Mittwoch, 28. Februar 2018

Erneut fünfstündige Feuerpause in Ost-Ghouta

Im belagerten syrischen Rebellengebiet Ost-Ghouta hat den zweiten Tag in Folge eine fünfstündige Feuerpause begonnen. Sie soll Hilfskonvois für notleidende Menschen ermöglichen. Zivilisten sollen zudem die Möglichkeit bekommen, das umkämpfte Gebiet zu verlassen. Die Türkei wiederum will trotz US-Kritik die Offensive gegen die Kurden-Miliz YPG in Afrin fortsetzen.

Die erste Waffenruhe in Ost-Ghouta war brüchig Foto: APA (AFP)
Die erste Waffenruhe in Ost-Ghouta war brüchig Foto: APA (AFP)

Kurz vor Beginn der Feuerpause meldeten Aktivisten am Mittwoch heftige Kämpfe zwischen Armee und Rebellen. Die Regierung habe Ost-Ghouta zudem aus der Luft und mit Artillerie angegriffen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Die von Russland verkündete Feuerpause soll täglich zwischen 9.00 und 14.00 Uhr (Ortszeit; 8.00 bis 13.00 Uhr MEZ) gelten. Die erste fünfstündige Waffenruhe war am Dienstag brüchig gewesen. Während der Feuerpause wurde den Aktivisten zufolge mindestens ein Kind als Folge von Angriffen der Armee getötet. Regierung und Rebellen warfen sich gegenseitig Verstöße gegen die Feuerpause vor.

Zivilisten verließen Ost-Ghouta am ersten Tag nicht. Auch Hilfslieferungen kamen nicht in das Gebiet. Dort sind rund 400.000 Menschen fast vollständig von der Außenwelt abgeschlossen. Die humanitäre Lage ist nach Angaben von Helfern dramatisch.

Ost-Ghouta hatte in den vergangenen Tagen eine der schlimmsten Angriffswellen der Regierung seit Beginn des fast siebenjährigen Bürgerkriegs erlebt. Nach Angaben der Beobachtungsstelle kamen in den vergangenen zehn Tagen fast 590 Zivilisten ums Leben.

Trotz scharfer Kritik aus den USA fühlt sich die Türkei nicht an die UNO-Resolution über eine Waffenruhe in Syrien gebunden und will ihre Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG in Afrin fortsetzen. Die Türkei sehe sich nicht als eine der Kriegsparteien und führe in der nordsyrischen Region Afrin einen Kampf gegen „Terrororganisationen” teilte das Außenministerium in Ankara am Mittwoch mit.

Zudem werde Afrin im Resolutionstext nicht explizit als Region aufgezählt, in der die humanitäre Lage besorgniserregend sei. Die Türkei empfehle den USA, „statt Erklärungen abzugeben, die Terroristen unterstützen, sich darauf zu konzentrieren, die Angriffe des (syrischen) Regimes auf unschuldige Zivilisten zu stoppen”, erklärte das Ministerium.

Ankara reagierte damit auf Äußerungen der Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert. Sie hatte am Dienstag betont, dass die UNO eine Waffenruhe in ganz Syrien forderte, und der Türkei empfohlen, den Resolutionstext noch einmal zu lesen.

Am Montag hatte schon Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nach Angaben des Elyseepalasts in einem Telefonat mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan betont, dass die UNO-Resolution auch die türkische Offensive in Afrin umfasse. Das türkische Außenministerium dementierte am Mittwoch, dass es bei dem Telefonat in dem Zusammenhang um Afrin gegangen sei. Die Türkei sieht die YPG als syrischen Ableger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und damit als Terrororganisation.

apa/dpa

stol