie Gewalt im Namen Gottes ablehnten, sagte der Erzbischof.

Am Eingang der Kathedrale sicherten Soldaten und Polizisten die Ankunft der Gottesdienstteilnehmer, doch gab es keine Personenkontrollen. Bereits am Samstag hatte es Gedenkfeiern für Hamel gegeben. In einer Kirche von Saint-Etienne-de-Rouvray, wo der Mord geschehen war, nahmen Christen und Muslime an einer Trauerfeier teil. Auch in Bordeaux versammelten sich 400 Menschen in einer Kirche.

"Wir sind alle Brüder und Schwestern"

In Lyon beteiligten sich Hunderte Menschen an einem „Marsch der Brüderlichkeit“. Auf Spruchbändern war zu lesen: „Das ist kein Krieg der Religionen“ oder „Wir sind alle Brüder und Schwestern“. Politiker hatten nach dem Mord in der Kirche die verschiedenen Religionsgemeinden aufgerufen, sich nicht von der Gewalttat spalten zu lassen, da dies nur den Mördern in die Hände spielen würde.

Der 85-jährige Hamel war am Dienstag während der Morgenmesse von zwei 19-jährigen Islamisten ermordet worden. Die beiden jungen Männer Adel Kermiche und Abdel Malik Petitjean hatten die Kirche gestürmt, Hamel die Kehle durchgeschnitten und einen 86-jährigen Gottesdienstbesucher schwer verletzt. Sie nahmen drei Frauen als Geiseln. Die beiden Täter wurden später aber beim Verlassen der Kirche von der Polizei erschossen.

Auch in Italien fanden sich Christen und Muslime zusammen, um für den getöteten Priester zu trauern. Imame beteiligten sich in Mailand, Rom, Neapel, Turin und Triest und anderen Städten an Sonntagsmessen. Katholische Gemeinschaften hatten an die Kirchen appelliert, alle Muslime „brüderlich“ zu den Messen zu empfangen.

apa/afp/dpa

stol