Sonntag, 01. Juli 2018

Erneut Tote und Verletzte bei Demonstrationen in Nicaragua

Bei einer Großkundgebung gegen die Regierung in Nicaragua hat es erneut Tote gegeben. 2 Demonstranten seien am Samstag erschossen und mindestens 11 weitere Protestteilnehmer verletzt worden, teilen Menschenrechtsaktivisten mit. Sie werfen Regierungskräften vor, das Feuer auf die Demonstranten eröffnet zu haben.

Die Proteste gegen Präsident Ortega gehen weiter. - Foto: APA (AFP)
Die Proteste gegen Präsident Ortega gehen weiter. - Foto: APA (AFP)

Damit stieg die Zahl der Todesopfer seit Beginn der Proteste gegen Staatschef Daniel Ortega Mitte April auf mehr als 220. Regierungsgegner hatten für Samstag zu einem „Blumenmarsch” aufgerufen, um der Menschen zu gedenken, die bisher bei gewalttätigen Einsätzen gegen die Proteste getötet wurden. Es war die erste derartige Großkundgebung seit dem Protestmarsch am 30. Mai, bei dem Regierungskräfte 18 Menschen getötet hatten.

Einer der Demonstranten starb am Samstag nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Cenidh, als Bewaffnete von einem Stützpunkt einer paramilitärischen Gruppe aus auf eine Straßenbarrikade von Demonstranten an der Universität Managua schossen.

Bei dem anderen Toten handelt es sich nach Aktivistenangaben um einen 23-Jährigen, der von einem Kopfschuss getroffen wurde, als er die Marschroute verließ.

Vorwürfe an die Regierung

Der Vater des getöteten 23-Jährigen machte der Regierung von Präsident Ortega schwere Vorwürfe. Er habe früher mit Ortega für die Revolution gekämpft, sagte Luíz Ortíz. „Ich habe meinen Schweiß und mein Blut gegeben”, sagte der Vater. „Ich hätte nie gedacht, dass mein Sohn durch die Hände von jemandem sterben wird, mit dem ich so lange gekämpft habe.”

Ursprünglich hätte der Marsch bereits vor einer Woche stattfinden sollen, nach brutalen Einsätzen von Polizei und Paramilitärs in mehreren Regionen des Landes war er jedoch verschoben worden. Die Unruhen in Nicaragua hatten Mitte April begonnen, als Sicherheitskräfte Demonstrationen gegen Rentenkürzungen gewaltsam niederschlugen. Seither weiteten sich die Proteste auf das ganze Land aus.

Sie richten sich inzwischen gegen den autoritären Regierungsstil von Staatschef Daniel Ortega und seiner Ehefrau, Vizepräsidentin Rosario Murillo. Der ehemalige Guerillakämpfer regierte Nicaragua von 1979 bis 1990 und erneut seit elf Jahren, sein derzeitiges Mandat endet im Jänner 2022.

Bischofskonferenz bemüht sich um Deeskalation 

Die katholische Bischofskonferenz bemüht sich seit Wochen um eine Vermittlung in dem Konflikt. Die Gespräche stocken jedoch, weil Ortega sich weigert, die für 2021 geplanten Wahlen auf März kommenden Jahres vorzuziehen.

Die nicaraguanischen Bischöfe Leopoldo Brenes und Rolando Álvarez informierten am Samstag im Vatikan Papst Franziskus über die Situation in Nicaragua. Der Papst habe sich besorgt gezeigt über die „schmerzhafte” gesellschaftspolitische Krise und die Kirche ermutigt, weiter auf einen Dialog zu drängen, hieß es danach.

apa/ag.

stol