Das Prinzip von Escape Rooms ist einfach: Die Spieler befinden sich in einem Raum und müssen mit den darin befindlichen Gegenständen und Hinweisen Rätsel lösen, um eine Mission zu erfüllen. Den Handlungssträngen sind kaum Grenzen gesetzt: Ob es ein lange vergessenes Familiengeheimnis zu lüften, einen Mord zu lösen oder auch einer Notsituation zu entkommen gilt – jeder Escape Room ist anders. <BR /><BR />Auch in Südtirol gibt es bereits mehrere Anbieter, etwa in Bozen, Eppan und Kastelruth. Ein spaßiges Konzept mit viel Raum für Kreativität – das dachten sich auch Hannes Mair aus Sarnthein und Michael Walter aus Kramsach in Nordtirol. <BR /><BR />Vor einigen Jahren beschlossen die Freunde aus Studienzeiten, gemeinsame Sache zu machen – und einen eigenen Escape Room in Kufstein auf die Beine zu stellen. „Bald wurde uns aber bewusst, dass es gar nicht einfach ist, die passende Location zu finden und zu mieten, mit Personal auszustatten... Außerdem spielt man einen Escape Room ja nur einmal“, gibt Hannes Mair zu denken. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1291026_image" /></div> <BR />Normalerweise müssen Escape Rooms alle paar Jahre komplett umgebaut werden – teils zu hohen Kosten für die Betreiber. „Und plötzlich hatten wir die Idee: Wäre es nicht ideal, einen mobilen Escape Room ohne Personal zu bauen, den man immer wieder an neue Orte bringen kann?“ <h3> Eine super Idee und jahrelanges Tüfteln</h3>Gesagt, getan – oder auch nicht. „Wir dachten, hey, das ist eine super Idee und auch ganz simpel! Tja, die Idee war vielleicht super, aber simpel war die Umsetzung leider gar nicht“, lacht der studierte Bauingenieur heute. Viereinhalb Jahre lang tüftelten Mair und Walter, der ebenfalls im Baugewerbe tätig ist, an ihrem Projekt, ehe sie mit einer Testbox erste Versuche starteten – zunächst als Outdoor-Box. <BR /><BR />„Wir haben die Box überall in Nordtirol aufgestellt, sogar an einem See, um zu sehen, wie das Konzept angenommen wird“, erzählt Mair. Schnell wurde klar: Eine Indoor-Box ist nicht nur einfacher umzusetzen, sondern auch weitaus günstiger in der Produktion. <BR /><BR />Ein erstes Modell ist bereits seit etwa einem Jahr in Betrieb – und zwar an österreichischen Schulen. „Die Wirtschaftskammer Österreich fand unsere Idee super und bat uns, ein Konzept zu entwickeln, um junge Menschen inspirieren zu können, Elektrotechnik zu studieren – es mangelte wohl an Nachwuchs. Also haben wir eine Story entwickelt, in der die Schüler in einem Bergstollen verschüttet werden und versuchen müssen, die Sprechanlage zu reparieren, um mit der Außenwelt kommunizieren zu können. Sie müssen Strom und Ähnliches erzeugen und werden quasi spielerisch an die Elektrotechnik herangeführt.“<BR /><BR /><b>Sehen Sie in der Bildergalerie:</b> Die MirakelBox, die bereits seit einem Jahr an Österreichs Schulen zirkuliert.<BR /><BR /><embed id="dtext86-74013685_gallery" /><BR /><BR />Um ihre Grundidee – ein mobiler Escape Room, der in Hotels, in Einkaufszentren und Flughäfen aufgestellt werden kann – umzusetzen, suchten sich die beiden Tüftler schließlich finanzkräftige Hilfe: Sie bewarben sich bei der TV-Sendung „2 Minuten 2 Millionen“ auf Puls4, dem österreichischen Pendant der „Höhle der Löwen“. <BR /><BR />„Wir wurden überraschend schnell angenommen, was uns sehr gefreut hat“, so Mair. In der Jury saßen neben den Unternehmern Katharina Schneider, Alexander Schütz und Matthias Muther auch der Südtiroler Hotelier Erich Falkensteiner und der Nordtiroler Investor Christian Jäger, dessen Unternehmensgruppe „Jäger“ heute über 20 Firmen angehören.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1291029_image" /></div> <BR />Mair und Walter präsentierten ihre MirakelBox auf kreative Weise: Sie ließen die Investoren Rätsel lösen, um überhaupt erst zu ihrem Pitch, also der Vorstellung ihres Konzepts, zu gelangen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1291032_image" /></div> <BR />Die Investoren waren restlos begeistert – und nach kurzer Überlegung erhielten die Landsmänner Erich Falkensteiner und Christian Jäger den Zuschlag, für genau das, was das kreative Duo ursprünglich gefordert hatte: 90.000 Euro für zwölf Prozent Unternehmensanteile. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1291035_image" /></div> <BR />Am Dienstag wurde die Sendung auf Puls4 ausgestrahlt – und hat schon hohe Wellen geschlagen: „Wir haben gestern laufend Telefonate und E-Mails bekommen, viele interessieren sich für unser Konzept. Das ist wirklich überwältigend“, freut sich Mair, der mit Walter für seine Erfindung bereits mit dem Tiroler Innovationspreis ausgezeichnet wurde.<h3> Das Geheimnis der MirakelBox</h3>Schon in einer Woche wird der Traum der beiden Tüftler endlich Realität: Dann wird die erste MirakelBox in Betrieb gehen, und zwar im Einkaufszentrum M4 in Wörgl. Doch wie funktioniert der mobile Escape Room ohne Personal überhaupt? „Der Raum unserer Box bietet bis zu vier Personen Platz. Sobald sie den Startknopf drücken, beginnt die Geschichte. Anhand von Hinweisen müssen sie es schaffen, die Mission vor Ablauf der Zeit – meist 50 Minuten – zu erfüllen.“ So weit, so bekannt, denn genau nach diesem Prinzip funktionieren Escape Rooms eben. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1291038_image" /></div> Doch der geringe Platz und vor allem das nicht vorhandene Personal haben die beiden erfinderisch werden lassen. So wird die Story mit Licht- und Soundeffekten begleitet, eine Nebelmaschine untermalt dramatische Schlüsselszenen. In einem besonders spannenden Moment wird sogar der ganze Raum mittels Lichteffekten optisch verändert. Die Geschichte, die sich um den Zauberer Merlin dreht, kann für Anfänger oder für Profis gespielt werden, demnächst auch als Kurz- oder Langversion – sie wird künftig sogar in neun Sprachen spielbar sein. Kommt ein Team nicht mehr weiter, merkt die Box das – und bietet auf sehr subtile Art Hinweise an. <BR /><BR />Doch wie kommt die Box nach der Lösung aller Rätsel wieder in ihren Originalzustand – ganz ohne Personal? „Das macht die Box alles selbst. In Schlösser gesteckte Schlüssel etwa werden durch Luftdruck wieder hinausgepustet und dergleichen. Alles schiebt sich von selbst wieder an den richtigen Platz – und ist bereit für eine neue Runde Rätselraten.“