Freitag, 28. Juni 2019

Erstes begehbares Gipfelbuch in Sexten eröffnet

Es sind die Emotionen großer Alpinisten und unscheinbarer Bergsteiger, die nach Bezwingung eines Berges in den ersten Gipfelbüchern der Sextner Dolomiten niedergeschrieben wurden. Nur wenige hatten bisher Einblick, jetzt wurden die Eindrücke der einstigen Gipfelbezwinger ins Tal geholt und in einer einzigartigen Kunstinstallation der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Eindrücke der einstigen Gipfelbezwinger wurden ins Tal geholt und in einer einzigartigen Kunstinstallation der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. - Foto: Christian Tschurtschenthaler
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Eindrücke der einstigen Gipfelbezwinger wurden ins Tal geholt und in einer einzigartigen Kunstinstallation der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. - Foto: Christian Tschurtschenthaler

Mit den Erstbesteigungen von Großer Zinne und Dreischusterspitze vor genau 150 Jahren beginnt eine neue Zeitepoche, die Sexten im Hochpustertal nachhaltig verändern sollte. Die Jubiläumsfeierlichkeiten bieten mit der neuen Bergsteigermeile, der Spiegelinstallation an der Felssonnenuhr und dem Zeitstein neue Attraktionen, die Berge im Tal erlebbar zu machen. Ein Höhepunkt war am Mittwochabend die Eröffnung des ersten begehbaren Gipfelbuchs.

Gipfelbücher erzählen

Bis zuletzt wurde es als großes Geheimnis gehütet, am Mittwochabend war es dann soweit: unter Beteiligung von viel Südtiroler Prominenz und Vertretern von Sextens Partnerstadt Zermatt durchtrennten Bürgermeister Fritz Egarter, Tourismusvereinspräsidentin Traudl Watschinger, die Gemeindepräsidentin von Zermatt Romy Biner-Hauser und der Gemeindepräsident von Täsch am Matterhorn, Mario Fuchs die rote Schleife und durchschritten als erste das begehbare Gipfelbuch.

Foto: Christian Tschurtschenthaler

Nachhaltige Kunstinstallation

Es war die Idee von Architektin Ulla Hell, mit den facettenreichen Einträgen der Bergpionierzeit ein extravagantes Kunstportal aus Zirbenholz und Stahlteilen zu schaffen, das direkt am Haus Sexten in die Gipfelwelt der Sextner Dolomiten hineinführt. „Wir erheben damit den Anspruch auf Nachhaltigkeit“ sagte Hell in ihren Ausführungen, denn nach dem heurigen Bergsommer wird das aus 77 Sitzbänken bestehende Gipfelbuch in seine Einzelteile zerlegt und kann samt Gipfelbucheintrag von Privaten erworben werden. Dorfarchivar Rudl Holzer hatte die 77 Einträge, die an der Großen und Kleinen Zinne sowie am Zwölfer verewigt wurden, ausgewählt.
Auf den Spuren der Kraxler

Luca Gransinigh, Student an der Fakultät für Design und Künste an der Universität Bozen stellte anschließend mit Dozent Prof. Kuno Prey sein Kunstobjekt „Spuren“ vor, das sich vom Bahnhof Innichen/Sexten bis ins Fischleintal zieht. Entlang des Weges finden sich in Aluminium gegossene Gegenstände, welche Kletterer und Bergsteiger auf ihrer Reise zum Gipfel mit sich führten: Hanfseil, Eispickel, Nagelschuhe, Rucksack.
Zermatt gratuliert Sexten

„Wir gratulieren unserem Partnerort Sexten zum 150 Jahrjubiläum auf das herzlichste“ sagte Romy Biner-Hauser, die Gemeindepräsidentin von Zermatt. „Unsere beiden Orte verbindet die Einzigkeit ihrer Berge – an den Drei Zinnen und am Matterhorn wurde Alpingeschichte geschrieben“. Fritz Egarter und Traudl Watschinger überreichten den Schweizer Freunden eine Sitzbank aus der Installation des neuen begehbaren Sextner Gipfelbuches.
Während die Ehrengäste über die Bergsteigermeile schritten gab Künstler Arno Dejaco, Einblicke in seinen Zeitstein, dessen goldenes Korallenrelief die Schatten der späten Abendsonne auf das steinerne Ziffernblatt bannte.

Willi Rainer wird Ehrenmitglied von Sexten Tourismus

Einen besonderen Höhepunkt der Feierlichkeiten stellte die Ehrung von Tourismuspionier und Altbürgermeister Willi Rainer dar. Kein geringerer als Altlandeshauptmann Luis Durnwalder hielt die Laudatio auf seinen jahrzehntelangen politischen Weggefährten: „Mit Willi Rainer wird heute eine Persönlichkeit Sextens ausgezeichnet, die sich sowohl um den Tourismus in diesem Tal aber auch landesweit verdient gemacht hat“.

Rainer war zeitlebens ein Macher, aus einfachen Verhältnissen stammend, baute er mit seiner Frau Agnes ein Hotelimperium auf, wurde mit 29 Jahren Präsident des Verkehrsamtes Sexten und war 16 Jahre lang Bürgermeister der Bergsteigergemeinde Sexten. Mit Einführung der legendären Weißen und Grünen Wochen, dem Filmbestseller „Sonne, Süden, Sexten“ und der Werbeaktion „Ist Sexten ohne Schnee, bringen wir Dich gratis auf die Marmolada“ war Rainer Vorreiter als Tourismusmanager. Er rief den Verein Sexten Kultur ins Leben, holte den Claus Gatterer Preis nach Sexten und baute Italiens erste Kletterhalle. „Damit ist Willi Rainer nicht nur glühender Verfechter eines florierenden Wirtschaftszweiges als vielmehr die Ikone, die Sexten aufgrund seiner Geschichte mit dem Anspruch auf seine alpine Kompetenz verknüpft hat“, so Durnwalder. Danach leistete er dem einstimmigen Beschluss des Tourismusvereins Sexten zu dieser seltene Auszeichnung Folge und überreichte Willi Rainer unter anhaltendem Applaus das goldene Ehrendiplom samt Ehrennadel.

Altlandeshauptmann Luis Durnwalder beim Besuch des ersten begehbaren Gipfelbuches. - Foto: Christian Tschurtschenthaler

stol/Christian Tschurtschenthaler

 

 

 

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