Unsere interaktive Grafik zeigt, wie stark die Schneefälle an verschiedenen Südtiroler Messstationen zurückgegangen sind. <BR /><BR />„Wir werden auch in Zukunft Schneemänner bauen können. Allerdings wird man immer mehr den passenden Moment nutzen müssen. Und zwar wenn Schnee fällt, denn bald darauf wird er schmelzen“, sagen die beiden Wissenschaftler Giacomo Bertoldi und Michele Bozzoli. Schnee werde zwar nicht verschwinden, aber ein im Winter immer selteneres und unregelmäßigeres Phänomen werden, insbesondere in den tiefen Lagen.<BR /><BR />Im vergangenen Jahr veröffentlichte eine Forschungsgruppe von Eurac Research, der auch Bertoldi und Bozzoli angehörten, zusammen mit der Universität Trient eine Studie zum Schneefall in Trentino-Südtirol. Das Ergebnis: Von 1980 bis 2020 sind die Schneefälle in der ganzen Region um bis zu 75 Prozent zurückgegangen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="984511_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Wie die Ergebnisse der Studie zeigen, gibt es am meisten Schnee im Januar und im Februar. Zur Weihnachtszeit hingegen werde man sich an den Gedanken gewöhnen müssen, mit viel Regen anstatt mit viel Schnee zu rechnen, sagen die Forscher. <BR /><BR />Das hat Auswirkungen auf viele Bereiche, hauptsächlich aber auf das Wasser. „Die Folgen sind schwerwiegend für den Grundwasserspiegel, die Verfügbarkeit von Wasser und damit für alle menschlichen Aktivitäten und Umweltprozesse, die auf Wasser angewiesen sind“, erläutern Giacomo Bertoldi und Michele Bozzoli. <h3> „Gefahr einer Dürre wird größer“</h3>Nicht zu vergessen: der heimische Wintertourismus, im speziellen Ski fahren. „Ab etwa 1500 Metern sind wir zuversichtlich. Aber es wird schwierig werden“, sagen die beiden Forscher, insbesondere weil auch die Temperaturen steigen. <BR /><BR />„Der durchschnittliche Temperaturanstieg an den von uns untersuchten Stationen von 1980 bis 2020 beträgt 1,54 Grad. Bei warmem Wetter bleibt der Niederschlag meist in flüssiger Form, weil es nicht kalt genug für Schneefall ist“, berichten Bertoldi und Bozzoli. „Die wenigen Fälle, in denen im Laufe der Jahre mehr Schnee gefallen ist – in Höhen um die 2000 Meter –, sind darauf zurückzuführen, dass es trotz eines generellen Temperaturanstiegs an diesen Orten immer noch kalt genug ist, um Niederschläge in Form von Schnee fallen zu lassen.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="984514_image" /></div> <BR /><BR />„Jahre mit wenig Schnee und warmen Temperaturen werden häufiger werden als Jahre mit kalten Temperaturen und viel Schnee“, so Giacomo Bertoldi und Michele Bozzoli. In der Wahrnehmung eines Menschen geschehe der Wandel langsam, für die Natur sei er hingegen sehr schnell. <h3> Gefahr einer Dürre wird größer</h3>Zwar haben die Niederschläge gemäß der Studie überall zugenommen, aber hauptsächlich in Form von Regen und nicht von Schnee. „Die Winter sind aber wichtig, um das ganze Jahr über genügend Wasser zu haben“, erläutert Bertoldi. „Der Schnee hat eine immens wichtige Funktion, indem er Gletscher und Böden bedeckt und damit vor Verdunstung schützt. Wenn er im Frühjahr langsam schmilzt, hilft er, die Wasserreserven allmählich aufzufüllen. Ohne Schnee ist die Gefahr einer Dürre größer.“ <BR /><BR />Man bewege sich ansonsten immer mehr in Richtung eines Klimas, das dem Süden ähnle. „Dort regnet es viel im Winter und wenig im Sommer“, so die beiden Forscher. Die Sommer seien trocken und heiß. Hierzulande sorgt der geschmolzene Schnee im Frühling und Sommer für Wasser, also Zeiten, in denen es insbesondere die Vegetation und die Landwirtschaft am meisten benötigen. Zeiten, die es im Winter ermöglichen, Schneemänner zu bauen. Noch.<BR /><BR />Wie haben sich die Schneehöhen an mehreren Messstationen in den vergangenen Jahren entwickelt. Das sehen Sie in folgender interaktiven Grafik.<BR /><BR /> <div class="embed-box"><div class="container-wrapper-genially" style="position: relative; min-height: 400px; max-width: 100%;"><img src=" https://img.genial.ly/5fd380c29270490f70f47a03/f30fb79b-ab39-43a4-b16e-6acb3b0565c8.jpeg" class="loader-genially" style="position: absolute; top: 0; right: 0; bottom: 0; left: 0; margin-top: auto; margin-right: auto; margin-bottom: auto; margin-left: auto; z-index: 1;width: 80px; height: 80px;"/><div id="65a813939e788900148abafa" class="genially-embed" style="margin: 0px auto; position: relative; height: auto; width: 100%;"></div></div><script>(function (d) { var js, id = "genially-embed-js", ref = d.getElementsByTagName("script")[0]; if (d.getElementById(id)) { return; } js = d.createElement("script"); js.id = id; js.async = true; js.src = " https://view.genial.ly/static/embed/embed.js"; ref.parentNode.insertBefore(js, ref); }(document));</script></div> <BR /><BR /><BR /><b>Das sagt der Meteorologe des Landes</b><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="984517_image" /></div> <BR /><BR />In den vergangenen 40 Jahren sind die Schneehöhen an den meisten Messstationen in Südtirol zurückgegangen, allerdings mit Unterschieden je nach Monat, Höhe und Lage“, erklärt Dieter Peterlin, Meteorologe des Landes. An den 28 Standorten gebe es im Winter hauptsächlich unterhalb von 1500 Metern Rückgänge, während sich zwischen 1500 und 2000 Metern Ab- und Zunahmen die Waage halten würden. <BR /><BR />„Zudem sind räumliche Muster zu beobachten, wonach die Rückgänge hauptsächlich im Norden und Osten erfolgten, die meisten Zunahmen dagegen im Süden und Westen“, so Peterlin. Als Beispiel nennt er Schlinig, im Westen des Landes auf 1690 Metern, wo die mittlere Schneehöhe im Februar von 48 Zentimeter auf 63 Zentimeter gestiegen ist. Am Stausee Neves hingegen, im Nordosten auf 1860 Metern, ging die Schneehöhe von 86 Zentimeter auf 66 Zentimeter zurück.<BR /><BR />„Am Ende der Schneesaison, also je nach Höhe zwischen April und Mai, wurden keine Zunahmen beobachtet“, erläutert Dieter Peterlin. An den meisten Standorten sei der Schnee im beobachteten Zeitraum, also von 1981 bis 2020, im Mittel im letzten Monat der Schneesaison sogar verschwunden. „Im April liegt jetzt unterhalb von etwa 1500 Metern in Südtirol im Schnitt kein Schnee mehr. Vor 40 Jahren waren an manchen Orten 7 bis 24 Zentimeter üblich, etwa in Sexten oder Pens“, so der Meteorologe. <BR /><BR />