Renzi will Druck auf Brüssel machen, um eine Lockerung der strengen Sparpolitik zu erreichen. Die EU beobachtet gespannt die Inhalte der „Renzinomics“. Der in Brüsseler Kreisen noch unbekannte Toskaner muss seine proeuropäische Haltung erst beweisen. Die EU legt vor allem Wert auf politische Stabilität. Inwieweit Italiens jüngster Premier aller Zeiten gewillt ist, die Maastricht-Kriterien einzuhalten, ist unklar. Seine Priorität liegt nicht im Abbau der Neuverschuldung, sondern im Ankurbeln des Wirtschaftswachstums.Die EU befürchtet, dass Italien bei seinen Bemühungen zur Schuldeneindämmung nachlassen könnte, sollte der 39-jährige Renzi mit einer stark sozialdemokratisch ausgerichteten wirtschaftspolitischen Linie für mehr Ausgaben für Wachstum und Beschäftigung sorgen. Damit würde er sich in krassen Widerspruch zur wirtschaftspolitischen Linie seiner Vorgänger Enrico Letta und Mario Monti setzen.Was der Regierungswechsel in Rom für Italiens Wirtschaftspolitik bedeutet, ist noch nicht klar. Unbestritten ist, dass Renzi mit der Ernennung des OECD-Chefökonomen Pier Carlo Padoan Europa ein klares Signal geben will. Der 64-jährige Padoan gilt als Keynesianer, der sich nicht nur für eine expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), sondern auch zugunsten einer gewissen vorübergehenden Lockerung der Budgetdisziplin für schwächere Mitglieder der Währungsunion ausgesprochen hatte. Zuletzt hatte er mit der Aufforderung an die EZB für Aufsehen gesorgt, ihre Geldpolitik aggressiv zu lockern. Zugleich hatte er sich gegen einen zu strikten Sparkurs erklärt.Renzi unterzieht sich VertrauensvotumAm heutigen Montag stellt Renzi im Senat sein Regierungsprogramm vor. Der 39-Jährige, der am Samstag mit seinem Kabinett vereidigt worden ist, unterzieht sich danach einer Vertrauensabstimmung im Senat. Am Dienstag folgt das Vertrauensvotum in der Abgeordnetenkammer. Anschließend wird Renzi Staatssekretäre und Vizeminister ernennen.apa